Dienstag, 17. Dezember 2024

Brot des Lebens

 In unserer Zeit ist nichts wichtiger als geistliche Nahrung für Anfänger und Fortgeschrittene. Diese findet ihr nicht nur auf diesem Blog, sondern heute vor allem auch hier: 

manfredreichelt.wordpress.com/inhaltsverzeichnis/

https://independent.academia.edu/ManfredReichelt

Montag, 18. Dezember 2023

Die Abwesenheit der Stille

  In einer Vikariatsarbeit schreibt Kerstin Geiger, „Wenn in einer Gebetsgemeinschaft Stille entstand, war das höchstpeinlich.“ Das kenne ich auch aus eigenem Erleben. Dabei sind es doch diejenigen, die den Glauben an Jesus Christus etwas ernster nehmen, die überhaupt an einem Gebetskreis teilnehmen. Etwas mehr nehmen an den Bibelstunden teil. Den übrigen genügt es mit einer gewissen Regelmässigkeit oder nur an den Feiertagen den Sonntagsgottesdienst zu besuchen. So sieht also ist das spirituelle Leben der  Christenheit aus...Was will man da noch von ihm erwarten? 

Ohne Stille kann Gott nicht zu uns sprechen.


Dienstag, 26. März 2019

Es geschehen noch Wunder...

Theologisch gesehen gibt es ja schon lange keine Neuigkeiten mehr, die dem Menschen und dem Gläubigen im Besonderen wirkliche Klarheit vermitteln. Deshalb ist es mir eine große Freude, darauf hinzuweisen, dass wenigstens ein Problem endgültig gelöst wurde. Aber seht selbst: Online-PDF (kann auch heruntergeladen werden).
Tipp: Man sollte sich von diesem etwas längeren Text nicht schrecken lassen, sondern ihn sorgfältig zu Ende lesen.

Mittwoch, 15. November 2017

Brauchen wir einen neuen Gott oder neue Offenbarungen?

Das Online-Portal der evangelischen Zeitschrift „Chrismon“ befasste sich kürzlich mit dem Leid auf unserer Welt und fragte seine Leser: „Bei all dem Leid auf der Welt: Gibt es Gott?“
Darauf antworteten 5,81 % der Abstimmenden mit „Ja“ und 94,19 % mit „Nein“ (Stand 15.11.2017, 16:25 h)! - Ein solches Ergebnis muss jeden Christen zutiefst erschrecken! Denn es zeigt, dass man es, nach 2000 Jahren, nicht fertigbrachte eine wirkliche Antwort auf solche Fragen zu geben. Man muss kein Prophet sein, dass der Glaube an Gott weiter abnehmen wird, wenn sich hier nicht bald etwas ändert. - Deshalb auch meine provokante Überschrift.

Natürlich kann man sich keinen besseren Gott denken als einen Gott der Liebe. Doch Liebe kommt anscheinend in dem Leid der Welt nicht zum Ausdruck. Gerade weil man sich heute unter Gott nur einen Gott der Liebe vorstellen kann, zweifelt man daran, dass es Gott überhaupt gebe. Wie ist der Glaube an Gott aufrecht zu halten, wenn doch so viel Leid geschieht? Wir sprechen dann davon, dass Gott auch heilig und gerecht sei. Wo aber ist die Gerechtigkeit, wenn unschuldige Kinder leiden? - Nein, auch eine Gerechtigkeit ist nicht erkennbar. Deshalb blenden viele Christen einfach diese Fragen aus, anstatt Gott zu bestürmen, endlich auf diese Fragen eine Antwort zu geben. Aber Verdrängen ist keine Lösung, denn sie führt – wie man sieht – geradewegs in den Unglauben.

Nun gibt es tatsächlich, zumindest seit Jahrzehnten, eine überzeugende christliche Antwort auf dieses Problem. Sie muss nur zur Kenntnis genommen und verbreitet werden. Dabei handelt es sich nicht um eine neue Offenbarung, sondern um ein tieferes Eindringen in die Heilige Schrift als wie es bisher geschah. Da entdeckte der Autor die doch so überraschend einfache Antwort. Ich spreche von dem Buch „Warum gerade ich? - Schicksalsfragen im Licht neuester Erkenntnisse“ des Autors Manfred Reichelt.

Nur, wenn diese Gedanken aufgegriffen werden, kann man den Abfall vom Glauben stoppen, ja erneut Menschen für Jesus Christus begeistern!


Freitag, 26. Februar 2016

Unlebendige Christen und blinde Blindenführer

Der Blog, auf dem Sie sich befinden, heißt nicht umsonst "Glaube und Erkenntnis"; denn was ist Glaube ohne Erkenntnis? - Richtig, blinder Glaube! Und diejenigen, die in blindem Glaube andere belehren, sind blinde Blindenführer.
Wer Glaubensaussagen macht, kann nicht einfach die Bibel zur Hand nehmen und für irgendein Problem eine passende Stelle suchen. Aber so wird es immer wieder gemacht. Ganze Strömungen der Christenheit handhaben das so. Man ist ein "Bibellehrer", nicht ein von Gott gelehrter. Man hat den Buchstaben und pocht darauf, dass gerade der Buchstabe, der präziseste Ausdruck von Gottes Wahrheit sei. Er sei Gottes Wort.

Für einen "Bibeltreuen", wie man sich gern nennt, oder auch einen "Evangelikalen" ist schwer zu verstehen, dass das nicht stimmt. Wer jetzt Zweifel an meinen Worten hat, weil er mich nicht kennt, sollte auf einen anerkannten Vertreter dieser bibeltreuen, evangelikalen Fraktion hören. A.W. Tozer schrieb:
Die Behauptung, dass es einen Unterschied zwischen bibelgelehrt und geistgelehrt gibt, mag manchem Leser einen Schock versetzen. Und doch ist sie zutreffend.
Es ist sehr wohl möglich, dass man in den Grundlagen des Glaubens unterwiesen wurde und dennoch überhaupt nicht verstanden hat, um was es eigentlich geht. Und es ist möglich, ein Experte in der biblischen Lehre zu werden und doch kein geistliches Licht zu haben. Die Folge davon ist, dass ein Schleier über dem Geist bleibt, der ihn davon abhält, die Wahrheit in ihrem geistlichen Wesen zu erfassen.
Die meisten von uns kennen Gemeinden, die ihre Kinder vom zartesten Alter an in der Bibel unterrichten, sie ausführlich im Katechismus unterweisen, sie in Gesprächsgruppen weiter ausbilden und dennoch niemals ein lebendiges Christentum noch eine starke Frömmigkeit in ihnen wecken.

Bei ihren Mitgliedern gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass sie vom Tod ins Leben gekommen sind. Keines der Kennzeichen der Errettung, die in der Bibel so eindeutig angeführt werden, ist unter ihnen zu finden. Ihr religiöses Leben ist korrekt und leidlich moralisch, aber völlig automatisch und ohne jeglichen Glanz. Sie tragen ihren Glauben, wie man früher bei Trauer eine schwarze Armbinde trug, um seine Liebe und Achtung für den Verstorbenen zu zeigen.

Solche Menschen kann man nicht als Heuchler abtun. Viele von ihnen sind ergreifend ernst bei der Sache. Sie sind einfach blind. Weil der lebendige Geist fehlt, müssen sie sich zwangsläufig mit einem äußerlichen Glauben zufriedengeben, während sie die ganze Zeit tief in ihrem Herzen nach echtem geistlichem Leben 
hungern und nicht wissen, wo bei ihnen der Fehler liegt.

...
Unter den orthodoxen Gläubigen findet man manchmal eine leblose Abhängigkeit vom Buchstaben des Textes, ohne dass auch nur das geringste Verständnis seines Geistes vorhanden ist. Wenn wir die Wahrheit wirklich kennen wollen, müssen wir uns beständig vor Augen halten, dass die Wahrheit ihrem Wesen nach geistlich ist."  

An anderer Stelle sagt er: "Was Gott seiner Gemeinde je zu ihrer Zeit zu sagen hat, hängt gänzlich davon ab, in welchem moralischen und geistlichen Zustand sie sich befindet und was die geistliche Not der Stunde ist. Christliche Leiter, die die Schriften unablässig in einer mechanischen Weise auslegen, ohne die gegenwärtige geistige Situation zu berücksichtigen, sind nicht besser als die Schriftgelehrten in den Tagen Jesu, die wie Papageien das Gesetz rezitieren, ohne im entferntesten zu erkennen, was geistlich um sie herum vorgeht.


Wir können sicher sein, dass die Glaubenslosigkeit unserer Zeit, nicht zuletzt diesem gedankenlosen Umgang mit der Bibel, der falschen Selbstsicherheit im Glauben, geschuldet ist.
Wir Christen, beantworten mit biblischen Phrasen, locker vom Hocker, Fragen, die wir selbst nie gestellt haben. Das ist einfach oberflächlich und verantwortungslos.
Ändern wir unseren Sinn! Lasst uns lebendige Christen werden!
Torsten Hebel sagt in seinem Buch "Freischwimmer" :  „Wir brauchen eine neue suchende Spiritualität, denn Theologie ohne Spiritualität ist nur eine Hülle und dient am ende niemandem mehr. Es ist an der Zeit neue Fragen zu stellen, und all die alten Antworten, die wir irgendwann einmal gelernt haben, erst einmal beiseite zu schieben.“



Mittwoch, 15. Juli 2015

Die Reformation beginnt...

