Mittwoch, 15. Juli 2015
Die Reformation beginnt...
Sonntag, 20. April 2014
Wie man "Christ" sein kann, und sich dennoch Gott vom Leibe hält....
Der Weg des Glaubens führt nach Innen
Sonntag, 2. Februar 2014
Die Reformation geht weiter
Ich freue mich, dass das auch z.T. erkannt wird. So schrieb Rick Joyner "Das Paradies muß in der Gegenwart gefunden werden, denn es ist kein futuristischer Traum, sondern eine Realität."
Es geht auch nicht darum, dass man das, was kommen muss, als Erweckung oder Reformation, oder ganz anders bezeichnet. Es ist jedenfalls eine Sehnsucht nach vertiefter Gotteserfahrung da, und das ist gut so. Gleichfalls wird richtig erkannt, dass diese nur möglich ist, wenn sich von eingefahrenen Traditionen und Vorstellungen gelöst wird. So sagte Peter Wenz, Pastor der Biblischen Glaubensgemeinde Stuttgart:
„Im Rahmen der Erweckung ist es nötig, sich von kraftlosen Traditionen und falschen religiösen Gewohnheiten zu lösen. Die Einheit des Volkes Gottes geschieht auf der Grundlage der Erkenntnis der Wahrheit des Wortes Gottes."
Die hier gemeinte „Erkenntnis der Wahrheit des Wortes Gottes“ darf aber nicht missverstanden werden, als sei damit ein bloßer Glaube an die Bibel gemeint.
So sagt wiederum Joyner: Glaube ist jedoch mehr als nur Formeln und Prinzipien. Oftmals haben wir den Glauben an Gott ersetzt durch die Übernahme von Überzeugungen und Glaubensmeinungen anderer." Sondern, "Wie David durch Ablehnung, Demütigung und Leiden auf seine Berufung und Autorität vorbereitet wurde, so werden die Wahrheiten Gottes in denen geläutert, die sie annehmen und daran festhalten., obwohl sie im Feuer geprüft werden."
Das, was zum Niedergang führte, kann nicht zum Aufstieg führen. So führt der immer mehr zu beobachtende Rückzug auf die Bibel, der alles andere ignoriert, weder zum gesuchten Heil in Jesus, noch zu einer wirklichen Evangelisation und Mission. Dabei sind gerade Vertreter dieser Fraktion evangelistisch und missionarisch besonders aktiv.
Mit Recht sagt deshalb Joyner: "Es gibt ein Evangelium, eine Kirche, einen Dienst und eine Religion, die sich selbst als christlich bezeichnen, uns aber dazu bringt, daß wir uns in einem geistlichen Zustand der Verlorenheit sicher fühlen." Dem Wirken Gottes stehen in unserer Zeit besonders die kirchlichen Traditionen im Wege. Gott will stets Neues schaffen. Aber dem steht man eben misstrauisch gegenüber. Man macht die Tradition und die Bibel zu einem Götzen. "Die Kirche, der Dienst, geistliche Wahrheiten oder sogar die Bibel können zu Götzen werden, wenn sie in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit rücken." (Joyner).
Was wir brauchen, ist ein tiefes Eindringen in die Wahrheit, nämlich in die, die Schöpfung und Bibel zu Grunde liegen. Berthold Becker von „Fürbitte für Deutschland“ sagte: „Gott will den Fluch, der durch die liberale Theologie kam, umkehren und in Deutschland eine neue Qualität von geisterfüllten Bibellehrern und Theologen hervorbringen, die durch die Tiefe ihrer Erkenntnis den Leib aufbauen und entscheidend auf die Wiederkunft des Herrn vorbereiten sollen. Die Lehre wird uns von allem kleinkarierten, gesetzlichen Denken freisetzen und die Dimensionen de Reiches Gottes und der Gemeinde in einer bisher nicht dagewesenen Art und Weise aufschließen."
Diejenigen, die sich berufen fühlen, dem Volk Gottes zu dienen, finden hier ein Grundsatzpapier:„Theologisieren heute“. Zum Schluß nochmals Joyner: “ Bis heute wurde jeder Aufbruch, der die Wiederherstellung zum Ziel hatte, letztlich doch wieder auf die bloße Betonung von Form und Doktrinen reduziert. Der apostolische Glaube jedoch wird das Leben selbst, Jesus, zum Schwerpunkt haben."
