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Freitag, 16. Juli 2010

Vom Glauben zum Schauen


Für die meisten Gläubigen sind Gott und die unsichtbaren Welten, einschließlich ihrer Wesen etwas “Verborgenes” (lat. “okkultes“), und so soll es auch nach Meinung vieler bleiben. Sie wollen nichts davon wissen. Entsprechend sieht dann natürlich die Bibelauslegung aus. Rein willkürlich, da man keine übersinnlichen Erkenntnisse, keine Einsichten in Zusammenhänge hat.
Dabei sollte doch der Glaube als übersinnliches Wahrnehmungsorgan dienen: “Durch den Glauben nehmen wir wahr, dass die Welten durch Gottes Wort geschaffen sind.” (Hebr. 11,3). Durch ihn wird unser Sinn und damit unser Wahrnehmungsvermögen auf das Übersinnliche gerichtet. “Trachtet nach dem, was droben ist.” (Kol. 3,2), werden wir ermahnt. Die Ausrichtung nach “oben” genügt aber noch nicht, um wirklich etwas wahrzunehmen. Deshalb heißt es “Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.” (Mt. 5,8). Um ein reines Herz zu bekommen ist Heiligung nötig. Wiederum heißt es deshalb “Ohne Heiligung wird niemand den Herrn schauen.”
Ein reines Herz kann man mit einem Spiegel vergleichen. In einem Spiegel ist nichts eigenes, sondern er gibt nur wieder, was sich in ihm spiegelt. Wenn in uns Emotionen sind, wie Wut, Hass, Ärger, Zorn, Angst, Furcht so ist das, wie wenn der Spiegel blinde Flecken hätte, oder wie wenn Wolken vor den Himmel ziehen.
Aber auch Vorurteile binden unseren Geist, so dass er nicht die Wahrheit erkennen kann. Deshalb sollten wir uns um Objektivität bemühen. Alles so da sein lassen, wie es ist. Das fällt uns oft nicht leicht. Wir Menschen haben ein Interesse daran, die Wirklichkeit zu entstellen, d.h. sie anders wahrnehmen zu wollen, als sie wirklich ist. Wir meinen nämlich oft, die Wahrheit nicht ertragen zu können. So lügen wir uns lieber etwas vor.
Furchtlos der Wahrheit ins Antlitz zu schauen lernt aber der, der weiß, dass er ein ewiges Wesen ist und ihn nichts und niemand vernichten kann.

“Unser Wandel ist im Himmel” (Phil.3,20). Also sollten wir uns da ein bisschen auskennen. Unser ewiges Ich ist immer in der unsichtbaren Welt. Es hat nur seine Wahrnehmung auf das Sinnlich-Sichtbare gerichtet und deshalb meinen wir Menschen, wir lebten ausschließlich hier auf Erden. Das ist aber ein Trugschluss. Deshalb müssen und sollen wir nicht warten, bis uns alles nach dem Tod, wie einige meinen, offenbar wird (wenn wir unser übersinnliches Erkenntnisvermögen nicht hier entwickeln, werden wir da auch nicht viel wahrnehmen), sondern hier und jetzt soll es geschehen.
Die Nahtoderlebnisse und die weitere Entwicklung derer, die nicht zurückkommen kann prinzipiell jeder von hier aus verfolgen. Ganz einfach weil wir uns selbst schon in diesen Welten aufhalten.
Dazu muss man natürlich nicht Christ sein. Das kann jeder Mensch, der sich um Reinheit bemüht, der nicht irdisch gesinnt ist.
Solche Menschen gab es schon immer. Sie wurden “Menschensöhne” (Eph. 3,5) genannt. Nur das Geheimnis der Auferstehung konnten sie noch nicht erkennen.
Ein solcher Menschen begegnet uns in der Frühzeit des Christentums. Er schrieb in einem Brief “Könnte ich euch etwa nicht auch Himmlisches schreiben? Ich fürchte nur, dass ich euch Unmündigen Schaden zufüge (…) auf dass ihr unfähig es zu fassen, (nicht) erstickt. Bin doch selbst ich, ob ich auch (…) die himmlischen Dinge und die Rangordnungen der Engel und der Fürstentümer , Versammlungen, Sichtbares und Unsichtbares wohl verstehen kann, um deswillen noch kein Jünger.” (Ignatius an die Trallianer 5, 1-2).
Wie weit sind wir doch von den Erwartungen, die Jesus und die Apostel an die Jünger Jesu hatten, entfernt. Schon damals rügte Jesus, dass die Menschen so blind waren: “Wenn ihr eine Wolke von Westen aufsteigen seht, sagt ihr alsbald, es gibt Regen. (…) Heuchler! Das Angesicht der Erde und des Himmels wisst ihr zu beurteilen; wie aber kommt es, dass ihr diese Zeit nicht beurteilen könnt?” (Luk. 12, 56). Was würde Jesus heute sagen, wo wir davon reden, dass in Christus alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis seien (Kol. 2,2), wir aber jede Offenbarung solcher Schätze als “über die Bibel” hinausgehend, also als unbiblisch ablehnen? Sind wir nicht da noch größere Heuchler?
Dazu gäbe es noch viel zu sagen.

Montag, 5. Juli 2010

Wie Glaube funktioniert

I.
1) Der Mensch ist unfrei. Er ist ein Gebundener in Finsternis (Jes. 61,1;Wsh. 17,2; Jph. 12,46; Eph. 5,8; Jo. 8,32 u.v.m.) Er wird ausschließlich vom Lustunlustprinzip bestimmt. Seine Vorstellungen bestimmen den Inhalt seiner Lust und Unlust.

2) Aus diesem Grund kann kein Mensch von sich aus zu Jesus kommen und ihn als Retter annehmen.
Das ist nur möglich, wenn ihn der Vater zieht (Jo. 6,44).
Wie zieht der Vater einen Menschen zu Jesus?
Indem der Menschen durch seine Lebensumstände verschiedene Erfahrungen macht, die ihn schließlich befähigen davon überzeugt zu werden, dass Jesus die Lösung seiner Probleme ist (Prinzip: “Bekehre Du mich, so will ich mich bekehren.” Jer. 31,18). Die Entscheidung für Ihn (übergabe des Lebens, Sich-bestimmen - lassen von seinem Wort) erfolgt dann, wenn das Erlösungsbedürfnis größer ist als alles das, wovon man meint in der Nachfolge verzichten zu müssen, was einem aber noch Lust bereitet.