Wache Christen sehen die Notwendigkeit einer neuen Reformation. Ja, man müsste sogar schon von Revolution sprechen, denn so sehr sind wir heute vom Ursprung abgewichen. Lassen wir uns bewegen durch den folgenden Beitrag von Manfred Reichelt, der unter der Überschrift "Die Abweichung vom Ursprung" publiziert wurde, und so klar wie nie, den Finger auf die wunden Punkte legt: 

 "Pornographie als Beispiel

Wenn man keine Erfüllung im Ewigen findet, sucht man es anderswo. Das ist für jeden Ungläubigen normal. Aber für einen Christen? Da stimmt doch etwas mit dem Begreifen und der Vermittlung des Evangeliums nicht. Wie anders ist es zu erklären, dass viele Christen Pornographie schauen, ja selbst Prediger und Pastoren?
Bei einer freiwilligen Umfrage im Internet gaben 50 % aller christlichen Männer und 20 % aller christlichen Frauen an, von Pornographie abhängig zu sein. 60 % Prozent der Frauen, die bei der Befragung antworteten, gaben zu, bedeutende Kämpfe mit Lust zu haben, 20 % der zur Kirche gehenden weiblichen Befragten kämpfen mit dem beständigen Anschauen von Pornographie.
(Ergebnisse einer ChristiaNet Untersuchung, berichtet von Marketwire.com, 07.08.06, Clay Jones)
Bei einer Befragung von über 550 christlichen Männern auf einem Männerseminar gaben über 90 % an, dass sie sich von Gott getrennt fühlten wegen Lust, Pornographie oder Phantasien, die sich in ihrem Leben festgesetzt hatten. (http://newmanmag.com Juli/August 2003). Diese erschütternden Statistiken könnten sicher noch beliebig vermehrt werden, aber sie genügen, um einen Einblick in die Seelenlage vieler Gläubigen zu erhalten. Da klingt jedes Gerede von der Erlösung durch Jesus Christus wie blanker Hohn.
Hier fehlt es ganz eindeutig an christlicher Substanz. Dass immer weniger Menschen vom christlichen Glauben etwas wissen wollen, und die Kirchen verlassen, ist notwendige Konsequenz davon. Die Substanzlosigkeit aber offenbart sich nicht allein auf dem Gebiet des Sexuellen, sondern überall im christlichen Glauben. Wo es am Wesentlichen fehlt, nämlich in der Freude, im Glück am Herrn, fehlt es an allem.

Christen leiden an Unterernährung

Der christliche Glaube ist schwach, weil Christen an Unterernährung leiden – aber auch noch diesen Zustand für normal halten, weil er schon so lange andauert. Man hat keinen Bedarf etwas daran zu ändern. Diese Lage entspricht genau der der Gemeinde von Laodizea in der Offenbarung des Johannes (Offb 3,14-22). Dieser Gemeinde wird empfohlen „Augensalbe“ zu kaufen, damit sie sehend werde (V. 18). Was bedeutet das? Die Gemeinde und ihre Leiter sind blind ! Sie sind blinde Blindenführer! Ist das nicht erschütternd? Da wird in den Kirchen und Gemeinden überall vor Verführung gewarnt. Und wo sieht man nicht überall den Feind? In der Esoterik, im Okkulismus, in der Mystik, in der Wissenschaft, in der Philosophie – kurz in allem, das anders ist, als dem, was wir für richtig befinden! Aber nein, die Verführung ist mitten unter uns. Sie ist in uns selbst. In jedem einzelnen! An uns ist es, sich das einzuzugestehen und nach Veränderung zu streben (V. 19).

Die Kontinuität der Fehlentwicklungen

Die Fehlentwicklungen des Christentums begannen schon sehr früh. Sie begannen bereits zur Zeit der Apostel. Aber sie konnten diesen noch ein gewisser Einhalt gebieten. Das musste sich naturgemäß ändern, wenn Männer von geringerem Format als diese, und demzufolge von geringerem Verständnis, die Geschicke der Gläubigen leiteten.

Der Bischof Polykarp, der Paulus noch persönlich kennenlernte, gesteht bereits, dass er vieles nicht begreife. „Brüder, nicht ich selbst habe es mir herausgenommen, euch dies über die Gerechtigkeit zu schreiben, sondern (ich tat’s,) weil ihr mich dazu aufgefordert habt. Denn weder ich noch sonst einer meinesgleichen kann der Weisheit des seligen und berühmten Paulus gleichkommen, der persönlich unter euch weilte und die damaligen Leute genau und untrüglich unterrichtete im Worte der Wahrheit, der auch aus der Ferne euch Briefe schrieb, durch die ihr, wenn ihr euch genau darin umsehet, erbaut werden könnt in dem euch geschenkten Glauben;“ (Brief des Polykarp von Smyrna an die Gemeinde von Philippi 3,1-2.)

Ein anderer Bischof durchreist Kleinasien, nur um sich wegen ein paar Feiertage abzusprechen. Gab es denn nichts Wesentlicheres zu tun ? Eben hatte man noch vom bedeutendsten Ereignis der Menschheitsgeschichte gehört, und dann ist einem schon etwas anderes wichtig…
Der Abstieg von der Anfangshöhe christlichen Glaubens setzte sich bis in unsere Zeit kontinuierlich fort. Wohl gab es hin und wieder auch Aufschwünge, aber nie mehr wurde der Glanz der frühen Zeiten erreicht. Die Entfaltung des Reichtums, der uns in Christus gegeben ist (Kol 2,3), unterblieb weitgehend.

Die Verkehrung des Evangeliums

Das Ziel der Gläubigen wurde immer weniger, dass sein Reich, das „nicht von dieser Welt“ und deshalb unsichtbarer Natur ist, komme (Jo. 18,36, Mt. 6,10), sondern sich eines Platzes im Leben nach dem Tod, das man als „ewiges Leben“ missverstand, zu versichern. Wollte man dies zunächst noch durch einen bestimmten Lebenswandel erreichen, so sollte ab Luther allein die Gnade genügen, um nach dem Tod ins „Himmelreich“ eingehen zu können.
Aus der „engen Pforte“ wurde enges Denken, aus dem Jagen nach der Heiligung – ohne die niemand den Herrn schauen wird (Hebr. 12,14), wurde gemütlich – bürgerliches Leben, aus einem erfüllten, sinnvollem Leben im Hier & Jetzt, wurde Erlösung durch den Tod. Christen verbannten Christus immer mehr von der Erde!
Nicht länger war er das, wozu er gekommen war: Neues, erlöstes Leben, das sich mittels des Glaubens und der Erkenntnis, Erfüllung bringend und Krankheit und Tod überwindend, in uns entfalten wollte (Mt, 13,33). Eine größere Abweichung vom ursprünglichen Glauben konnte es nicht geben!
Verwundert uns also noch, dass immer weniger Menschen von Christus wissen wollen?"

Sonntag, 20. April 2014

Wie man "Christ" sein kann, und sich dennoch Gott vom Leibe hält....



Wie lautet das erste Gebot? „Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit allen deinen Kräften.“ Doch was bedeutet das? Sind damit die Gebote gemeint und deren Erfüllung? Doch wohl kaum. Denn diese Aufforderung ist ja ein Teil der Gebote.
Was ist es also, das wir lieben sollen? - Den tiefsten Kern, den Grund aller Dinge. Das Ewige.
Doch, wer tut das schon? Wer kann das überhaupt? Wenn wir nämlich Gott so liebten, wie gefordert, nämlich ganz, dann wäre doch für anderes überhaupt kein Raum mehr.
Was würde geschehen, wenn wir so Gott liebten? Lassen wir den Kirchenvater Augustinus darauf antworten: „Wenn die Seele etwas liebt, wird sie ihm gleich; wenn sie weltliche Dinge liebt, wird sie weltlich, aber wenn sie Gott lieben sollte (so muss man fragen), wird sie dann nicht zu Gott?“

Einer vermochte das Gebot völlig zu erfüllen, aber das erschreckte die Juden, die es doch hätten besser wissen sollen, so sehr , dass sie ihn „suchten (...) nun noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte, womit er sich selbst Gott gleich machte. „(Joh. 5,18)
Es gab und gibt aber auch Menschen, in denen die Gottesliebe größere Ausmaße annahm, als man das gemeinhin aus den Reihen der Christen kennt. So sagt Katharina von Genua, die hier für viele das Wort führen mag, 'ich empfinde eine solche Liebe zu Gott, daß alle Liebe zum Nächsten mir im Vergleich zu jener zu Gott als eine Heuchelei erscheint'. Oder Mme. Guyon: 'Ich liebte Gott mehr als der leidenschaftlichste Liebhaber seine Geliebte... Diese Liebe war so beständig und beschäftigte mich so unablässig und so mächtig, daß ich an nichts anderes zu denken vermochte.“

Der Weg des Glaubens führt nach Innen

Diejenigen, denen Gott ihr eins und alles ist, bezeichnet man als Mystiker. Sie sind Gott am nächsten. Kein Wunder, dass wir deshalb in ihrem Leben so manches wunderbare Ereignis finden, aber auch so manchen Kampf. Denn Gott so nahe zu kommen, wie es ihnen gelang, ist nicht so einfach. Jedes Menschen Liebe ist erst einmal auf das Äußere gerichtet und nicht auf das Innere.
Im Äußeren sucht der Mensch Befriedigung, und nicht bei Gott. Wäre es anders, bedürfte es gar nicht des ersten Gebotes.
So wenig, wie die Juden Lust hatten dieses Gebot zu erfüllen, so wenig haben es wir Christen. Mancher, der meint ein solcher zu sein, weiß deshalb nichts besseres, als vor der Mystik und dem „Okkulten“ zu warnen. Sie pochen auf „das feste Bibelwort“ und wollen sich damit alle Berührung mit dem lebendigen Gott, die nur durch die Überwindung der unterbewussten Kräfte („Fleisch“„Teufel“, „Dämonen“ ) geschehen kann, fernhalten.
Trotzdem man von Wiedergeburt und Taufe redet, lässt man einen Reinigungs- und Heiligungsprozess nicht zu. Man bleibt unerneuert, in fleischlicher Gesinnung stecken – aber überdeckt das mit einer intensiven Beschäftigung mit der Bibel. Diese kann man schließlich für jeden Anlass gut zitieren. Deshalb glaubt man auch ein guter, gereifter Christ zu sein. Da alle anderen Glieder der Gemeinde, deren man sich zugehörig fühlt, auch nicht anders sind, bekommt man bestätigt, auf dem rechten Weg zu sein. Was für ein Irrtum!