Damit keine Missverständnisse entstehen: Auch wenn der Autor hier bestimmte Persönlichkeiten zitierte, ist daraus nicht die Schlussfolgerung zu ziehen, dass er mit allem konform gehr, was von diesen der Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde. Gerade gegen die „Visionen“ Joyners, die er in einigen seiner Bücher erwähnt, bestehen erhebliche Einwände. Da ist vieles noch ungeläutert. Richtiges mit Falschem vermischt. Deshalb gilt auch hier die Devise, das Gute behaltet!
Bonhoeffer musste mit seiner Rede von verwandelnden Übungen bei Null anfangen – auch gegenüber den Theologen, die er ausbilden wollte. „Was ´Meditation´ ist, versteht keiner mehr.“ So schrieb er Bücher über evangelisches klosterähnliches Leben („Gemeinsames Leben“), wie man Psalmen betet („Das Gebetbuch der Bibel“) und wie man meditierend die Bibel liest. Er gründete eine eigene Theologenkommunität, die von den Nazis aufgelöst wurde, und er lebte täglich bis zur Hinrichtung mit geistlichen Übungen.
Da Bonhoeffer jedoch restaurativ verfuhr und nicht mit der religiösen Szene der 1920er Jahre ins Gespräch kam, blieb seinen Impulsen nach dem Zweiten Weltkrieg wenig mehr Erfolg beschieden als dem evangelischen Querdenker Wilhelm Löhe. "
Sie selbst ist Teil der Erneuerungsbewegung. In ihrem Buch "Mystik und mentales Coaching" schreibt sie:
„Das Christentum ist nicht so banal. wie es zurzeit im Westen vermarktet wird. Es ist mehr als ein Humanistenclub. Es zielt seit seinen Anfängen auf die Erleuchtung und die Vereinigungserfahrung mit der letzten Wirklichkeit. Sie müssen nicht die Religion wechseln, um diese Erfahrungen zu machen. Die großen Abwanderungsbewegungen in andere Religionen sind die Antwort auf die Verniedlichung und Banalisierung des Christentums, denn ‚Die unendliche menschliche Seele kann niemals Erfüllung finden, außer durch das Unendliche selbst.
Das Christentum ist keine Lehre. sondern in erster Linie eine Lebenspraxis, die auf die Vereinigung des Menschen mit Gott zielt. Erst von diesem Zielpunkt aus lassen sich die heiligen Texte und die mystische Theologie in ihrer Tiefe verstehen. Die Theologie hat eine Philosophie daraus gemacht. Antike Philosophien hingegen waren noch mit einer bestimmten Lebenspraxis verbunden, häufig mit Übungen wie Fasten und Schweigen, die die Selbsterkenntnis unterstützten. Erst aus der rechten Lebenspraxis folgen richtige Erkenntnisse. Stellen Sie sich eine Tai-Chi-‚ eine Zen- oder eine Yoga-Stunde vor, die nur aus Anpredigen besteht. Wie absurd!
Doch dieselben Zustände im westlichen Christentum fallen kaum noch jemandem als absurd auf. Als Vivekananda um 1900 als der erste Yogi in die USA kam. traf er auf Christen, die ihr Christsein als Belehrtwerden verstanden. Das genügte ihnen. Sie begriffen nicht, was Vivekananda von ihnen wollte, als er darauf bestand: ‚Praxis ist absolut notwendig. Ihr könnt Euch hinsetzen und mir jeden Tag stundenlang zuhören, aber wenn ihr nicht übt, werdet ihr keinen Schritt weiterkommen. Es hängt alles von der Praxis ab. Wir verstehen diese Dinge niemals, bis wir sie erfahren.“
"‚Lehre‘ muss wieder die Urgestalt annehmen: Jemand, der Gott erfahren hat, führt andere Mensehen zu spirituellen Erfahrungen hin - durch Einweihungsrituale und durch individuelle Übungen die der Einweihung’ dienen."
"Die Reformation ist kein historisches Datum. auf dem man sich ausruhen könnte. Sie geht weiter. Die Übungen in diesem Buch setzen auf eine neue Reformation durch eine lebendige Mystik. Es geht um eine Mystik, die mitten im urbanen Kontext eingeübt werden kann. Was nützt das evangelische Dogma vom ‚allgemeinen Priestertum"‚ wenn die „allgemeinen Priester‘ Gott nicht mehr spüren?