3) Welche Aufgabe haben wir Christen?
Kurz gesagt, den Menschen die rechten Vorstellungen zu vermitteln. Dies geschieht durch die Verkündigung der Wahrheit (Apg. 17,4; 28,24), durch das Weitersagen von Erfahrungen, durch entsprechende Zeichen und den eigenen Lebenswandel.
Je nach den Vorstellungen, die der einzelne Mensch besitzt (s. I,2), wird ihm dies oder jenes glaubhaft oder auch nicht vorkommen. Er wird also von diesem oder jenem überzeugt werden.
Auch derjenige, der sich bereits für Christus entschieden hat, wird in der Praxis auch nicht allesglauben, möglicherweise aber alles, was in der Bibel gesagt wird, für “wahr” halten, aus dem gleichen Grund.
Die entsprechenden Vorstellungen bestimmen also das Maß des Glaubens (Rö. 12,3). Jeder hat damit zunächst einen beschränkten Glauben, der aber durch die entsprechenden Vorstellungen, die nun auch durch die eigenen Erfahrungen mit Christus gemacht werden, wächst (2.Ko. 10,15; 2.Th. 1,3)
Reden und Handeln über das Maß unseres Glaubens wirkt nicht überzeugend, sondern unglaubhaft. Handeln führt zu Misserfolg.

4) Da der Weg des Glaubens ein Einweihungsweg ist (Hebr. 10,20), d.h. die Erfahrungen, Erkenntnisse und Fähigkeiten nur von dem erworben werden kann, der diesen weg geht, kann der Glaubende nicht von Außenstehenden verstanden oder beurteilt werden (1. Ko. 2,15), während der Geistesmensch prinzipiell alles beurteilen kann (1.Ko. 2,15).
Deshalb kann er auch - je nach seiner Einsicht - das “Warum?” der Menschen beantworten.Eine große Aufgabe liegt darin, von der durch den Glaubengewonnenen Erkenntnis der Wahrheit aus, alle naturwissenschaftlichen Gebiete zu ordnen und die entspr. Naturwissenschaftlichen Theorien zu korrigieren, d.h. dem Menschen ein wahres Weltbild zu geben.

II.
1) Alles strebt nach Ruhe, Ausgewogenheit, Ausgeglichenheit.
Materie, wenn sie nicht von Außen bewegt wird, ruht immer (Stein). Das Tier, insofern es nicht vom Geschlechts- oder Selbsterhaltungstrieb getrieben wird, ebenfalls. Gott ruht ständig in sich selbst. Der Mensch will „seine Ruhe“ haben.
Unerschütterliche Ruhe findet er aber erst durch das Eingehen in die Ruhe Gottes (Hebr. 4, 10-11).

2a) Auf Grund dieses Strebens, stoßen alle neuen Vorstellungen (Ideen), die ja auch ein neues Handeln bedingen, bei uns auf einen gewissen Widerstand, der sich solange bemerkbar macht, bis uns die neuen Vorstellungen „in Fleisch und Blut“ übergegangen sind (anders ausgedrückt: „Kopf- zu Herzensglaube“ geworden ist).
Die neuen Vorstellungen gehen vom Kopf ins „Herz“, indem man sie willentlich festhält und das für „richtig“ Erkannte tut, trotz aller Anfechtung. Dadurch werden die neuen Vorstellungen und Handlungsweisen mit Lust verbunden. Denn ich kann nur das Festhalten, von dem ich annehme, dass es mir zukünftig mehr Lust bringen wird als alles Gegenwärtige.
Die Kraft des Herzens ist Lust oder, anders ausgedrückt Sympathie, Liebe.
Ein Unterschied besteht nur in dem, was die Menschen lieben (I,1).
Unlust, Hass, Antipathie entstehen nur dort, wo wir das, was wir lieben und an dem wir demzufolge hängen, gefährdet sehen. Wir werden dadurch beunruhigt, unruhig.

b) Alle Anfechtungen, die durch das Festhalten des Neuen (Vorstellungen usw.) bedingt werden, haben ihre Wurzel im Loslassenmüssen dessen, was uns bisher lieb war oder teilweise noch ist. Sie ist Ausdruck der Unlust gegenüber dem Neuen, das das Alte gefährdet.

Da wir das Neue als „göttlich“ und damit „gut“ ansehen, können wir logischerweise das, was dem Göttlichen widerstreitet, nur als „böse“ ansehen.
Vorher war es uns nicht immer oder überhaupt nicht als „böse“ bewusst.
Wenn ich mich daher aus freiem Entschluss für Gottes Wesen (Liebe) und Willen entschieden habe, so bin ich in diesem Willen automatisch distanziert von dem was vordem mein Wesen und Wollen bildete. Ich bin erlöst (2.Ko. 1,10).
Da ich mich nicht mehr mit meinem bisherigen Wesen identifizieren kann und will, und auch nicht mehr brauche (mir aber mein „altes Wesen“ mit allen Begierden - die genau noch so lebendig sind wie vorher - bildlich, wie ein „alter Mantel“ anhängt) werden die aus dem „alten Wesen“ hervorgehenden Anfechtungen als „Anfechtungen Satans“, die „feurigen Pfeile des Bösen“, als „Einflüsterungen Satans“ usw. bezeichnet.
Aber das alles kommt eben nicht von Außen, sondern ist nur die Wirkungsweise meines bisherigen Wesens, von dem ich mich distanzieren will. Es ist die „Stimme des Fleisches“ (Jak. 1,14).
Aus diesem Grund kann jeder Christ mit Paulus sagen: „Wenn ich dieses, was ich nicht will ausübe, so vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die in mir wohnende Sünde.“ (Rö. 7,20; vgl. 7,17). Von ihr, bzw. meinem „alten Wesen“ werde ich noch zu den gleichen Handlungen getrieben wie früher. Aber es besteht bereits, wie gesagt, ein innerliches Distanzieren, während man sich früher damit Einverstanden gefühlt hätte.