Sonntag, 2. Februar 2014

Die Reformation geht weiter

Zur Einführung zunächst dieses Video, das das Anliegen dieses Beitrages deutlich macht und dessen Aussagen bestätigt:



 Als ich persönlich zum lebendigen Glauben kam, erkannte ich sogleich wie wenig das, was ich bisher in meiner Gemeinde erlebte, mit einem solchen zu tun hatte. Da war Tod. Hoffnungen machte die charismatische Bewegung. Doch inzwischen weiß man, dass auch diese im Traditionalismus stecken blieb. Der große Abfall, von dem die Bibel spricht, spielt(e) sich nicht nur in der Weise ab, dass Menschen die Kirchen verlassen, sondern auch, dass beginnend mit dem Ende der apostolischen Zeit, immer weniger begriffen wurde, worum es eigentlich im christlichen Glauben geht: Nicht um ein Leben nach dem Tod, sondern die Überwindung des Todes und damit allen Übels für uns Menschen. Es geht darum, dass die Söhne Gottes in dieser Welt offenbar werden. Es geht also um die heilende Herrschaft Gottes in und durch uns. Es geht um neues Leben. Nicht als Phrase, sondern als Lebenswirklichkeit.

 Ich freue mich, dass das auch z.T. erkannt wird. So schrieb Rick Joyner "Das Paradies muß in der Gegenwart gefunden werden, denn es ist kein futuristischer Traum, sondern eine Realität."
Es geht auch nicht darum, dass man das, was kommen muss, als Erweckung oder Reformation, oder ganz anders bezeichnet. Es ist jedenfalls eine Sehnsucht nach vertiefter Gotteserfahrung da, und das ist gut so. Gleichfalls wird richtig erkannt, dass diese nur möglich ist, wenn sich von eingefahrenen Traditionen und Vorstellungen gelöst wird. So sagte Peter Wenz, Pastor der Biblischen Glaubensgemeinde Stuttgart:
  „Im Rahmen der Erweckung ist es nötig, sich von kraftlosen Traditionen und falschen religiösen Gewohnheiten zu lösen. Die Einheit des Volkes Gottes geschieht auf der Grundlage der Erkenntnis der Wahrheit des Wortes Gottes."
 Die hier gemeinte „Erkenntnis der Wahrheit des Wortes Gottes“ darf aber nicht missverstanden werden, als sei damit ein bloßer Glaube an die Bibel gemeint.

So sagt wiederum Joyner: Glaube ist jedoch mehr als nur Formeln und Prinzipien. Oftmals haben wir den Glauben an Gott ersetzt durch die Übernahme von Überzeugungen und Glaubensmeinungen anderer." Sondern, "Wie David durch Ablehnung, Demütigung und Leiden auf seine Berufung und Autorität vorbereitet wurde, so werden die Wahrheiten Gottes in denen geläutert, die sie annehmen und daran festhalten., obwohl sie im Feuer geprüft werden."

Das, was zum Niedergang führte, kann nicht zum Aufstieg führen. So  führt der immer mehr zu beobachtende Rückzug auf die Bibel, der alles andere ignoriert, weder zum gesuchten Heil in Jesus, noch zu einer wirklichen Evangelisation und Mission. Dabei sind gerade Vertreter dieser Fraktion  evangelistisch und missionarisch besonders aktiv.
Mit Recht sagt deshalb Joyner: "Es gibt ein Evangelium, eine Kirche, einen Dienst und eine Religion, die sich selbst als christlich bezeichnen, uns aber dazu bringt, daß wir uns in einem geistlichen Zustand der Verlorenheit sicher fühlen." Dem Wirken Gottes stehen in unserer Zeit besonders die kirchlichen Traditionen im Wege. Gott will stets Neues schaffen. Aber dem steht man eben misstrauisch gegenüber. Man macht die Tradition und die Bibel zu einem Götzen. "Die Kirche, der Dienst, geistliche Wahrheiten oder sogar die Bibel können zu Götzen werden, wenn sie in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit rücken." (Joyner).

 Was wir brauchen, ist ein tiefes Eindringen in die Wahrheit, nämlich in die, die Schöpfung und Bibel zu Grunde liegen. Berthold Becker von „Fürbitte für Deutschland“ sagte: „Gott will den Fluch, der durch die liberale Theologie kam, umkehren und in Deutschland eine neue Qualität von geisterfüllten Bibellehrern und Theologen hervorbringen, die durch die Tiefe ihrer Erkenntnis den Leib aufbauen und entscheidend auf die Wiederkunft des Herrn vorbereiten sollen. Die Lehre wird uns von allem kleinkarierten, gesetzlichen Denken freisetzen und die Dimensionen de Reiches Gottes und der Gemeinde in einer bisher nicht dagewesenen Art und Weise aufschließen." 

Diejenigen, die sich berufen fühlen, dem Volk Gottes zu dienen, finden hier ein Grundsatzpapier:„Theologisieren heute“. Zum Schluß nochmals Joyner: “ Bis heute wurde jeder Aufbruch, der die Wiederherstellung zum Ziel hatte, letztlich doch wieder auf die bloße Betonung von Form und Doktrinen reduziert. Der apostolische Glaube jedoch wird das Leben selbst, Jesus, zum Schwerpunkt haben." 

Damit keine Missverständnisse entstehen: Auch wenn der Autor hier bestimmte Persönlichkeiten zitierte, ist daraus nicht die Schlussfolgerung zu ziehen, dass er mit allem konform gehr, was von diesen der Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde. Gerade gegen die „Visionen“ Joyners, die er in einigen seiner Bücher erwähnt, bestehen erhebliche Einwände. Da ist vieles noch ungeläutert. Richtiges mit Falschem vermischt. Deshalb gilt auch hier die Devise, das Gute behaltet!

***

Nachtrag vom 14.02.2014:
Ich wurde inzwischen auf die Theologin Prof. Sabine Bobert aufmerksam. Sie schreibt in "Was formt den Menschen?" über Bonhoeffers Einschätzung der spirituellen Lage der Evangelischen Kirche Deutschlands 1937, die sich seitdem eher noch verschlechtert hat:

"Die Kirche verfolge im Wesentlichen ein Ziel: Anbiederung und Populismus. Darüber würde sie ihre eigenen Schätze verschleudern bis zum spirituellen Bankrott. Diese Anbiederungsstrategie der „verschleuderten“, „billigen Gnade“ betrüge die Menschen um lebenswichtige Inhalte. Die Kirche habe sich längst selbst von Jesus Christus abgewandt.
Entsprechend anfällig sei sie für Ersatzideologien. Die Kirche lebe nur dort, wo Menschen sich durch Jesus Christus verwandeln lassen. Für diese Verwandlungen sei ein Übungsweg nötig. Erst auf diesem Weg lernen Menschen die christlichen Geheimnisse verstehen. All dies habe die evangelische Kirche vergessen. Sie klinge zwar lutherisch, indem sie von „Rechtfertigung“ spreche. Doch diese „Rechtfertigung“ sei nur noch eine billige Absegnung der Missstände. Indem ein Discount-Lutheraner von „Rechtfertigung“ spreche, dispensiere er sich von Nachfolge und Verwandlung.
Bonhoeffer musste mit seiner Rede von verwandelnden Übungen bei Null anfangen – auch gegenüber den Theologen, die er ausbilden wollte. „Was ´Meditation´ ist, versteht keiner mehr.“ So schrieb er Bücher über evangelisches klosterähnliches Leben („Gemeinsames Leben“), wie man Psalmen betet („Das Gebetbuch der Bibel“) und wie man meditierend die Bibel liest. Er gründete eine eigene Theologenkommunität, die von den Nazis aufgelöst wurde, und er lebte täglich bis zur Hinrichtung mit geistlichen Übungen.

Da Bonhoeffer jedoch restaurativ verfuhr und nicht mit der religiösen Szene der 1920er Jahre ins Gespräch kam, blieb seinen Impulsen nach dem Zweiten Weltkrieg wenig mehr Erfolg beschieden als dem evangelischen Querdenker Wilhelm Löhe. "

Sie selbst ist Teil der Erneuerungsbewegung. In ihrem Buch "Mystik und mentales Coaching" schreibt sie:

„Das Christentum ist nicht so banal. wie es zurzeit im Westen vermarktet wird. Es ist mehr als ein Humanistenclub. Es zielt seit seinen Anfängen auf die Erleuchtung und die Vereinigungserfahrung mit der letzten Wirklichkeit. Sie müssen nicht die Religion wechseln, um diese Erfahrungen zu machen. Die großen Abwanderungsbewegungen in andere Religionen sind die Antwort auf die Verniedlichung und Banalisierung des Christentums, denn ‚Die unendliche menschliche Seele kann niemals Erfüllung finden, außer durch das Unendliche selbst.
Das Christentum ist keine Lehre. sondern in erster Linie eine Lebenspraxis, die auf die Vereinigung des Menschen mit Gott zielt. Erst von diesem Zielpunkt aus lassen sich die heiligen Texte und die mystische Theologie in ihrer Tiefe verstehen. Die Theologie hat eine Philosophie daraus gemacht. Antike Philosophien hingegen waren noch mit einer bestimmten Lebenspraxis verbunden, häufig mit Übungen wie Fasten und Schweigen, die die Selbsterkenntnis unterstützten. Erst aus der rechten Lebenspraxis folgen richtige Erkenntnisse. Stellen Sie sich eine Tai-Chi-‚ eine Zen- oder eine Yoga-Stunde vor, die nur aus Anpredigen besteht. Wie absurd!

Doch dieselben Zustände im westlichen Christentum fallen kaum noch jemandem als absurd auf. Als Vivekananda um 1900 als der erste Yogi in die USA kam. traf er auf Christen, die ihr Christsein als Belehrtwerden verstanden. Das genügte ihnen. Sie begriffen nicht, was Vivekananda von ihnen wollte, als er darauf bestand: ‚Praxis ist absolut notwendig. Ihr könnt Euch hinsetzen und mir jeden Tag stundenlang zuhören, aber wenn ihr nicht übt, werdet ihr keinen Schritt weiterkommen. Es hängt alles von der Praxis ab. Wir verstehen diese Dinge niemals, bis wir sie erfahren.“

"‚Lehre‘ muss wieder die Urgestalt annehmen: Jemand, der Gott erfahren hat, führt andere Mensehen zu spirituellen Erfahrungen hin - durch Einweihungsrituale und durch individuelle Übungen die der Einweihung’ dienen."