Je ferner Gott ist. desto wichtiger wird der Streit über Kleinigkeiten - über Begriffe, über Dogmen, über Machtsphären. Je näher Gott kommt, desto undogmatischer wird eine Religion. Jeder begreift, dass er seine Erfahrungen in diese‚ aber ebenso in jene Worte hüllen könnte - und dass keines dieser Worte die Erfahrung fassen kann.
Aus einer lebendigen Mystik wird ein undogmatisches Christentum geboren. bei dem jeder seine Erfahrungen in eigene Worte fassen kann. Es wird eine Netzwerk-Kirche entstehen. die sich quer zu den konfessionellen Grenzen organisiert. Sie öffnet sich aus der Mitte der Gotteserfahrung heraus für den Austausch mit anderen..."
Donnerstag, 27. September 2012
Der Praxistest: Welche Religion, welcher Glaube ist der richtige?
Die Bibel sagt uns, dass ein jeder Mensch nach seinen Werken gerichtet wird - auch wir Christen. Menschen werden also, mit anderen Worten, nach dem gerichtet, was ihr Unglaube oder ihr Glaube aus ihnen gemacht hat ! Wie wenige Christen begreifen das!
Für das praktische Leben, auf das es also allein ankommt, gibt es gar nicht viele Lebensmöglichkeiten. Genau genommen nur zwei. Jesus nennt sie, den breiten und den schmalen Weg. Der breite Weg ist der Weg, der ins Verderben führt und der schmale allein führt ins Leben (Matth. 7,13-16). Es wird uns in diesen Versen auch schon gesagt, welcher Weg der populäre ist.
Wer sich gehen lässt, ist garantiert auf dem breiten Weg. Es ist das der Weg des geringsten Widerstandes, das Beharren "im alten Adam", in äußeren Begierden und Lüsten - während eben der schmale Weg das ganze Gegenteil davon ist. Es ist der Weg des Überwindens der Begierden und Lüste, das Ausstrecken nach der Freude im Ewigen.
Diese zwei Wege waren seit jeher bekannt. Im Yoga, im Buddhismus - als den schon vor Christus bekannten Wegen - geht es, wie im echten christlichen Glauben, um die Überwindung des "Fleisches", der Begierden und Lüste, den Abhängigkeiten von der äußeren Welt. Deshalb konnte bereits der Kirchenvater Augustinus schreiben: "Was man gegenwärtig die christliche Religion nennt, bestand schon bei den Alten und fehlte nicht in den Anfängen des Menschengeschlechtes und als Christus im Fleische erschien, erhielt die wahre Religion, die schon vorher vorhanden war, den Namen der christlichen." (Retractiones)
Viele Philosophen lehr(t)en die gleiche Wahrheit, nämlich die Überwindung der Verstrickungen in das Sinnliche/Äußere.Durch ihre klare Praxis dürften die Yogis und durch ihre klare Lehre die Buddhisten den Christen einiges auf dem schmalen Weg voraus haben. Weshalb dann also noch Christus? - Jesus ist als Vorbild für alle Menschen ( Röm. 8, 29 "Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.") den schmalen Weg bis zu Ende gegangen. Er ist der erste, der ihn vollendet hat.
Er allein hat bisher völlig die Abhängigkeit vom Äußeren, die Materie überwunden. Yogis sind schon weit gekommen. Es gibt solche, die können ohne Nahrung leben, sich innerlich so erwärmen, dass ihnen nackt die Kälte des Himalaya nichts anhaben kann - ja sogar der Schnee in ihrem Umkreis schmilzt...
Es kommt also nicht darauf an, welcher Name ein Gott hat, welchen Glauben man hat, welche Lehre, sondern einzig und allein darauf, welcher Gott, welche Glaube, welche Lehre uns am besten befähigt, das "Fleisch" zu überwinden und ein Leben in ewiger Glückseligkeit zu führen.
Buddha erreichte die Unabhängigkeit vom alten Adam und erlebte deshalb die ewige Glückseligkeit der Befreiung, von ihm Nirvana genannt. Yogis nennen das Leben in der Befreiung Moksha.
Wenn Jesus also sagte: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater (dem Ewigen), denn durch mich" (Joh. 14,6) , sagte er dies nicht im Gegensatz zu den hier genannten Wegen, sondern im Gegensatz zu den Pharisäern, die auf ganz anderes Wert legten und von denen er sich abgrenzen musste. Er sagte es als Vollender des schmalen Weges!