3) Der Wille ist das tätige Element. Er schafft, mittels des Glaubens (Hebr. 11,1) die neue Geistleiblichkeit (1. Petr. 1,14), die der Geistgestalt Christi entspricht in uns (Gl. 4,19; Eph. 4,24; Kol. 3,10).
Zunächst ist dieser Wille schwach, da der Glaube klein ist (Mt. 13, 31-32). Aber er erhält Nahrung und damit Kraft aus den neuen Vorstellungen, wie sie uns durch andere Christen, die rechte Lektüre, durch Meditation usw. übermittelt werden, bzw. aus dem bereits in uns vorhandenemGlaubenentspringen. Dadurch kommt zum Wollen immer mehr das Vollbringen (Phil. 2,13).

4) Welche Prozesse spielen sich in uns ab und wie werden sie genannt?
Hebr. 4,12: „(…) das Wort Gottes ist (…) schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, wie auch der Gelenke und des Markes, und ein Beurteiler der Gedanken und Gesinnungen des Herzens.“

Seele und Geist sind im alten (dem fleischlichen ) Menschen miteinander verbunden. Das besagt nichts anders, als dass gewisse Vorstellungen mit gewissen Gefühlen verbunden sind (I,1).
Durch die neuen Vorstellungen (Wort Gottes, Erkenntnisse usw.) werden die bisherigen Vorstellungen von ihrem Gefühlsinhalt (= Seele) getrennt. Damit werden die betreffenden Vorstellungen kraftlos (sie können uns damit zu keinen ihnen gemäßen Handlungen mehr bewegen) und die so gewonnene Kraft kommt dem neuen Menschen zu Gute.
Der Prozess der Trennung ist verbunden mit einer Be- und Erleuchtung.
Erstere betrifft den bisherigen Seeleninhalt ( Sündenerkenntnis, Hebr. 4,12), letztere die Wahrheit.
Dieses Loslassen der Sünde (falsche Vorstellungen und die durch sie bedingten Begierden) , das dadurch erfolgt, dass Sünde als unvernünftig und damit als schädlich erkannt wird, macht uns rein.
Die Reinheit aber befähigt uns zur Erkenntnis und zum Gottschauen (Mt. 5,8; Eph. 1,18; Hebr. 12,14).
- (Alles Triebhafte ist „blind“. Ein Raubtier, das einen Hasen jagt, sieht nicht die Schönheit des Himmels, der Blumen und Steine. Und wenn es den Hasen erreicht hat „denkt“ es nur „etwas zu fressen“. Es achtet nicht das schöne Fell, die wunderbaren Augen und die merkwürdigen Ohren des Hasen. Das alles kümmert es nicht. -
Ps. 115, 5-6)
Die Kraftzufuhr, die so erfolgt, lässt uns aber auch immer mehr gute Werke tun, da nun zum Wollen das Vollbringen gekommen ist (Jak. 2,17; Phil. 2,13).
Durch diese innere Handlungen wird „das Herz“ überzeugt, denn nun wird dieEmpfindung der Ruhe, die Friedens und der Liebe immer stärker in uns, beginnen die Früchte des Geistes immer mehr offenbar zu werden (Gal. 5,22).

- (Anm.: Wenn der Mensch sagt, er sei von tiefstem Herzen von dem und dem überzeugt ist , so meint er damit, dass in ihm eineEmpfindung sehr stark, vielleicht auch bleibend ist; nichts weiter. Beim sog. „Herzensglaube“ ist die Empfindung, dass das und das wahr sei, stark, weil die betreffende Empfindung alle bis dahin vorhandenen Empfindungen überwunden hat. Also intensiver ist.. - Über den Wahrheitsgehalt ist damit freilich nichts gesagt. -)

In seiner Gesamtheit wird der hier beschriebene Prozess „Heiligung“ (1. Thess. 4,3) genannt, in Bezug auf den „Alten Menschen“ als „Sterben und Ertöten“ (1. Kor. 15,31; Rö. 8,13; Kol. 3,5).
Das eine ist das „Ablegen“ des „alten Menschen“ (Eph. 4,22), das andere das „Anziehen“ des „neuen Menschen“ (Eph. 4,24) bzw. das „Anziehen“ Christi (Rö. 13,14).

III.
1a) Alle Menschen, ohne Ausnahme, sind bereits erlöst (Rö. 5,10; Tit. 2,11-12). Das ist die objektive Tatsache.
Doch wenn wir in die Welt schauen oder auch uns Christen ansehen, ist davon nicht viel zu merken.
Obwohl die Erlösung eineobjektive Tatsache ist, also unabhängig von unserem Dazutun existiert, kann sie doch für mich nur dann eine Bedeutung haben, wenn ich sie mir persönlich - im Glauben - aneigne.
Es muss das durch bewusstes Wollen geschehen, und kann dem Menschen nicht einfach automatisch bzw. “mechanisch” übereignet werden (etwas so, wie man Benzin in einen Tank füllt), da der Mensch sich - im Gegensatz zum Tier - seiner Selbst, seines Wollens und Denkens bewusst ist. (Würde die Erlösung automatisch wirksam sein, wäre der Mensch nicht mehr Mensch, sondern ein Automat),

In dieser Notwendigkeit des bewussten Aneignens liegt die Gefahr in diesem Tun zu träge und gleichgültig zu sein, so dass man die Gnade möglicherweise vergeblich empfangen haben könnte (2. Kor. 6,1; Mt. 25, 11-13).
Aneignen kann sich diese Tatsache der Erlösung nur, wer bereits ist dafür prinzipiellalles aufzugeben (Luk. 14,33; Mt. 13,44-46; s.a. I,2).
Nur wer so bereits ist, sich selbst aufzugeben sich selbst abzusterben wird wiedergeboren (Rö. 6,7; Tit. 3,5; Joh. 3,3-7) und derjenige kann dann auf die Tatsache der Erlösung bauen, indem er sich immer wieder in seinem denken und handeln von ihr bestimmen lässt. (Er geht damit den Einweihungsweg - I,4 -, der ihm selbst und anderen die Erlösung sichtbar macht).

b) Dass ich versöhnt (Rö. 5,10-11; 5,18), gerechtfertigt bin (Rö. 6,7), Frieden mit Gott habe (Rö. 5,1; Kol. 1,20), mit Christus gestorben (Kol. 3,3; Gal. 2,19-20), mit ihm auferweckt (Kol. 1,12; 3,1) bin, ewiges Leben (Joh. 3,36; 1. Joh. 5,12) habe, geheiligt (Kol. 3,12; Eph. 1,1) und vollkommen (Kol. 2,10; 2.Kor. 13,11) bin, ist Ausdruck ein und derselben Wahrheit der Erlösung in ihren verschiedenen Bezügen.