"Die Reformation ist kein historisches Datum. auf dem man sich ausruhen könnte. Sie geht weiter. Die Übungen in diesem Buch setzen auf eine neue Reformation durch eine lebendige Mystik. Es geht um eine Mystik, die mitten im urbanen Kontext eingeübt werden kann. Was nützt das evangelische Dogma vom ‚allgemeinen Priestertum"‚ wenn die „allgemeinen Priester‘ Gott nicht mehr spüren?
Je ferner Gott ist. desto wichtiger wird der Streit über Kleinigkeiten - über Begriffe, über Dogmen, über Machtsphären. Je näher Gott kommt, desto undogmatischer wird eine Religion. Jeder begreift, dass er seine Erfahrungen in diese‚ aber ebenso in jene Worte hüllen könnte - und dass keines dieser Worte die Erfahrung fassen kann.
Aus einer lebendigen Mystik wird ein undogmatisches Christentum geboren. bei dem jeder seine Erfahrungen in eigene Worte fassen kann. Es wird eine Netzwerk-Kirche entstehen. die sich quer zu den konfessionellen Grenzen organisiert. Sie öffnet sich aus der Mitte der Gotteserfahrung heraus für den Austausch mit anderen..."

Donnerstag, 27. September 2012

Der Praxistest: Welche Religion, welcher Glaube ist der richtige?



Die Bibel sagt uns, dass ein jeder Mensch nach seinen Werken gerichtet wird - auch wir Christen. Menschen werden also, mit anderen Worten, nach dem gerichtet, was ihr Unglaube oder ihr Glaube aus ihnen gemacht hat !  Wie wenige Christen begreifen das!
Für das praktische Leben, auf das es also allein ankommt, gibt es gar nicht viele Lebensmöglichkeiten. Genau genommen nur zwei. Jesus nennt sie, den breiten und den schmalen Weg. Der breite Weg ist der Weg, der ins Verderben führt und der schmale allein führt ins Leben (Matth. 7,13-16). Es wird uns in diesen Versen auch schon gesagt, welcher Weg der populäre ist. 
Wer sich gehen lässt, ist garantiert auf dem breiten Weg. Es ist das der Weg des geringsten Widerstandes, das Beharren "im alten Adam", in äußeren Begierden und Lüsten - während eben der schmale Weg das ganze Gegenteil davon ist. Es ist der Weg des Überwindens der Begierden und Lüste, das Ausstrecken nach der Freude im Ewigen. 

Diese zwei Wege waren seit jeher bekannt. Im Yoga, im Buddhismus - als den schon vor Christus bekannten Wegen - geht es, wie im echten christlichen Glauben, um die Überwindung des "Fleisches", der Begierden und Lüste, den Abhängigkeiten von der äußeren Welt. Deshalb konnte bereits der Kirchenvater Augustinus schreiben: "Was man gegenwärtig die christliche Religion nennt, bestand schon bei den Alten und fehlte nicht in den Anfängen des Menschengeschlechtes und als Christus im Fleische erschien, erhielt die wahre Religion, die schon vorher vorhanden war, den Namen der christlichen." (Retractiones)


Viele Philosophen lehr(t)en die gleiche Wahrheit, nämlich die Überwindung der Verstrickungen in das Sinnliche/Äußere.Durch ihre klare Praxis dürften die Yogis und durch ihre klare Lehre die Buddhisten den Christen einiges auf dem schmalen Weg voraus haben. Weshalb dann also noch Christus? - Jesus ist als Vorbild für alle Menschen ( Röm. 8, 29 "Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.") den schmalen Weg bis zu Ende gegangen. Er ist der erste, der ihn vollendet hat.

Er allein hat bisher völlig die Abhängigkeit vom Äußeren, die Materie überwunden. Yogis sind schon weit gekommen. Es gibt solche, die können ohne Nahrung leben, sich innerlich so erwärmen, dass ihnen nackt die Kälte des Himalaya nichts anhaben kann - ja sogar der Schnee in ihrem Umkreis schmilzt...

Es kommt also nicht darauf an, welcher Name ein Gott hat, welchen Glauben man hat, welche Lehre, sondern einzig und allein darauf, welcher Gott, welche Glaube, welche Lehre uns am besten befähigt, das "Fleisch" zu überwinden und ein Leben in ewiger Glückseligkeit zu führen.

Buddha erreichte die Unabhängigkeit vom alten Adam und erlebte deshalb die ewige Glückseligkeit der Befreiung, von ihm Nirvana genannt. Yogis nennen das Leben in der Befreiung Moksha.

Wenn Jesus also sagte: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater (dem Ewigen), denn durch mich" (Joh. 14,6) , sagte er dies nicht im Gegensatz zu den hier genannten Wegen, sondern im Gegensatz zu den Pharisäern, die auf ganz anderes Wert legten und von denen er sich abgrenzen musste. Er sagte es als Vollender des schmalen Weges!

P.S. Interessant auch die Position der Katholischen Kirche dazu: Nostra aetate

Mittwoch, 1. August 2012

Luther und die Mystik



Der Philosoph Alfred Schmidt schrieb „Bei allen (keineswegs gering zu veranschlagenden) Unterschieden ist religionswissenschaftlich eine ´letzte Einheit der Religionen´ erkennbar. Sie ergibt sich mit rationaler Klarheit aus dem Studium ihrer Geschichte (...) Diese wissenschaftliche (...) Erkenntnis wird(...) bestätigt durch das in mystischer Religiosität von Anbeginn enthaltene "Einheitserlebnis".
Religionswissenschaft und mystisch-unmittelbare Erfahrung führen zum nämlichen Ziel: beide belegen "die Einheit der Religionen in aller geschichtlichen Mannigfaltigkeit"!

Über der Schärfe, mit der Luther spiritualistische Abweichler verurteilt, wird oft seine ursprüngliche Nähe zur Mystik vergessen. Der junge Mönch studiert Tauler und die Deutsche Theologie (...) Die neuentdeckte Innerlichkeit des Glaubens macht Luther zunächst zum Feind nicht nur der scholastischen Theologie, sondern begründenden Wissens überhaupt. "Nicht die Gelehrtesten", schreibt er zu dieser Zeit, "sind die besten Christen. Denn alle ihre Bücher und alle ihre Erkenntnis ist Buchstabe und tot für die Seele. Nein, die sind die besten Christen, die das wirklich in die Tat umsetzen mit voller Freiwilligkeit, was jene in den Büchern schreiben und andere lehren."
Erst der Kampf gegen Rom und die Auseinandersetzung mit den Spiritualisten weckt in Luther das Interesse an Theologie, die ihn bald ganz beherrscht. Nigg schildert diesen - folgenreichen - Übergang so: "Theologie und Mystik decken sich ... nicht. ... Man kann von einer Theologie der Mystik und von einer mystischen Theologie sprechen, doch darf auch der Unterschied nicht übersehen werden. Die Mystik beruht auf inneren Erfahrungen mit dem Göttlichen, während die Theologie eine gedankliche Bewältigung der christlichen Probleme versucht. Es ist deswegen so viel leichter, Theologe als Mystiker zu sein. Luther wurde durch die heftige Kampfsituation unaufhörlich von seinem ursprünglich religiösen Erleben zur Theologie abgedrängt. In ihm brannte immer stärker eine theologische Leidenschaft, die zuletzt wie ein Orkan loderte.... Es gibt... einen theologischen Dämon, der Luther zur Rechthaberei, zur Disputiersucht ... verführte, die der christlichen Innerlichkeit abträglich sind. Immer weniger ertrug er den geringsten Widerspruch, er wurde gegen andere Auffassungen zusehends unduldsamer, anstatt sie in Liebe zu ertragen ... Durch die Entwicklung vom religiösen Ringen zur kampfgeübten Theologie wurde die Türe geöffnet, durch die die Schulweisheit in die evangelische Kirche einziehen konnte. An die Stelle der mittelalterlichen Scholastik trat eine lutherische Scholastik, die nicht weniger unfruchtbare Folgen nach sich zog."

Sonntag, 22. Januar 2012

Seht die Lilien...


Das Paradies vermisst der Mensch. Seitdem ist er auf der Suche. Anscheinend ist ihm die Rückkehr verbaut. Aber ist das jetzt immer noch so?

Im Paradies musste der Mensch nicht für sich sorgen. Er lebte sorglos. Das hatte sich geändert. Der Mensch wurde den Naturmächten unterworfen. Seitdem ist alles Mühe und Arbeit. Mühe und Arbeit sind Sorge um den Selbsterhalt. Solange also Mühe und Arbeit anhalten, gibt es kein Paradies mehr für die Menschen.

Jesus aber sagte, dass wir nicht länger lediglich den Naturmächten unterworfen sein müssen, sondern dem Ewigen vertrauen können. Durch dieses Vertrauen ist eine Rückkehr ins Paradies, d.h. in die Sorglosigkeit, die Unbekümmertheit, dem Spiel – im Gegensatz zum Ernst – des Lebens möglich. Wir können werden wie die Kinder. Notwendig ist nur Eines: Vertrauen. Das aber ist das, was uns am schwersten fällt... Vielleicht deshalb, weil wir so sehr mit dem Sorgen um irdische Dinge beschäftigt sind, anstatt in der Gegenwart Gottes, in der Meditation und Kontemplation zu verweilen?

Im Kontext, dass wir nicht Schätze sammeln sollen, die vergänglich sind (Matth. 6,19; Luk. 12,16-21) spricht Jesus (Matth. 6,25) „ Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet.“ - Also genau darum, worum sich das Leben aller Menschen dreht, soll sich unser Leben nicht drehen! (Luk 12,29 " Darum auch ihr, fragt nicht danach, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und macht euch keine Unruhe. (30) Nach dem allen trachten die Heiden in der Welt; aber euer Vater weiß, dass ihr dessen bedürft.")

Wir müssen bedenken, dass diese Worte nicht in einer Wohlstandsgesellschaft gesprochen wurden, sondern in eine, wo Menschen sicher oft Mangel litten! Er begründet seine Aufforderung damit, dass ein Leben der Sorge, der Mühe und Arbeit kein wirkliches Leben ist. Klar, wie oft stöhnen wir unter dem Leben? : Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?"