P.S. Interessant auch die Position der Katholischen Kirche dazu: Nostra aetate
Mittwoch, 1. August 2012
Luther und die Mystik
Sonntag, 22. Januar 2012
Seht die Lilien...
Das Paradies vermisst der Mensch. Seitdem ist er auf der Suche. Anscheinend ist ihm die Rückkehr verbaut. Aber ist das jetzt immer noch so?
Im Paradies musste der Mensch nicht für sich sorgen. Er lebte sorglos. Das hatte sich geändert. Der Mensch wurde den Naturmächten unterworfen. Seitdem ist alles Mühe und Arbeit. Mühe und Arbeit sind Sorge um den Selbsterhalt. Solange also Mühe und Arbeit anhalten, gibt es kein Paradies mehr für die Menschen.
Jesus aber sagte, dass wir nicht länger lediglich den Naturmächten unterworfen sein müssen, sondern dem Ewigen vertrauen können. Durch dieses Vertrauen ist eine Rückkehr ins Paradies, d.h. in die Sorglosigkeit, die Unbekümmertheit, dem Spiel – im Gegensatz zum Ernst – des Lebens möglich. Wir können werden wie die Kinder. Notwendig ist nur Eines: Vertrauen. Das aber ist das, was uns am schwersten fällt... Vielleicht deshalb, weil wir so sehr mit dem Sorgen um irdische Dinge beschäftigt sind, anstatt in der Gegenwart Gottes, in der Meditation und Kontemplation zu verweilen?
Im Kontext, dass wir nicht Schätze sammeln sollen, die vergänglich sind (Matth. 6,19; Luk. 12,16-21) spricht Jesus (Matth. 6,25) „ Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet.“ - Also genau darum, worum sich das Leben aller Menschen dreht, soll sich unser Leben nicht drehen! (Luk 12,29 " Darum auch ihr, fragt nicht danach, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und macht euch keine Unruhe. (30) Nach dem allen trachten die Heiden in der Welt; aber euer Vater weiß, dass ihr dessen bedürft.")
Wir müssen bedenken, dass diese Worte nicht in einer Wohlstandsgesellschaft gesprochen wurden, sondern in eine, wo Menschen sicher oft Mangel litten! Er begründet seine Aufforderung damit, dass ein Leben der Sorge, der Mühe und Arbeit kein wirkliches Leben ist. Klar, wie oft stöhnen wir unter dem Leben? : „ Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?"
Matth. 6, 26: „ Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?“ Vielleicht haben wir hier einen weiteren Zweifel? Sorgt Gott wirklich für die Vögel? Sind sie nicht dauernd auf Nahrungssuche? Sterben sie nicht auch? Tiere leben einfach ihr Inneres. Sie sind stets spontan. In diesem Sinne kennen sie kein Sorgen, keine untergründige Unruhe. Nichts, was sie zwingt. Vertrauen in Gott ist auch unser tiefstes Inneres zu leben...
Nicht nur das Grübeln, wie bekomme ich etwas zu essen, wie etwas anzuziehen, wie die nächste Miete, bringt nichts, sonder auch, dass wir für das Erlangen dieser Güter so viel Zeit und Kraft aufwenden: „Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?“ (27) Eher verkürzen wir dadurch unser Leben, da es uns die Lebensfreude nimmt bzw. diese gar nicht recht aufkommen lässt.
Als ein weiteres Beispiel zieht Jesus die Lilien heran: „Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. (28) Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. (29) Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? (30)“
Wie wachsen denn die Lilien? - Sie ziehen einfach alles aus der Luft und dem Boden an, was sie zu ihrem Wachstum brauchen. Auch hier ist alles ein ganz natürliches Geschehen, dass keine Anstrengung kostet. Ein solches anstrengungsloses Leben steht auch uns in Aussicht, wenn wir nur vertrauen könnten. Ein Leben, nicht in Mühe, sondern in Herrlichkeit! Ein herrliches Leben! Ein Leben ohne Arbeit!