2) Was bedeutet das in der Praxis?
Da ich Frieden habe und demzufolge glücklich bin, muss ich nichts mehr für meine Befriedigung tun. Diese vollkommene Bedürfnislosigkeit weckt die Liebe in mir, anderen Menschen daran teilhaftig sein zu lassen, was ja letzten Endes nur geht, indem sie ebenfalls die Tatsache der Erlösung begreifen.
Da ich ewiges Leben habe bin ich frei von aller Krankheits- und Todesfurcht, aber auch aller “Lebensangst” - denn ich weiss, nichts kann mich wirklich vernichten oder mir schaden.
Wenn ich “äußerlich” noch krank werde oder auch physisch sterbe, so ist das noch Folge meines vorherigen gottlosen Lebens (II, 2b).
Sich von den Erlösungsgedanken bestimmen lassen führt aber zu mehr innerer und schließlich auch äußerer Gesundung.
Aus diesem Grund ist im N.T. alles in der Seins- (also zum Beispiel “ewiges Lebenhaben) und in der Verheißungsform (“ewiges Leben erlangen” 1.Joh. 2,25) genannt. Im neuen Sein liegen die Ursachen des neuen Werdens. Nur aus den rechten Ursachen entspringen die rechten Folgen, oder wie es die Bibel ausdrückt: Ein guter Baum bringt gute Früchte.
Das Werden braucht Zeit. Im Glauben aber geht man von der Seinsform aus, d.h. ich glaube zum Beispiel, dass ich vollkommen bin, damit ich in der Erscheinung, im Erleben vollkommen werde.
Nicht umgekehrt. Also nicht: ich werde vollkommen.

3) Nachdem der Mensch als Vorbedingung zur Wiedergeburt die Bereitschaft zur völligen Selbstaufgabe haben musste (III,1), so muss nun im tagtäglichen Vollzug das Loslassen (von den Mystikern “Leerwerden” bzw. “Gelassen-werden” - etym. von “loslassen” - genannt) alles eigenen, das Sich-selbst-loslassen erfolgen (1.Ko. 15,31; Rö. 12,1; Luk. 9,24).
Denn in der Armut verwirklicht sich der Zustand der immerwährenden Seligkeit (Mt. 5,3; 1.Petr. 1,9; Ph. 2,12). Das ist völlig logisch.
Solange der Mensch begehrt, empfindet er Mangel; fühlt er sich arm, als einer, der nicht hat, obwohl er vielleicht in größtem Reichtum lebt. Würde er sich reich fühlen, so hätte sein Begehren ein Ende.
Doch durch das Anhäufen von materiellen Gütern ist noch niemand vom Begehren frei geworden.
Im Gegenteil, wie das Sprichwort sagt: “Je mehr er hat, je mehr er will, nie schweigen seine Klagen still.”
Materieller Reichtum kann also das Begehren nicht stillen und solange danach gestrebt wird, wird zwangsläufig damit die Unzufriedenheit lebendig erhalten.
Auch entspringt aller Unfriede, Lüge usw. daraus (1.Tim. 6,8-10).
Das gilt auch für das sonstige Begehren, ob es sich nun um sexuelles oder das Begehren Freunde zu haben, viel Wissen zu erlangen usw. handelt (2.Tim. 3, 6b-7)
Folgerichtig ergibt sich die Erkenntnis: Will man glücklich werden, so muss man aufhören zu begehren, muss man begierdelos werden.
Dies geschieht u.a. dadurch, dass man den Blick vom Mangel, aus dem ja alles Begehren entspringt, abwendet und auf die geistigen Güter richtet, die man bereits besitzt, z.B. Tugenden und Erkenntnisse.
Sieht man diese Güter wirklich als “Schätze” an, so wird man in steter Dankbarkeit für sie sein.
So werden zu diesen “Schätzen des Himmels” (Mt. 6, 19-21) immer mehr hinzugetan (Mt. 25,29).
Die so entstehenden Empfindung des Reichseins ruft die Gesinnung und Lust hervor, andere Menschen glücklich zu machen. Dann erfährt man, dass Geben seliger als Nehmen ist (Apg. 20,35).

Solange der Mensch in der Gesinnung lebt Besitzer des ihm anvertrauten “Eigentums” zu sein, kann er ebenfalls nicht glücklich werden, da er soeineverborgene Angst um den Verlust dieser Güter hat, die sich dann auf verschiedene Art und Weise äußert (z.B. Unruhe, Hass, Gewalt) wenn die Bedrohung der Dinge faktisch eintritt (s.a. II,2).
Derjenige, der sich innerlich von allem Besitz gelöst hat, hat die Dinge als hätte er sie nicht (1.Kor. 7,29-31).
Auch der Eigenwille macht unglücklich, denn ihm können innere (Hemmungen) oder äußere Widerstände entgegenstehen. Oder er führt in Verstrickungen und damit zu Psychosen und organischen Erkrankungen. Deshalb muss auch er aufgegeben werden.
Es zeigt sich, dass das Festhalten des eigenen Willens, der Begierde und des eigenen Lebens dem Glücklichsein des Menschen im Wege steht, dass das Loslassen jedoch das Glück verwirklicht.
Wer nichts hat, hat alles.
Denn wenn man nichts mehr begehren oder verteidigen, noch sich durchsetzen muss, hören alle Angst und Unruhe immer mehr auf und Friede, Freude, Liebe ziehen immer mehr in das Herz ein. Ein Gefühl grenzenloser Freiheit erfüllt uns dann.
Eine weitere Folge: Man wird sanftmütig, da man am richtig Erkannten bleibt uns sich von ihm leiten und bestimmen lässt. Zu etwas anderem kann man nicht mehr gezwungen werden

Samstag, 20. März 2010

Johannes Gommel (16.10.1811 - 21.12.1841)


Leben

Gommel schien ein völlig unbegabtes Kind zu sein. In der Schule lernte er nichts. Zeitlebens konnte er nur seinen Namen schreiben.
Doch stand ihm bereits in der Kindheit die unsichtbare Welt offen. Aber erst nach dem 16. Lebensjahr bildete sich die Gabe der Unterscheidung mehr aus.
Obwohl er keine Zeitung las noch sonst woher etwas erfuhr, konnte er doch von dem Geschehen auf dieser Welt „mit einer Schärfe und Tiefe reden (…) dass einen oft Staunen und Schauder ergriff“ (J.H.)