Matth. 6, 26: „ Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?“ Vielleicht haben wir hier einen weiteren Zweifel? Sorgt Gott wirklich für die Vögel? Sind sie nicht dauernd auf Nahrungssuche? Sterben sie nicht auch? Tiere leben einfach ihr Inneres. Sie sind stets spontan. In diesem Sinne kennen sie kein Sorgen, keine untergründige Unruhe. Nichts, was sie zwingt. Vertrauen in Gott ist auch unser tiefstes Inneres zu leben...

Nicht nur das Grübeln, wie bekomme ich etwas zu essen, wie etwas anzuziehen, wie die nächste Miete, bringt nichts, sonder auch, dass wir für das Erlangen dieser Güter so viel Zeit und Kraft aufwenden: Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?“ (27) Eher verkürzen wir dadurch unser Leben, da es uns die Lebensfreude nimmt bzw. diese gar nicht recht aufkommen lässt.

Als ein weiteres Beispiel zieht Jesus die Lilien heran: Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. (28) Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. (29) Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? (30)“

Wie wachsen denn die Lilien? - Sie ziehen einfach alles aus der Luft und dem Boden an, was sie zu ihrem Wachstum brauchen. Auch hier ist alles ein ganz natürliches Geschehen, dass keine Anstrengung kostet. Ein solches anstrengungsloses Leben steht auch uns in Aussicht, wenn wir nur vertrauen könnten. Ein Leben, nicht in Mühe, sondern in Herrlichkeit! Ein herrliches Leben! Ein Leben ohne Arbeit!

Da werden nun gleich wieder einige kommen und den Paulusvers zitieren: „Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen." (2. Thess. 3,10). Hier handelt es sich aber um Menschen, die „unnütze Dinge treiben“ (3,11), denen diese Ermahnung gilt. Es sind also noch im Vertrauen ungefestigte Menschen, die erst zur Gemeinde hinzugekommen sind und nicht wissen was sie anstellen sollen. Ein Luftikus zu sein ist etwas anderes als wirkliches Vertrauen zu haben, dass Gott für einen in jeder Hinsicht sorgt. Bitten wir darum, dass unser Vertrauen wächst!

Denn genau in diesem Zusammenhang sprach auch Jesus davon, dass wir nicht zwei Herren dienen können. Wir können nicht gleichzeitig Gott vertrauen und uns Sorgen machen oder uns Sorgen machen und Gott vertrauen. Beides schließt sich aus (Matth. 6,24).

Wir sehen, Gott geht es nicht um ein jenseitiges Leben, sondern ein Leben im Hier und Jetzt, das immer mehr von Gottvertrauen geprägt sein soll. Ein solches Gottvertrauen hält aber der für überflüssig, der meint sowieso durch Gnade nach dem Tod in den Himmel zu kommen. Eine Überwindung der Abhängigkeiten von der Welt hält er deshalb nicht für nötig.

Für die (angebliche) Richtigkeit dieser These wird gern der Verbrecher am Kreuz zitiert, zu dem Jesus sprach „ Heute wirst Du mit mir im Paradies sein.“ (Luk. 23,43). Was ist aber darunter zu verstehen? Der Verbrecher war zu der Einsicht gekommen, dass er zu recht, aber Jesus zu unrecht verurteilt worden war. Beider Erdenleben war nun zu Ende. Also gingen Beide in die gottverbundene Welt ein. In die Welt, wo andere Gesetzmäßigkeiten herrschen als hier im Erdenleben. Das war im Paradies damals der Fall. Jesus wollte dem Verbrecher Hoffnung geben, ihm die Angst nehmen, denn Jesus war gekommen den Sünder zu retten, den Weg zum Leben zu weisen. Aber das heißt nicht, dass der Verbrecher den Weg bereits beschritten hätte oder gar zum Ziel gekommen wäre. Auch er muss erst, wie wir alle, geläutert, d.h. von den Anhänglichkeiten ans Irdische, von den Trieben und Begierden befreit werden. Das alles lag noch vor ihm! Denn „wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind's, die ihn finden!" (Matth. 7,14)





Montag, 24. Oktober 2011

Ein abenteuerliches Leben?

Ich werde den Verdacht nicht los, dass Jesus auch uns gemeint haben könnte, als er zu dem reichen Jüngling (Luk. 18,22) auf auf die Frage nach dem ewigen Leben antwortete: "Verkaufe alles, was Du hast (...) so wirst du einen Schatz im Himmel haben." Das aber war dem jungen Mann unmöglich. Deshalb sagte Jesus: "Wie schwer kommen die Reichen in das Reich Gottes! Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme."

"Reich" zu sein, ist natürlich eine Verhältnissache. Es ist durchaus möglich, dass ein Langzeitarbeitsloser reicher als dieser Jüngling ist. Denn der entscheidende Punkt ist nicht das verschwenderische Prassen, sondern die Sicherheit, die Reichtum im Leben verleiht. Man kommt nicht in Existenznot. Muss sich nicht auf Gott verlassen.
Dadurch aber verlieren wir auch nicht - durch zu lernendes Gottvertrauen - die bestehende Existensangst!
Das Reich Gottes aber besteht ja gerade darin, dass der Mensch das umfassende Gottvertrauen gelernt hat, so dass er nichts mehr fürchtet.

Wir aber sind abgesichert in jeder Hinsicht. Gegen Krankheit, gegen Verlust usw.
So ist unser Leben ereignisarm und steril. Innerlich sind wir tot.

Ich denke, dass jeder Vers 27 ( "Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich." ) missversteht, wenn er ihn so interpretiert als ermögliche Gott nach dem Tod, aus reiner Barmherzigkeit, auch einem Reichen den Zugang ins Reich Gottes. Nein, dass kann nur heißen, wenn Du aus dem Ewigen lebst, wirst Du auch eines Tages diesen Schritt in die völlige Abhängigkeit von Gott tun können!
Mit einem Leben nach dem Tod hat das Evangelium nichts zu tun, sondern nur mit der Überwindung des Todes, der eben im Misstrauen gegenüber Gott, in der Existenzangst besteht.

Anlass für diesen Beitrag war ein Satz, den ich heute morgen in einer Buchbesprechung las:
" Die bedauernswert niedrige Abenteuer - Frequenz in den Leben der meisten Menschen lässt sich unter Umständen damit erklären, dass die Welt - immer wenn es gerade spannend wird eine Entscheidung fordert: entweder Geborgenheit oder Gefahr!" (M. Keller)

Echtes christliches Leben ist abenteuerliches Leben, da es sich den Gefahren stellt und so die wahre, ewige Geborgenheit erlangt.

Freitag, 21. Januar 2011

Gott lehnt das Ego ab



Wir alle hören immer wieder: „Gott liebt Dich.“ Daraus entnehmen viele einen Freifahrtschein in den Himmel, sodass es sie zu geistiger Trägheit verleitet.
Es ist zwar richtig, dass Gott uns liebt. Man muss diese Liebe aber auch richtig verstehen; denn Gott lehnt das Ego (Rö. 8.8,13) ab. Diese Ablehnung empfand der Mensch als den sogenannten „Zorn Gottes“. Natürlich ist Gott nicht zornig. Solche menschlichen Aspekte gehören nicht zu ihm.
Wie aber können wir diesen Zorn, diese Ablehnung des Menschen und seine Liebe, die sein Wesen ist, verstehen? Beides schließt sich doch aus?
Liebe und Lieblosigkeit lassen sich nicht miteinander vermischen. Entweder liebt man, oder man liebt nicht. In der Liebe ist für Hass, für Egoismus kein Raum.
Wenn aber der Mensch ein egoistisches Wesen ist, ein sündiges Wesen - wie es die Bibel nennt - dann ist für ihn kein Raum in Gott. Das empfanden die Menschen als die Heiligkeit Gottes und in Bezug auf sie selbst als den „Zorn Gottes“.
Da aber das Leben ewig ist, kann der Mensch nicht vernichtet werden in dem Sinne, dass er nicht mehr ist.
Solange der Mensch also ein egoistisches Wesen ist, bleibt ihm deshalb nichts anderes übrig als solange - „ewig“ - zu leiden. Das ist das, was die Bibel unter der „ewigen Verdammnis“ versteht.
Wenn das Leiden des Menschen ein Ende haben soll, dann muss die Wurzel des Leidens - das Ego - restlos vernichtet werden (Röm. 6,2.7.8.11; Rö. 8,13; Kol. 3,5; 2.Ti 2,11; 1.Petr. 2,24 etc.).
Dieser Aspekt wird von den Christen kaum beachtet, obwohl er ganz deutlich in der Bibel zum Ausdruck kommt. Daraus resultieren alle Missverständnisse. Daraus das falsche Gnadenverständnis.
Das Ego wird durch die Abhängigkeit von der Umgebung, d.h. vom Äußeren, am Leben erhalten. Ins Äußere gehen ganz natürlich unsere Begierden. Und da die äußere Umwelt nicht so funktioniert, wie wir uns das wünschen, leiden wir unter ihr.
Die Gnade und Liebe Gottes besteht also darin, uns einen Weg aus der Abhängigkeit vom Äußeren, zu eröffnen. Indem wir begreifen, dass wir ewig leben, begreifen wir grundsätzlich, dass wir vollkommen frei vom Äußeren werden können. Unsere Begierde, die nach Außen gerichtet war, kehrt sich nun um, nämlich in den dringenden Wunsch von allen Abhängigkeiten frei zu werden. Das ist die Wirkung der Gnade (und nicht, dass sie den egoistischen Menschen einfach nach dem Tod in den Himmel versetzt - was unmöglich ist).
Die Bibel drückt es so aus: „Weißt Du nicht, dass Gottes Güte Dich zur Umkehr leitet?“ (Rö.1,4)
Indem nun der Wunsch nach Befreiung, nach Freiheit in uns immer stärker wird, und damit alle Unfreiheit (Abhängigkeit) überwindet, stirbt allmählich das Ego. Und wenn das Ego endgültig gestorben ist, sind wir eins mit der Liebe. Dann haben wir unauflösliche Gemeinschaft mit Gott - der die Liebe ist - und „der Zorn Gottes“ ist nicht mehr auf uns (Joh. 3,36).
Unsere rein gewordene, geheiligte, nicht mehr vom Egoismus (der Sünde und den Einzelsünden) befleckte Seele, empfindet dann nur noch unaussprechliche Herrlichkeit.