Da werden nun gleich wieder einige kommen und den Paulusvers zitieren: „Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen." (2. Thess. 3,10). Hier handelt es sich aber um Menschen, die „unnütze Dinge treiben“ (3,11), denen diese Ermahnung gilt. Es sind also noch im Vertrauen ungefestigte Menschen, die erst zur Gemeinde hinzugekommen sind und nicht wissen was sie anstellen sollen. Ein Luftikus zu sein ist etwas anderes als wirkliches Vertrauen zu haben, dass Gott für einen in jeder Hinsicht sorgt. Bitten wir darum, dass unser Vertrauen wächst!
Denn genau in diesem Zusammenhang sprach auch Jesus davon, dass wir nicht zwei Herren dienen können. Wir können nicht gleichzeitig Gott vertrauen und uns Sorgen machen oder uns Sorgen machen und Gott vertrauen. Beides schließt sich aus (Matth. 6,24).
Wir sehen, Gott geht es nicht um ein jenseitiges Leben, sondern ein Leben im Hier und Jetzt, das immer mehr von Gottvertrauen geprägt sein soll. Ein solches Gottvertrauen hält aber der für überflüssig, der meint sowieso durch Gnade nach dem Tod in den Himmel zu kommen. Eine Überwindung der Abhängigkeiten von der Welt hält er deshalb nicht für nötig.
Für die (angebliche) Richtigkeit dieser These wird gern der Verbrecher am Kreuz zitiert, zu dem Jesus sprach „ Heute wirst Du mit mir im Paradies sein.“ (Luk. 23,43). Was ist aber darunter zu verstehen? Der Verbrecher war zu der Einsicht gekommen, dass er zu recht, aber Jesus zu unrecht verurteilt worden war. Beider Erdenleben war nun zu Ende. Also gingen Beide in die gottverbundene Welt ein. In die Welt, wo andere Gesetzmäßigkeiten herrschen als hier im Erdenleben. Das war im Paradies damals der Fall. Jesus wollte dem Verbrecher Hoffnung geben, ihm die Angst nehmen, denn Jesus war gekommen den Sünder zu retten, den Weg zum Leben zu weisen. Aber das heißt nicht, dass der Verbrecher den Weg bereits beschritten hätte oder gar zum Ziel gekommen wäre. Auch er muss erst, wie wir alle, geläutert, d.h. von den Anhänglichkeiten ans Irdische, von den Trieben und Begierden befreit werden. Das alles lag noch vor ihm! Denn „wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind's, die ihn finden!" (Matth. 7,14)
Montag, 24. Oktober 2011
Ein abenteuerliches Leben?
"Reich" zu sein, ist natürlich eine Verhältnissache. Es ist durchaus möglich, dass ein Langzeitarbeitsloser reicher als dieser Jüngling ist. Denn der entscheidende Punkt ist nicht das verschwenderische Prassen, sondern die Sicherheit, die Reichtum im Leben verleiht. Man kommt nicht in Existenznot. Muss sich nicht auf Gott verlassen.
Dadurch aber verlieren wir auch nicht - durch zu lernendes Gottvertrauen - die bestehende Existensangst!
Das Reich Gottes aber besteht ja gerade darin, dass der Mensch das umfassende Gottvertrauen gelernt hat, so dass er nichts mehr fürchtet.
Wir aber sind abgesichert in jeder Hinsicht. Gegen Krankheit, gegen Verlust usw.
So ist unser Leben ereignisarm und steril. Innerlich sind wir tot.
Ich denke, dass jeder Vers 27 ( "Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich." ) missversteht, wenn er ihn so interpretiert als ermögliche Gott nach dem Tod, aus reiner Barmherzigkeit, auch einem Reichen den Zugang ins Reich Gottes. Nein, dass kann nur heißen, wenn Du aus dem Ewigen lebst, wirst Du auch eines Tages diesen Schritt in die völlige Abhängigkeit von Gott tun können!
Mit einem Leben nach dem Tod hat das Evangelium nichts zu tun, sondern nur mit der Überwindung des Todes, der eben im Misstrauen gegenüber Gott, in der Existenzangst besteht.
Anlass für diesen Beitrag war ein Satz, den ich heute morgen in einer Buchbesprechung las:
" Die bedauernswert niedrige Abenteuer - Frequenz in den Leben der meisten Menschen lässt sich unter Umständen damit erklären, dass die Welt - immer wenn es gerade spannend wird eine Entscheidung fordert: entweder Geborgenheit oder Gefahr!" (M. Keller)
Echtes christliches Leben ist abenteuerliches Leben, da es sich den Gefahren stellt und so die wahre, ewige Geborgenheit erlangt.