Gommel sagte, "dass man mit allem Ernst nach dem Loswerden von aller Sünde ringen soll, weil ja nichts Gemeines noch Unreines ins reich Gottes eingehe. Alles müsse weg, was noch im Fleisch sei. Darum habe der Herr den weg so schmal gemacht. Es wäre nicht gut, wenn etwas vom Fleisch noch mit hinüberkäme, denn das müsste uns vom Lichtreich abstoßen (…) weil ja im Tod nicht die Seele sterbe, sondern so wie sie sei, mit ihren trieben, Neigungen und Gewohnheiten in die Ewigkeit eintrete.“
„Es sei ein schrecklicher Irrtum, dass man glaube, wenn man nur im Glauben an den Heiland sterbe, so komme man gleich ohne Unterschied zum Anschauen Jesu; es stehe klar in der Schrift, dass man ohne Heiligung, ohne ein gereinigtes Herz, nicht Gott schauen könne, nur die Überwinder können eingehen in die Stadt Gottes." (J.H.)

„Es gebe zwar viele Grade und Wohnungen im Himmel, aber die Seligen kommen doch nur sehr langsam vorwärts, weil die Gnadenzeit nur hier auf Erden sei. Wer also nicht mit dem rechten Sieg über die Sünde in ihm hinüberkomme, habe noch drüben zu kämpfen und abzulegen…“ (J.H.)

Er sah u.a. auch „einen sogenannten Stundenhalter (christl. Versammlungsleiter) nach dessen Tod traurig vor seinem Haus sitzen oder einen anderen, der nach alter Gewohnheit in einem Lokal die Schnupftabakdose herumreichte.

In seiner tödlichen Krankheit (Typhus) „fing er auf einmal an, dass er mit Feinden zu tun hätte, die ihn um seines Glaubens willen, verfolgten. Er hatte kurz zuvor noch (…) einen Traum gehabt, in welchem er gekreuzigt wurde, und standhaft seinen Glauben mit dem Märtyrertode besiegelte. Er habe damals gesagt: "Machet nur fort, ihr könnt mir nicht mehr tun als mein leben nehmen, und die gläubigen Brüder, denen auch allen eine Verfolgung gedroht habe, hätten nur auf ihn gesehen, ob er standhaft bliebe, sonst wären sie alle dahingerissen worden." (J.H.)

Die Überreste Gommels wurden auf dem Heidelberger St.-Anna-Friedhof im Gölerschen Familiengrab beigesetzt. Als später auf ihm das Hotel de l´Europe gebaut werden sollte und man das Grab öffnete, waren keine Überreste mehr vorhanden. (!)



Texte

Keine billige Gnade

Zwischenreich

Wer nicht vollendet ist, kommt ins Zwischenreich, und das Zwischenreich ist nicht eureHeimat, sondern das heilige Lichtreich, die heilige Gottesstadt. Es ist fast nicht zu begreifen, wie die Christen dieser Tage sind. Wo kommen sie hin? So wenige hinein in die ewige Heimat, denn sie wollen nicht den tiefen Verleugnungsweg gehen, den der Herr ihnen vorangegangen ist. Berühmte Fromme befinden sich im Zwischenreiche und in den Orten der Reinigung, statt vor dem Throne Gottes, wohin sie von den Menschen erhoben wurden.

Ruhet nicht im Gebet Tag und Nacht, bis der Herr euer ein und alles geworden ist, bis daß ihr ausgegangen seid von allem, daß euch gar nichts mehr fesseln und halten kann, daß ihr ungehindert hindurchdringen könnet und daß nur Sein Bild euch vor Augen ist; denn ohne den Heiland ist man auch im Himmel nicht befriedigt. Jede Seele sehnt sich dort, Ihn zuschauen, jede Seele möchte das vollkommene Glück. Man findet’s auch in Ihm, man braucht keine Kreatur, wenn man den Herrn hat, ist man glücklich. Und wenn ihr auch keinen Menschen auf Erden hättet, aber den Heiland, und euer ganzes Sehnen nach Ihm geht, so könnet ihr dennoch glücklich und zufrieden sein. Er allein ist’s, der den Himmel öffnen und zuschließen kann, kein Mensch auf Erden. Darum freuet euch, wenn ihr den Heiland habt, freuet euch! Wenn ihr bei Ihm seid, dann mag es kommen wie es will. Der Herr hat alles in den Händen, Er ist mächtig und wird alles wohl machen und herrlich hinausführen

Seid nicht so träge und sprechet nicht: „Der Herr nimmt mich an, weil ich glaube.“ O Torheit! Wenn du keinen lebendigen Glauben hast, wenn der Friede Gottes nicht in deinem Herzen wohnt, wie kann der Herr dich brauchen in Seinem Heiligtum? Es liegt nicht an dem, daß man den Kopf hänge wie ein Schilf, daß man vielleicht viel vom Guten rede, sondern daß der Glaube lebendig ist, und daß man im Frieden Seinem Gott diene und daß ein jedes Wort, das aus dem Munde geht, aus der Wahrheit ist und im rechten Sinn und Geist. Ein Gotteskind braucht den Kopf nicht zu hängen, es soll fröhlich sein und freudig in Ihm, Seinem Gott und Herrn, fröhlich in der gewissen Hoffnung des ewigen Lebens, freudig in dem festen Glauben, daß der Herr es leitet und führt. Ja fröhlich sollen Gotteskinder sein, fröhlich in Ihm, ihrem Herrn; denn das, was aus dem Reich Gottes kommt, das ist Freude