Diese erlangt man aber, wie gesagt nicht dadurch, dass man einfach sich zu Christus bekennt und dann physisch stirbt. Nein dazu muss man ein neuer Mensch geworden sein.

Wie Liebe und „Zorn Gottes“ zusammenstimmen, kann man auch sehr schön aus den Nahtoderlebnissen ersehen. Wenn Christus nicht in die Welt gekommen und für uns gestorben wäre, dann würde der Mensch nach dem Tod kein Lichtwesen erblicken. Der Mensch würde da keine liebevolle Anziehung zu ihm verspüren. Aber was löst dieses Lichtwesen aus? - Es lässt dem Menschen seine Lieblosigkeit erkennen. Weshalb? Damit der Mensch Sehnsucht danach bekommt von seiner Lieblosigkeit (Ego) frei zu werden.

Dienstag, 18. Januar 2011

Das größte Übel der Christenheit

Das wohl größte Übel innerhalb der Christenheit ist, dass man meint ohne Veränderung der ewigen Glückseligkeit teilhaftig werden zu können. Dabei besagt doch schon das Wort “anders”, dass anderes Leben, Er- leben nur kommen kann, wenn etwas anders, etwas verändert wird. Wenn der Mensch also das Leben so erfährt, wie er es nicht haben möchte, dann muss er eben so ein Verhältnis zu seiner Umgebung gewinnen, dass sie ihm Freude macht. Es ist unmöglich Heil ohne Heiligkeit, Vollkommenheit ohne vollkommen zu sein, zu erlangen, Gesundheit ohne, dass ich gesund lebe usw.

Deshalb können nur die Lehrer der Christenheit sein, die das einsehen und selbst auf dem Weg des Heils wandeln. Da das aber naturgemäß wenige sind, werde diese von den Menschen allgemein aber auch den Christen am meisten verachtet. Vielmehr wählt sich der fleischliche Christ, diejenigen als Lehrer aus, die die wenigsten Forderungen an die Selbstüberwindung (die ja zugleich Weltüberwindung ist) stellen. So wiegt man sich, auf kleinstem Nenner vereint, in trügerischer Selbstsicherheit.

Deshalb, da man als fleischlicher Christ, keine wirkliche Erkenntnis hat, übt der Dilletantismus in den Kirchen, Gemeinden und Foren fröhliche Urständ.

Montag, 6. September 2010

Was sind Dämonen?

In der vorrationalen Welt war der Glaube an Dämonen bei allen Völkern allgegenwärtig. Das ist er auch heute noch in Stammesgesellschaften. Generell bezeichnete man damit Mächte, die (anscheinend) stärker waren als das, was der Mensch alltäglich erlebte. Immer mehr aber wurde die Bezeichnung“Dämon” jenen Mächten zugelegt, die der Mensch für sich als hinderlich und quälend empfand. So gab und gibt es bsw. Krankheitsdämonen, weil man ja nicht krank sein wollte und doch krank wurde.
In einem solchen, vom Dämonenglauben bestimmten Umfeld, wirkte Jesus.
Bei der Befreiung des Gardareners zeigt sich ganz deutlich, dass er von rasenden Dämonen geplagt wurde, die darum baten in eine Schweineherde fahren zu dürfen. Sie waren also auf das Sinnlich - Materielle gerichtet. Aber ihre Raserei brachte es mit sich, dass sie sogleich das was sie wünschten - nämlich in den Schweinen bleiben zu dürfen - zerstörten. Sie stürzten die Schweine von der Klippe und verloren so ihren Wirt, um den sie eben noch bettelten.

Das zeigt, dass in ihnen keinerlei Vernunft ist, und es sich keinesfalls um intelligente, raffinierte Wesen handelt, wie es heute von simpel gestrickten Christen verstanden wird.

Ganz klar zeigt das Beispiel des Gardareners, dass es sich bei seinen Dämonen um miteinander nicht zu vereinbarende und deshalb sich gegenseitig bekämpfende Teilaspekte seiner Persönlichkeit handelten. Er war ein innerlich zerrissener und deshalb so unsäglich gequälter Mensch. Die Befreiung bestand darin, dass Jesus diese Teilaspekte gänzlich von ihm trennte.

Wenn es Dämonen jemals gab, muss es sie auch heute noch geben. Und wenn man der Sache nachgeht, sieht man auch, dass es “sie” gibt. Nur bezeichnen wir sie nicht mehr mit einem volkstümlichen Begriff, sondern können heute mehr und mehr verstehen, was sie eigentlich sind: Dissoziationen der menschlichen Psyche. Durch das Verständnis ist auch ein anderer Umgang mit “ihnen” möglich.
Ein weiterer Aspekt ist das Einwirken Verstorbener auf desolate Seelen, wie es u.a. bei der Gottliebin Dittus der Fall war.


"Dämonen heute"

Die heutigen Seelsorgefälle, wo man meint Dämonen als intelligente, raffinierte, selbstständige Wesen feststellen zu können, unterschieden sich gravierend von den Fällen in der Bibel. Die biblischen “Dämonen” lästerten nicht Gott, während man heute gerade da von Dämonen spricht, wo Gott gelästert und unflätig beschimpft wird oder man nicht beten kann. In der katholischen Kirche kommt noch hinzu, dass sie kein Weihwasser vertragen und anderes, was nur aus dem katholischen Glaubensverständnis abzuleiten ist.
Das zeigt wiederum ganz klar, dass wir es hier mit Menschen zu tun haben, die einstmals eine Abneigung gegen das Christliche oder spezifisch Katholische entwickelt haben, oder meinten irgendwelche religiösen Forderungen erfüllen zu müssen, denen sie innerlich nicht nachkommen wollten. Dadurch kommt es zu religiös motivierten Dissoziationen Auch spielt die Angst vor der ewigen Verdammnis bei vielen Dissoziationen eine herausragende Rolle.

Fazit, das was früher als Dämonen bezeichnet wurden, kennt man auch heute noch, aber es ist nicht das, was der unwissende Christ darunter versteht.

Freitag, 16. Juli 2010

Vom Glauben zum Schauen


Für die meisten Gläubigen sind Gott und die unsichtbaren Welten, einschließlich ihrer Wesen etwas “Verborgenes” (lat. “okkultes“), und so soll es auch nach Meinung vieler bleiben. Sie wollen nichts davon wissen. Entsprechend sieht dann natürlich die Bibelauslegung aus. Rein willkürlich, da man keine übersinnlichen Erkenntnisse, keine Einsichten in Zusammenhänge hat.
Dabei sollte doch der Glaube als übersinnliches Wahrnehmungsorgan dienen: “Durch den Glauben nehmen wir wahr, dass die Welten durch Gottes Wort geschaffen sind.” (Hebr. 11,3). Durch ihn wird unser Sinn und damit unser Wahrnehmungsvermögen auf das Übersinnliche gerichtet. “Trachtet nach dem, was droben ist.” (Kol. 3,2), werden wir ermahnt. Die Ausrichtung nach “oben” genügt aber noch nicht, um wirklich etwas wahrzunehmen. Deshalb heißt es “Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.” (Mt. 5,8). Um ein reines Herz zu bekommen ist Heiligung nötig. Wiederum heißt es deshalb “Ohne Heiligung wird niemand den Herrn schauen.”
Ein reines Herz kann man mit einem Spiegel vergleichen. In einem Spiegel ist nichts eigenes, sondern er gibt nur wieder, was sich in ihm spiegelt. Wenn in uns Emotionen sind, wie Wut, Hass, Ärger, Zorn, Angst, Furcht so ist das, wie wenn der Spiegel blinde Flecken hätte, oder wie wenn Wolken vor den Himmel ziehen.
Aber auch Vorurteile binden unseren Geist, so dass er nicht die Wahrheit erkennen kann. Deshalb sollten wir uns um Objektivität bemühen. Alles so da sein lassen, wie es ist. Das fällt uns oft nicht leicht. Wir Menschen haben ein Interesse daran, die Wirklichkeit zu entstellen, d.h. sie anders wahrnehmen zu wollen, als sie wirklich ist. Wir meinen nämlich oft, die Wahrheit nicht ertragen zu können. So lügen wir uns lieber etwas vor.
Furchtlos der Wahrheit ins Antlitz zu schauen lernt aber der, der weiß, dass er ein ewiges Wesen ist und ihn nichts und niemand vernichten kann.

“Unser Wandel ist im Himmel” (Phil.3,20). Also sollten wir uns da ein bisschen auskennen. Unser ewiges Ich ist immer in der unsichtbaren Welt. Es hat nur seine Wahrnehmung auf das Sinnlich-Sichtbare gerichtet und deshalb meinen wir Menschen, wir lebten ausschließlich hier auf Erden. Das ist aber ein Trugschluss. Deshalb müssen und sollen wir nicht warten, bis uns alles nach dem Tod, wie einige meinen, offenbar wird (wenn wir unser übersinnliches Erkenntnisvermögen nicht hier entwickeln, werden wir da auch nicht viel wahrnehmen), sondern hier und jetzt soll es geschehen.
Die Nahtoderlebnisse und die weitere Entwicklung derer, die nicht zurückkommen kann prinzipiell jeder von hier aus verfolgen. Ganz einfach weil wir uns selbst schon in diesen Welten aufhalten.
Dazu muss man natürlich nicht Christ sein. Das kann jeder Mensch, der sich um Reinheit bemüht, der nicht irdisch gesinnt ist.
Solche Menschen gab es schon immer. Sie wurden “Menschensöhne” (Eph. 3,5) genannt. Nur das Geheimnis der Auferstehung konnten sie noch nicht erkennen.
Ein solcher Menschen begegnet uns in der Frühzeit des Christentums. Er schrieb in einem Brief “Könnte ich euch etwa nicht auch Himmlisches schreiben? Ich fürchte nur, dass ich euch Unmündigen Schaden zufüge (…) auf dass ihr unfähig es zu fassen, (nicht) erstickt. Bin doch selbst ich, ob ich auch (…) die himmlischen Dinge und die Rangordnungen der Engel und der Fürstentümer , Versammlungen, Sichtbares und Unsichtbares wohl verstehen kann, um deswillen noch kein Jünger.” (Ignatius an die Trallianer 5, 1-2).
Wie weit sind wir doch von den Erwartungen, die Jesus und die Apostel an die Jünger Jesu hatten, entfernt. Schon damals rügte Jesus, dass die Menschen so blind waren: “Wenn ihr eine Wolke von Westen aufsteigen seht, sagt ihr alsbald, es gibt Regen. (…) Heuchler! Das Angesicht der Erde und des Himmels wisst ihr zu beurteilen; wie aber kommt es, dass ihr diese Zeit nicht beurteilen könnt?” (Luk. 12, 56). Was würde Jesus heute sagen, wo wir davon reden, dass in Christus alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis seien (Kol. 2,2), wir aber jede Offenbarung solcher Schätze als “über die Bibel” hinausgehend, also als unbiblisch ablehnen? Sind wir nicht da noch größere Heuchler?
Dazu gäbe es noch viel zu sagen.