Der Herr will euch alle an Sein treues Jesusherz ziehen, Er will euch retten, führen und leiten. Er will euch ganz und gar zubereiten, daß ihr tüchtig werdet, mit Ihm einst in vollkommener Weise vereinigt zu sein. Wenn ihr Seine Hand nehmet, die Er nach euch ausstreckt, wenn ihr Ihm folget, dann wird Er es in der Gnadenzeit tun können; Er wird euch retten können, zubereiten und vollenden auf Seinen Tag. Wenn ihr aber eure Blicke immer wieder von Ihm wendet zur Kreatur und zum Irdischen, wie kann Er da etwas Rechtes aus euch machen? Wie kann Er euch da zur Vollendung bringen? Wie kann Er euch zurichten auf Seinen herrlichen, großen Tag? Wollt ihr denn als unvollkommene Christen hinüberkommen,
als solche, an welchen der Herr noch so vieles zu richten und zu schlichten hat? Wollet ihr es anstehenlassen auf die Ewigkeit? Wollet ihr warten auf die Ewigkeitstiegel? Habt ihr denn nicht hier Gelegenheit genug, Erkenntnis genug, Licht genug?


Ihr haltet euch viel zu viel auf an dem, was auf Erden ist und an dem, was um euch hervorgeht, und damit vergeuden manche viele Gnadenstunden, in welchen sie hätten lernen können für die Ewigkeit und gewinnen können für ihr ewiges Heil und Wohl. Glaubet ihr, dass die Seelen gleich hingehen können, die bis an ihr Ende in ihren alten Leidenschaften verharrten, die den Hochmut in ihren Herzen behielten, die Herrschsucht und Herrschaft über andere, Zorn, Zwietracht, Neid und Haß? Wie viele kommen mit einem unfriedfertigen Herzen hinüber! Sie beharren bis an ihr Ende in dem, sich über andere aufzuhalten, und verlieren dabei ihre edle Gnadenzeit. Meinet ihr, daß solche aufgenommen werden können, die gar keine Lust hatten, ein anderes zu tragen, die sich stets aufhielten über anderer Fehler und diese auch gerne noch überall erzählten?

Lasset alles dahinten, was euch hindert, dieses Ziel zu erreichen, auf das ihr, wann der Herr euch ruft, nicht aufgehalten werdet von den Geistern im Lustreich. (Ephes. 6,12.) O wie viele Seelen bleiben da zurück, und das sind die, welche dann einwirken auf die Menschen auf Erden.

Wenn man nicht kämpft gegen seine Leidenschaften, so fassen sie immer tiefere Wurzeln, und diese Wurzeln dringen ein in die Seele, in das innerste Wesen, denn die Sünde wohnt in der Seele, und mit dem Tode der irdischen Hülle legt man die Sünde nicht ab, sondern man nimmt das, was man in sich trägt, mit hinüber, wenn’s nicht völlig ausgerottet ist durch die Gnade unseres Gottes. Aber wie kann’s der Herr ausrotten, wenn der Mensch nicht will?

Wer nicht ganz abbricht mit allem, der kann nicht ein rechter Jünger Jesu sein; wer nicht ganz hindurchdringt, den kann der Herr nicht brauchen in seinem Reich. Fort mit der Welt, fort mit den Lüsten des Lebens, fort mit dem irdischen Sinn, fort mit dem fleischlichen Wesen, fort mit der Eigenliebe, fort mit der Bequemlichkeit! Alles dieses hindert die Seele, sich hinaufzuschwingen zu dem Throne unseres Gottes, alles dieses zieht die Seele immer wieder zurück. Es muß alles aus dem Grund herausgenommen werden, es genügt nicht, daß nur das Äußere abgeschnitten ist, d.h. die äußeren in die Augen fallenden Sünden und Untugenden, sondern auch das, was verborgen ist vor der Menschen Augen, daß auch das kleinste und tiefste Würzelein herausgerissen werde, daß gar nichts vor den heiligen Augen Gottes Mißfälliges mehr im Herzen drinnen ist. Darum ringet, daß ihr überwindet, ringet und kämpfet, denn es gilt da nicht ein lautes, träges Wesen

Bittet um den rechten lebendigen Gottesglauben, mit welchem ihr in den Stürmen des Lebensfeststehen könnet, (…) Strebet allein nach diesem Glauben, ringet um denselben, denn aus diesem heraus wächst alles. Mit diesem Glauben kannst du tun, was ein natürlicher Mensch nicht tun kann. Ein Naturmensch denkt immer nur an das Materielle; aber ein Geistesmensch kann im Glauben viel wirken und auch viel lassen. Ein Kind Gottes sollte nicht ruhen, bis es ganz durchdrungen ist von allen Kräften des Himmels, bis es durchdrungen ist von dem Lichtglanz der ewigen Gottheit, daß es hier schon leuchte und Beweise gebe, daß es von einer hohen Himmelskraft durchdrungen ist.


Friede

Was ist es doch um den Frieden, um diese heilige Himmelsgabe! Wer mag diese genugschätzen! Ein wahres, treues Gotteskind trägt diesen Frieden im Herzen, auch mitten in dieserWelt voll Unfrieden. Es läßt sich nicht stören durch das, was draußen vorgeht, auch nicht von bösen Menschen, die das Kind zu beunruhigen suchen, es bleibt stille in seinem Herrn undGott, denn es hat ja den Frieden, welcher vom Himmel gekommen ist, in seinem Herzen. Solche Menschen sind hier schon glücklich und selig, solche Menschen kommen vorwärts,weil sie sich nicht aufhalten und den Frieden nehmen lassen;

Wie viele gehen unter den Kindern Gottes, sie haben keinen Frieden! Wie viele laufen jahraus jahrein in die Versammlungen und Kirchen und haben keinen Frieden! Sie haben nur das äußerliche Gewand, aber sie haben das nicht, was der Herr von einem fordert: Den Frieden Gottes, das heilige Streben nach dem himmlischen, nach dem einen wahren Gut. Was hilft eine Schale, wenn kein Kern darin ist, wenn nichts Lebendiges hervorkommt? Ein lebendiges Wesen sollt ihr haben, man soll sehen, daß ihr wachset und zunehmet zu etwas Vollkommenem und zu etwas Ganzem. Glaubet ihr, daß der Herr eine Freude habe an solchen Christen, die Ihm nur äußerlich dienen, die nicht ihr ganzes Wesen Ihm hingeben und die nicht danach ringen, Seinen Frieden im Herzen haben? Wer den Frieden des Herrn hat, der kann unmöglich unzufrieden sein mit dem, was der Herr tut, der fügt sich und beugt sich unter alles. Er geht ruhig und stille seinen Gang und freut sich mitten in der Plage in dem Herrn, seinem Gott; denn er weiß, daß er vom Heiland geleitet wird.