Montag, 5. Juli 2010

Wie Glaube funktioniert

I.
1) Der Mensch ist unfrei. Er ist ein Gebundener in Finsternis (Jes. 61,1;Wsh. 17,2; Jph. 12,46; Eph. 5,8; Jo. 8,32 u.v.m.) Er wird ausschließlich vom Lustunlustprinzip bestimmt. Seine Vorstellungen bestimmen den Inhalt seiner Lust und Unlust.

2) Aus diesem Grund kann kein Mensch von sich aus zu Jesus kommen und ihn als Retter annehmen.
Das ist nur möglich, wenn ihn der Vater zieht (Jo. 6,44).
Wie zieht der Vater einen Menschen zu Jesus?
Indem der Menschen durch seine Lebensumstände verschiedene Erfahrungen macht, die ihn schließlich befähigen davon überzeugt zu werden, dass Jesus die Lösung seiner Probleme ist (Prinzip: “Bekehre Du mich, so will ich mich bekehren.” Jer. 31,18). Die Entscheidung für Ihn (übergabe des Lebens, Sich-bestimmen - lassen von seinem Wort) erfolgt dann, wenn das Erlösungsbedürfnis größer ist als alles das, wovon man meint in der Nachfolge verzichten zu müssen, was einem aber noch Lust bereitet.

3) Welche Aufgabe haben wir Christen?
Kurz gesagt, den Menschen die rechten Vorstellungen zu vermitteln. Dies geschieht durch die Verkündigung der Wahrheit (Apg. 17,4; 28,24), durch das Weitersagen von Erfahrungen, durch entsprechende Zeichen und den eigenen Lebenswandel.
Je nach den Vorstellungen, die der einzelne Mensch besitzt (s. I,2), wird ihm dies oder jenes glaubhaft oder auch nicht vorkommen. Er wird also von diesem oder jenem überzeugt werden.
Auch derjenige, der sich bereits für Christus entschieden hat, wird in der Praxis auch nicht allesglauben, möglicherweise aber alles, was in der Bibel gesagt wird, für “wahr” halten, aus dem gleichen Grund.
Die entsprechenden Vorstellungen bestimmen also das Maß des Glaubens (Rö. 12,3). Jeder hat damit zunächst einen beschränkten Glauben, der aber durch die entsprechenden Vorstellungen, die nun auch durch die eigenen Erfahrungen mit Christus gemacht werden, wächst (2.Ko. 10,15; 2.Th. 1,3)
Reden und Handeln über das Maß unseres Glaubens wirkt nicht überzeugend, sondern unglaubhaft. Handeln führt zu Misserfolg.

4) Da der Weg des Glaubens ein Einweihungsweg ist (Hebr. 10,20), d.h. die Erfahrungen, Erkenntnisse und Fähigkeiten nur von dem erworben werden kann, der diesen weg geht, kann der Glaubende nicht von Außenstehenden verstanden oder beurteilt werden (1. Ko. 2,15), während der Geistesmensch prinzipiell alles beurteilen kann (1.Ko. 2,15).
Deshalb kann er auch - je nach seiner Einsicht - das “Warum?” der Menschen beantworten.Eine große Aufgabe liegt darin, von der durch den Glaubengewonnenen Erkenntnis der Wahrheit aus, alle naturwissenschaftlichen Gebiete zu ordnen und die entspr. Naturwissenschaftlichen Theorien zu korrigieren, d.h. dem Menschen ein wahres Weltbild zu geben.

II.
1) Alles strebt nach Ruhe, Ausgewogenheit, Ausgeglichenheit.
Materie, wenn sie nicht von Außen bewegt wird, ruht immer (Stein). Das Tier, insofern es nicht vom Geschlechts- oder Selbsterhaltungstrieb getrieben wird, ebenfalls. Gott ruht ständig in sich selbst. Der Mensch will „seine Ruhe“ haben.
Unerschütterliche Ruhe findet er aber erst durch das Eingehen in die Ruhe Gottes (Hebr. 4, 10-11).

2a) Auf Grund dieses Strebens, stoßen alle neuen Vorstellungen (Ideen), die ja auch ein neues Handeln bedingen, bei uns auf einen gewissen Widerstand, der sich solange bemerkbar macht, bis uns die neuen Vorstellungen „in Fleisch und Blut“ übergegangen sind (anders ausgedrückt: „Kopf- zu Herzensglaube“ geworden ist).
Die neuen Vorstellungen gehen vom Kopf ins „Herz“, indem man sie willentlich festhält und das für „richtig“ Erkannte tut, trotz aller Anfechtung. Dadurch werden die neuen Vorstellungen und Handlungsweisen mit Lust verbunden. Denn ich kann nur das Festhalten, von dem ich annehme, dass es mir zukünftig mehr Lust bringen wird als alles Gegenwärtige.
Die Kraft des Herzens ist Lust oder, anders ausgedrückt Sympathie, Liebe.
Ein Unterschied besteht nur in dem, was die Menschen lieben (I,1).
Unlust, Hass, Antipathie entstehen nur dort, wo wir das, was wir lieben und an dem wir demzufolge hängen, gefährdet sehen. Wir werden dadurch beunruhigt, unruhig.

b) Alle Anfechtungen, die durch das Festhalten des Neuen (Vorstellungen usw.) bedingt werden, haben ihre Wurzel im Loslassenmüssen dessen, was uns bisher lieb war oder teilweise noch ist. Sie ist Ausdruck der Unlust gegenüber dem Neuen, das das Alte gefährdet.

Da wir das Neue als „göttlich“ und damit „gut“ ansehen, können wir logischerweise das, was dem Göttlichen widerstreitet, nur als „böse“ ansehen.
Vorher war es uns nicht immer oder überhaupt nicht als „böse“ bewusst.
Wenn ich mich daher aus freiem Entschluss für Gottes Wesen (Liebe) und Willen entschieden habe, so bin ich in diesem Willen automatisch distanziert von dem was vordem mein Wesen und Wollen bildete. Ich bin erlöst (2.Ko. 1,10).
Da ich mich nicht mehr mit meinem bisherigen Wesen identifizieren kann und will, und auch nicht mehr brauche (mir aber mein „altes Wesen“ mit allen Begierden - die genau noch so lebendig sind wie vorher - bildlich, wie ein „alter Mantel“ anhängt) werden die aus dem „alten Wesen“ hervorgehenden Anfechtungen als „Anfechtungen Satans“, die „feurigen Pfeile des Bösen“, als „Einflüsterungen Satans“ usw. bezeichnet.
Aber das alles kommt eben nicht von Außen, sondern ist nur die Wirkungsweise meines bisherigen Wesens, von dem ich mich distanzieren will. Es ist die „Stimme des Fleisches“ (Jak. 1,14).
Aus diesem Grund kann jeder Christ mit Paulus sagen: „Wenn ich dieses, was ich nicht will ausübe, so vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die in mir wohnende Sünde.“ (Rö. 7,20; vgl. 7,17). Von ihr, bzw. meinem „alten Wesen“ werde ich noch zu den gleichen Handlungen getrieben wie früher. Aber es besteht bereits, wie gesagt, ein innerliches Distanzieren, während man sich früher damit Einverstanden gefühlt hätte.

3) Der Wille ist das tätige Element. Er schafft, mittels des Glaubens (Hebr. 11,1) die neue Geistleiblichkeit (1. Petr. 1,14), die der Geistgestalt Christi entspricht in uns (Gl. 4,19; Eph. 4,24; Kol. 3,10).
Zunächst ist dieser Wille schwach, da der Glaube klein ist (Mt. 13, 31-32). Aber er erhält Nahrung und damit Kraft aus den neuen Vorstellungen, wie sie uns durch andere Christen, die rechte Lektüre, durch Meditation usw. übermittelt werden, bzw. aus dem bereits in uns vorhandenemGlaubenentspringen. Dadurch kommt zum Wollen immer mehr das Vollbringen (Phil. 2,13).

4) Welche Prozesse spielen sich in uns ab und wie werden sie genannt?
Hebr. 4,12: „(…) das Wort Gottes ist (…) schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, wie auch der Gelenke und des Markes, und ein Beurteiler der Gedanken und Gesinnungen des Herzens.“

Seele und Geist sind im alten (dem fleischlichen ) Menschen miteinander verbunden. Das besagt nichts anders, als dass gewisse Vorstellungen mit gewissen Gefühlen verbunden sind (I,1).
Durch die neuen Vorstellungen (Wort Gottes, Erkenntnisse usw.) werden die bisherigen Vorstellungen von ihrem Gefühlsinhalt (= Seele) getrennt. Damit werden die betreffenden Vorstellungen kraftlos (sie können uns damit zu keinen ihnen gemäßen Handlungen mehr bewegen) und die so gewonnene Kraft kommt dem neuen Menschen zu Gute.
Der Prozess der Trennung ist verbunden mit einer Be- und Erleuchtung.
Erstere betrifft den bisherigen Seeleninhalt ( Sündenerkenntnis, Hebr. 4,12), letztere die Wahrheit.
Dieses Loslassen der Sünde (falsche Vorstellungen und die durch sie bedingten Begierden) , das dadurch erfolgt, dass Sünde als unvernünftig und damit als schädlich erkannt wird, macht uns rein.
Die Reinheit aber befähigt uns zur Erkenntnis und zum Gottschauen (Mt. 5,8; Eph. 1,18; Hebr. 12,14).
- (Alles Triebhafte ist „blind“. Ein Raubtier, das einen Hasen jagt, sieht nicht die Schönheit des Himmels, der Blumen und Steine. Und wenn es den Hasen erreicht hat „denkt“ es nur „etwas zu fressen“. Es achtet nicht das schöne Fell, die wunderbaren Augen und die merkwürdigen Ohren des Hasen. Das alles kümmert es nicht. -
Ps. 115, 5-6)
Die Kraftzufuhr, die so erfolgt, lässt uns aber auch immer mehr gute Werke tun, da nun zum Wollen das Vollbringen gekommen ist (Jak. 2,17; Phil. 2,13).
Durch diese innere Handlungen wird „das Herz“ überzeugt, denn nun wird dieEmpfindung der Ruhe, die Friedens und der Liebe immer stärker in uns, beginnen die Früchte des Geistes immer mehr offenbar zu werden (Gal. 5,22).

- (Anm.: Wenn der Mensch sagt, er sei von tiefstem Herzen von dem und dem überzeugt ist , so meint er damit, dass in ihm eineEmpfindung sehr stark, vielleicht auch bleibend ist; nichts weiter. Beim sog. „Herzensglaube“ ist die Empfindung, dass das und das wahr sei, stark, weil die betreffende Empfindung alle bis dahin vorhandenen Empfindungen überwunden hat. Also intensiver ist.. - Über den Wahrheitsgehalt ist damit freilich nichts gesagt. -)

In seiner Gesamtheit wird der hier beschriebene Prozess „Heiligung“ (1. Thess. 4,3) genannt, in Bezug auf den „Alten Menschen“ als „Sterben und Ertöten“ (1. Kor. 15,31; Rö. 8,13; Kol. 3,5).
Das eine ist das „Ablegen“ des „alten Menschen“ (Eph. 4,22), das andere das „Anziehen“ des „neuen Menschen“ (Eph. 4,24) bzw. das „Anziehen“ Christi (Rö. 13,14).

III.
1a) Alle Menschen, ohne Ausnahme, sind bereits erlöst (Rö. 5,10; Tit. 2,11-12). Das ist die objektive Tatsache.
Doch wenn wir in die Welt schauen oder auch uns Christen ansehen, ist davon nicht viel zu merken.
Obwohl die Erlösung eineobjektive Tatsache ist, also unabhängig von unserem Dazutun existiert, kann sie doch für mich nur dann eine Bedeutung haben, wenn ich sie mir persönlich - im Glauben - aneigne.
Es muss das durch bewusstes Wollen geschehen, und kann dem Menschen nicht einfach automatisch bzw. “mechanisch” übereignet werden (etwas so, wie man Benzin in einen Tank füllt), da der Mensch sich - im Gegensatz zum Tier - seiner Selbst, seines Wollens und Denkens bewusst ist. (Würde die Erlösung automatisch wirksam sein, wäre der Mensch nicht mehr Mensch, sondern ein Automat),

In dieser Notwendigkeit des bewussten Aneignens liegt die Gefahr in diesem Tun zu träge und gleichgültig zu sein, so dass man die Gnade möglicherweise vergeblich empfangen haben könnte (2. Kor. 6,1; Mt. 25, 11-13).
Aneignen kann sich diese Tatsache der Erlösung nur, wer bereits ist dafür prinzipiellalles aufzugeben (Luk. 14,33; Mt. 13,44-46; s.a. I,2).
Nur wer so bereits ist, sich selbst aufzugeben sich selbst abzusterben wird wiedergeboren (Rö. 6,7; Tit. 3,5; Joh. 3,3-7) und derjenige kann dann auf die Tatsache der Erlösung bauen, indem er sich immer wieder in seinem denken und handeln von ihr bestimmen lässt. (Er geht damit den Einweihungsweg - I,4 -, der ihm selbst und anderen die Erlösung sichtbar macht).

b) Dass ich versöhnt (Rö. 5,10-11; 5,18), gerechtfertigt bin (Rö. 6,7), Frieden mit Gott habe (Rö. 5,1; Kol. 1,20), mit Christus gestorben (Kol. 3,3; Gal. 2,19-20), mit ihm auferweckt (Kol. 1,12; 3,1) bin, ewiges Leben (Joh. 3,36; 1. Joh. 5,12) habe, geheiligt (Kol. 3,12; Eph. 1,1) und vollkommen (Kol. 2,10; 2.Kor. 13,11) bin, ist Ausdruck ein und derselben Wahrheit der Erlösung in ihren verschiedenen Bezügen.

2) Was bedeutet das in der Praxis?
Da ich Frieden habe und demzufolge glücklich bin, muss ich nichts mehr für meine Befriedigung tun. Diese vollkommene Bedürfnislosigkeit weckt die Liebe in mir, anderen Menschen daran teilhaftig sein zu lassen, was ja letzten Endes nur geht, indem sie ebenfalls die Tatsache der Erlösung begreifen.
Da ich ewiges Leben habe bin ich frei von aller Krankheits- und Todesfurcht, aber auch aller “Lebensangst” - denn ich weiss, nichts kann mich wirklich vernichten oder mir schaden.
Wenn ich “äußerlich” noch krank werde oder auch physisch sterbe, so ist das noch Folge meines vorherigen gottlosen Lebens (II, 2b).
Sich von den Erlösungsgedanken bestimmen lassen führt aber zu mehr innerer und schließlich auch äußerer Gesundung.
Aus diesem Grund ist im N.T. alles in der Seins- (also zum Beispiel “ewiges Lebenhaben) und in der Verheißungsform (“ewiges Leben erlangen” 1.Joh. 2,25) genannt. Im neuen Sein liegen die Ursachen des neuen Werdens. Nur aus den rechten Ursachen entspringen die rechten Folgen, oder wie es die Bibel ausdrückt: Ein guter Baum bringt gute Früchte.
Das Werden braucht Zeit. Im Glauben aber geht man von der Seinsform aus, d.h. ich glaube zum Beispiel, dass ich vollkommen bin, damit ich in der Erscheinung, im Erleben vollkommen werde.
Nicht umgekehrt. Also nicht: ich werde vollkommen.

3) Nachdem der Mensch als Vorbedingung zur Wiedergeburt die Bereitschaft zur völligen Selbstaufgabe haben musste (III,1), so muss nun im tagtäglichen Vollzug das Loslassen (von den Mystikern “Leerwerden” bzw. “Gelassen-werden” - etym. von “loslassen” - genannt) alles eigenen, das Sich-selbst-loslassen erfolgen (1.Ko. 15,31; Rö. 12,1; Luk. 9,24).
Denn in der Armut verwirklicht sich der Zustand der immerwährenden Seligkeit (Mt. 5,3; 1.Petr. 1,9; Ph. 2,12). Das ist völlig logisch.
Solange der Mensch begehrt, empfindet er Mangel; fühlt er sich arm, als einer, der nicht hat, obwohl er vielleicht in größtem Reichtum lebt. Würde er sich reich fühlen, so hätte sein Begehren ein Ende.
Doch durch das Anhäufen von materiellen Gütern ist noch niemand vom Begehren frei geworden.
Im Gegenteil, wie das Sprichwort sagt: “Je mehr er hat, je mehr er will, nie schweigen seine Klagen still.”
Materieller Reichtum kann also das Begehren nicht stillen und solange danach gestrebt wird, wird zwangsläufig damit die Unzufriedenheit lebendig erhalten.
Auch entspringt aller Unfriede, Lüge usw. daraus (1.Tim. 6,8-10).
Das gilt auch für das sonstige Begehren, ob es sich nun um sexuelles oder das Begehren Freunde zu haben, viel Wissen zu erlangen usw. handelt (2.Tim. 3, 6b-7)
Folgerichtig ergibt sich die Erkenntnis: Will man glücklich werden, so muss man aufhören zu begehren, muss man begierdelos werden.
Dies geschieht u.a. dadurch, dass man den Blick vom Mangel, aus dem ja alles Begehren entspringt, abwendet und auf die geistigen Güter richtet, die man bereits besitzt, z.B. Tugenden und Erkenntnisse.
Sieht man diese Güter wirklich als “Schätze” an, so wird man in steter Dankbarkeit für sie sein.
So werden zu diesen “Schätzen des Himmels” (Mt. 6, 19-21) immer mehr hinzugetan (Mt. 25,29).
Die so entstehenden Empfindung des Reichseins ruft die Gesinnung und Lust hervor, andere Menschen glücklich zu machen. Dann erfährt man, dass Geben seliger als Nehmen ist (Apg. 20,35).

Solange der Mensch in der Gesinnung lebt Besitzer des ihm anvertrauten “Eigentums” zu sein, kann er ebenfalls nicht glücklich werden, da er soeineverborgene Angst um den Verlust dieser Güter hat, die sich dann auf verschiedene Art und Weise äußert (z.B. Unruhe, Hass, Gewalt) wenn die Bedrohung der Dinge faktisch eintritt (s.a. II,2).
Derjenige, der sich innerlich von allem Besitz gelöst hat, hat die Dinge als hätte er sie nicht (1.Kor. 7,29-31).
Auch der Eigenwille macht unglücklich, denn ihm können innere (Hemmungen) oder äußere Widerstände entgegenstehen. Oder er führt in Verstrickungen und damit zu Psychosen und organischen Erkrankungen. Deshalb muss auch er aufgegeben werden.
Es zeigt sich, dass das Festhalten des eigenen Willens, der Begierde und des eigenen Lebens dem Glücklichsein des Menschen im Wege steht, dass das Loslassen jedoch das Glück verwirklicht.
Wer nichts hat, hat alles.
Denn wenn man nichts mehr begehren oder verteidigen, noch sich durchsetzen muss, hören alle Angst und Unruhe immer mehr auf und Friede, Freude, Liebe ziehen immer mehr in das Herz ein. Ein Gefühl grenzenloser Freiheit erfüllt uns dann.
Eine weitere Folge: Man wird sanftmütig, da man am richtig Erkannten bleibt uns sich von ihm leiten und bestimmen lässt. Zu etwas anderem kann man nicht mehr gezwungen werden