Tägliches Wachstum

An einem jeden Tag soll das Christenkind wachsen, und wie viele Tage gehen vorüber, in welchen man zurückkommt, statt vorwärts. Der Herr schenkte es, daß ihr von nun an immer mehr wachset und zunehmet am inwendigen Menschen, daß an einem jeden Tag gesagt werden kann von den heiligen Engeln: „Sie sind einen Schritt näher zu Jesu gekommen“; dass an einem jeden Tag gesagt werden kann: „Die Liebe des Herrn ist mächtiger in sie eingedrungen, sie haben sich mehr zu Jesu gehalten, sie haben mehr gelernt sich selbst zu verleugnen, sie haben gelernt, sich in der Geduld zu üben, sie haben gelernt, freudiger zu sein in den Widerwärtigkeiten des Lebens.“ Denn das Reich Gottes ist Freude, und wer ein Kind dieses Reiches ist, hat den Freudengeist im Herzen. Im Reiche Gottes ist Friede, und wer ein Kind dieses Reiches ist, hat Frieden im Herzen und sucht den Frieden zu bewahren. Im Reiche Gottes wohnt die Liebe, und wer ein Kind dieses Reiches ist, trachtet danach, diese heilige Liebe immer mehr anzuziehen.

Stille

Dringet mehr hinein ins Herz Jesu, mehr in die Stille, o da lernt man so viel! Mit den Sinnen nicht so viel hinaus, sondern hinein, da wirkt der Geist und da wächst man von einer Stufe zur andern hier in dieser Zeit. Selig und herrlich ist der, welcher in der Gnadenzeit ausgegangen ist von der Sinnlichkeit aller Art; selig ist, welcher ausgegangen ist von der Welt und ihren Vergnügungen fein und grob. Wer hier noch Genuß sucht, der ist noch nicht völlig eingedrungen in die Liebe Jesu;

Man jammert und klagt, wenn so vieles kommt, das einem nicht angenehm ist, man ist betrübt über das, was einem täglich widerfährt, und wenn man dieses und jenes nicht mitmachen kann; man sucht Genuß in der Gesellschaft mit andern, im Gedankenaustausch mit Gleichgesinnten. Man freut sich stets, mit Geschöpfen im Umgang zu sein, und wenn man das entbehren soll, ist man unglücklich und betrübt. An das denkt man aber am wenigsten, mit Dem Umgang zu haben, welcher einen allein befriedigen und glücklich machen kann, man sucht diesen Umgang am wenigsten, man will nicht in der Stille mit Jesu dem Herrn sich unterhalten, wo man doch so viel gewinnen könnte; viel lieber ist einem der Genuß des Umgangs mit Menschen. Suchet das, was im Himmel ist, und lasset die andern, welche nichtwollen, ihren Weg ziehen. Haltet euch nicht auf mit solchen trägen Seelen, die immer wieder ihren Blick zur Erde wenden und auf das, was drinnen ist, die sich festhalten an der Kreatur und den Gütern dieser Zeit.

Saget nicht: „Ich bin ein Gotteskind“, wenn ihr nicht mit allem Ernst ringet und kämpfet, die Liebe Gottes ins Herz zu bekommen, wenn ihr nicht mit allem Ernst kämpfet gegen die Sünde und alles Ungöttliche und Unheilige, wenn ihr nicht mit ganzem Ernst darum bittet, daß der Herr doch alle bösen Wurzeln aus euren Herzen herausreißen möge und alles entfernen, was nicht ins Gottesreich taugt. Kann man denn dort ein zorniges Gemüt oder ein liebloses Wesenbrauchen, ein Herz, das voll Neid und Zwietracht ist? Die Eigenliebe, den Eigensinn und den Eigenwillen? Kann der Herr ein hochmütiges Wesen brauchen? O nein! Denn das sind lauter Stücke von der Hölle, die entfernt werden müssen, ehe man ins Reich Gottes eingeht. Kann man ein eigennütziges Wesen brauchen, einen Menschen, welcher voll Geiz ist, der nur für sich selbst sorgt und nicht an andere denkt? Kann man eine sinnliche fleischliche Kreaturbrauchen? Bittet doch den Herrn, daß alles, was ihr noch in euch traget, entfernt werde; denn in einem jeden Menschen liegt alles verborgen, es kann sich keiner ausschließen.




Mittwoch, 10. März 2010

Michael Hahn - ein pietistischer Heiliger


Vorspiel

Michael Hahn (2.2.1758 - 20.01.1819) wurde als Sohn eines wohlhabenden Bauern geboren. Nach Volksschule und Metzgerlehre, arbeitete er auf dem väterlichen Hof. Bereits jung fühlte er einen unwiderstehlichen Trieb nach Heiligkeit und Erkenntnis der Wahrheit.
Mit 16 hatte er ein erstes Erweckungserlebnis, dem ein drei Jahre währender Kampf folgte, der ihn an den Rand der Verzweiflung brachte. Er glaubte zu den Verdammten zu gehören, und spricht von Höllenqualen die er durchlebte.

Im Alter von zwanzig Jahren hatte er ein erstes Erleuchtungserlebnis, das ihm den ersehnten Frieden brachte. Während des Gerstehäufelns hatte er ein »Gesicht«, das ihn drei Stunden in die »Zentrale Schau« versetzte. „In dieser Wonne", so sagte er, „hätte nicht viel gefehlt und meine Seele wäre aus dem Leib gefahren, bis ich glaubte, die ganze Welt sei lauter Paradies und voll heiligen Geistes.“
Er eilte nach Hause und als er sich auf einen Stuhl setzten wollte, wurde er, trunken vor Seligkeit, in die Höhe gehoben (Levitation).
Mehrfach in seinem Leben erfuhr er nun wunderbare Ekstasen.

Er führte nun ein asketisches, um Heiligung ringendes Leben.
Im 22. Lebensjahr wiederholte sich die Erfahrung. Nur hielt diesmal seine Erleuchtung nicht bloß drei Stunden, sondern sieben Wochen lang an.



„Dass ich wahrhaftig und hell erleuchtet worden bin muss ich bekennen.

Ab 1780 entfaltete er ein gesegnetes Wirken innerhalb der pietistischen Kreise.
Das, was er lehrte, bezeichnete er als Theosophie.

»Theosophie, Gottesweisheit, ist diejenige christliche Wahrheitserkenntnis, die vor allem dem tiefsten Ursprung und letzten Ziel aller Dinge nachforscht. Sie erkennt, dass die ganze sichtbare und unsichtbare Weltschöpfung aus einem gemeinsamen Grundstoff hervorgegangen ist, den auch die Heilige Schrift andeutet und überall voraussetzt, wo es statt „Nichts“ wörtlich das „nicht Sichtbare“ heißt.
Dieses ursprüngliche Reinelement ist aber nichts anderes als der Ausfluss (Emanation) des göttlichen Herrlichkeitswesens oder der geistleiblichen Lichtsnatur Gottes, auch göttliche Leiblichkeit genannt. Der Theosoph erkennt also einen tiefen Wesenszusammenhang zwischen Gott und der geschaffenen Welt und erblickt in der Erhöhung des irdisch Körperlichen zur Geistleiblichkeit das Ziel der Wege Gottes. Dabei tritt er in seinem Erkennen manchmal über die Grenze der in der Heiligen Schrift klar ausgesprochenen und unmittelbar dargeboten Wahrheiten hinaus, gerät aber nie in Widerspruch mit denselben. Während der Theologe sein Forschen auf den im Schriftwort deutlich zutage tretenden Gedankenkreis beschränkt, treibt es den Theosophen, in die Tiefe zu steigen und „das in der Schrift nicht entwickelte“, aber vorausgesetzte und darum dort auch angedeutete System göttlicher Grundgedanken zu suchen.
Zu dieser Erkenntnis gelangen die Theosophen entweder - und das ist die höhere Form derselben - durch unmittelbare, göttliche Erleuchtung, durch inneres Schauen im Gemüt, wie z. B. bei Jakob Böhme und Michael Hahn, oder durch ein unter steter Anleitung des Heiligen Geistes geübtes, immer tieferes schlussmäßiges Eindringen in die Grundbegriffe der Heiligen Schrift, wie z. B. Oetinger.„ (aus dem Nachwort zu seinen Schriften)

Von der sagt er: „Ich sah in die innerste Geburt und allen Dingen ins Herz und mir war, als wäre auf einmal die Erde zum Himmel geworden, und als ob ich die »Allenthalbenheit« (allumfassende Gegenwart) Gottes schaute. Mein Herz war gleich der ausgedehnten Ewigkeit, darin sich Gott offenbart.“
In jener Schau seien die innersten Sinne erwacht und alle möglichen Fragen von Gott, von Christus, vom Geiste Gottes, nämlich wie, wo und was der dreieinige Gott sei, und wie alles von ihm komme, in ihm bestehe und durch ihn wiedergebracht werde, auf einmal beantwortet worden. Er bekennt: „Das göttliche „zentralische“ Licht ging von derselben Zeit in meiner Seele nicht mehr unter.“

Er bezeichnet sein Wissen als „ eine unmittelbare Erkenntnis, die nicht auf direktem Weg, wie Hören und Lesen des Wortes, durch ständiges Denken und Schlüsse machen, sondern auch auf dem direkten Weg des inneren Schauens, durch sogenannte Intuition gefunden wird“. Dabei seien seine sämtlichen Kräfte konzentriert, in Eins zusammengefasst und, gleichsam in einem einzigen Brennpunkt sammelt.

In seiner Lehre vertritt Hahn die Auffassung - in Übereinstimmung mit der apostolischen Lehre-, dass das Ziel des Glaubens die völlige Heiligung ist.
Deshalb sind weder Gläubige noch Ungläubige nach dem Tod in der ewigen Herrlichkeit oder der ewigen Verdammnis.


Außergewöhnliche Fähigkeiten

Hahns hellseherische Befähigung erstreckte sich aber nicht nur auf die himmlischen Dinge, sondern auch auf das Irdische und Banale.

Ein Auswanderer nach Amerika besuchte Hahn bei einem Aufenthalt in Deutschland. Er meinte, Hahn solle ihn nun auch einmal in Amerika besuchen. Worauf der erwiderte, dass er im Geist bereits dort gewesen sei.
Nun schilderte ihm genau das Aussehen seines Hauses und die Umgebung, auch die Einrichtung seiner Wohnung mit ihren Zimmern, Öfen und Möbeln. Auch sagte er ihm, welche Personen in welchen Zimmern schliefen.
Doch darin erschöpften sich Hahns Fähigkeiten noch nicht.
Einmal heilte er ein todkrankes Mädchen, das eigentlich bereits schon tot war, durch sein inniges Gebet.

Auch die Natur schien ihm gelegentlich zu gehorchen:
Einmal versammelte er sich mit vielen Zuhörern in einem Tannenwald. In den Bäumen wehte ein starker Wind, so dass man sein eigenes Wort nicht hören konnte. Hahn, der noch aufrecht stand, hob seine rechte Hand auf, richtete seinen Zeigefinger empor und rief laut: „ > O <> Diese Worte waren so vermögend, dass man sogleich kein Lüftchen mehr wehen hörte, so dass alle Anwesenden sehr vergnügt wurden. Anschließend redete Hahn über 1. Korinther 13 und redete gewaltig und nicht nur wie ein Schriftgelehrter.
Ein anderes Mal schickte er ein aufziehendes Gewitter, das bereits mit Hagelschloßen an die Fensterscheiben prasselte, mit den Worten: " Dort drüben in dem großen Wald kannst du deine Rache ausüben, bei uns aber nicht " . Wirklich verzog sich das Wetter gegen den Wald hin, sich dermaßen entladend, dass dieser selbst übel zugerichtet dastand. Hahn vertrieb durch sein Machtwort auch Maikäfer von den Obstbäumen und verjagte Maulwürfe aus den Gärten der Gläubigen