Montag, 6. September 2010

Was sind Dämonen?

In der vorrationalen Welt war der Glaube an Dämonen bei allen Völkern allgegenwärtig. Das ist er auch heute noch in Stammesgesellschaften. Generell bezeichnete man damit Mächte, die (anscheinend) stärker waren als das, was der Mensch alltäglich erlebte. Immer mehr aber wurde die Bezeichnung“Dämon” jenen Mächten zugelegt, die der Mensch für sich als hinderlich und quälend empfand. So gab und gibt es bsw. Krankheitsdämonen, weil man ja nicht krank sein wollte und doch krank wurde.
In einem solchen, vom Dämonenglauben bestimmten Umfeld, wirkte Jesus.
Bei der Befreiung des Gardareners zeigt sich ganz deutlich, dass er von rasenden Dämonen geplagt wurde, die darum baten in eine Schweineherde fahren zu dürfen. Sie waren also auf das Sinnlich - Materielle gerichtet. Aber ihre Raserei brachte es mit sich, dass sie sogleich das was sie wünschten - nämlich in den Schweinen bleiben zu dürfen - zerstörten. Sie stürzten die Schweine von der Klippe und verloren so ihren Wirt, um den sie eben noch bettelten.

Das zeigt, dass in ihnen keinerlei Vernunft ist, und es sich keinesfalls um intelligente, raffinierte Wesen handelt, wie es heute von simpel gestrickten Christen verstanden wird.

Ganz klar zeigt das Beispiel des Gardareners, dass es sich bei seinen Dämonen um miteinander nicht zu vereinbarende und deshalb sich gegenseitig bekämpfende Teilaspekte seiner Persönlichkeit handelten. Er war ein innerlich zerrissener und deshalb so unsäglich gequälter Mensch. Die Befreiung bestand darin, dass Jesus diese Teilaspekte gänzlich von ihm trennte.

Wenn es Dämonen jemals gab, muss es sie auch heute noch geben. Und wenn man der Sache nachgeht, sieht man auch, dass es “sie” gibt. Nur bezeichnen wir sie nicht mehr mit einem volkstümlichen Begriff, sondern können heute mehr und mehr verstehen, was sie eigentlich sind: Dissoziationen der menschlichen Psyche. Durch das Verständnis ist auch ein anderer Umgang mit “ihnen” möglich.
Ein weiterer Aspekt ist das Einwirken Verstorbener auf desolate Seelen, wie es u.a. bei der Gottliebin Dittus der Fall war.


"Dämonen heute"

Die heutigen Seelsorgefälle, wo man meint Dämonen als intelligente, raffinierte, selbstständige Wesen feststellen zu können, unterschieden sich gravierend von den Fällen in der Bibel. Die biblischen “Dämonen” lästerten nicht Gott, während man heute gerade da von Dämonen spricht, wo Gott gelästert und unflätig beschimpft wird oder man nicht beten kann. In der katholischen Kirche kommt noch hinzu, dass sie kein Weihwasser vertragen und anderes, was nur aus dem katholischen Glaubensverständnis abzuleiten ist.
Das zeigt wiederum ganz klar, dass wir es hier mit Menschen zu tun haben, die einstmals eine Abneigung gegen das Christliche oder spezifisch Katholische entwickelt haben, oder meinten irgendwelche religiösen Forderungen erfüllen zu müssen, denen sie innerlich nicht nachkommen wollten. Dadurch kommt es zu religiös motivierten Dissoziationen Auch spielt die Angst vor der ewigen Verdammnis bei vielen Dissoziationen eine herausragende Rolle.

Fazit, das was früher als Dämonen bezeichnet wurden, kennt man auch heute noch, aber es ist nicht das, was der unwissende Christ darunter versteht.

Freitag, 16. Juli 2010

Vom Glauben zum Schauen


Für die meisten Gläubigen sind Gott und die unsichtbaren Welten, einschließlich ihrer Wesen etwas “Verborgenes” (lat. “okkultes“), und so soll es auch nach Meinung vieler bleiben. Sie wollen nichts davon wissen. Entsprechend sieht dann natürlich die Bibelauslegung aus. Rein willkürlich, da man keine übersinnlichen Erkenntnisse, keine Einsichten in Zusammenhänge hat.
Dabei sollte doch der Glaube als übersinnliches Wahrnehmungsorgan dienen: “Durch den Glauben nehmen wir wahr, dass die Welten durch Gottes Wort geschaffen sind.” (Hebr. 11,3). Durch ihn wird unser Sinn und damit unser Wahrnehmungsvermögen auf das Übersinnliche gerichtet. “Trachtet nach dem, was droben ist.” (Kol. 3,2), werden wir ermahnt. Die Ausrichtung nach “oben” genügt aber noch nicht, um wirklich etwas wahrzunehmen. Deshalb heißt es “Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.” (Mt. 5,8). Um ein reines Herz zu bekommen ist Heiligung nötig. Wiederum heißt es deshalb “Ohne Heiligung wird niemand den Herrn schauen.”
Ein reines Herz kann man mit einem Spiegel vergleichen. In einem Spiegel ist nichts eigenes, sondern er gibt nur wieder, was sich in ihm spiegelt. Wenn in uns Emotionen sind, wie Wut, Hass, Ärger, Zorn, Angst, Furcht so ist das, wie wenn der Spiegel blinde Flecken hätte, oder wie wenn Wolken vor den Himmel ziehen.
Aber auch Vorurteile binden unseren Geist, so dass er nicht die Wahrheit erkennen kann. Deshalb sollten wir uns um Objektivität bemühen. Alles so da sein lassen, wie es ist. Das fällt uns oft nicht leicht. Wir Menschen haben ein Interesse daran, die Wirklichkeit zu entstellen, d.h. sie anders wahrnehmen zu wollen, als sie wirklich ist. Wir meinen nämlich oft, die Wahrheit nicht ertragen zu können. So lügen wir uns lieber etwas vor.
Furchtlos der Wahrheit ins Antlitz zu schauen lernt aber der, der weiß, dass er ein ewiges Wesen ist und ihn nichts und niemand vernichten kann.

“Unser Wandel ist im Himmel” (Phil.3,20). Also sollten wir uns da ein bisschen auskennen. Unser ewiges Ich ist immer in der unsichtbaren Welt. Es hat nur seine Wahrnehmung auf das Sinnlich-Sichtbare gerichtet und deshalb meinen wir Menschen, wir lebten ausschließlich hier auf Erden. Das ist aber ein Trugschluss. Deshalb müssen und sollen wir nicht warten, bis uns alles nach dem Tod, wie einige meinen, offenbar wird (wenn wir unser übersinnliches Erkenntnisvermögen nicht hier entwickeln, werden wir da auch nicht viel wahrnehmen), sondern hier und jetzt soll es geschehen.
Die Nahtoderlebnisse und die weitere Entwicklung derer, die nicht zurückkommen kann prinzipiell jeder von hier aus verfolgen. Ganz einfach weil wir uns selbst schon in diesen Welten aufhalten.
Dazu muss man natürlich nicht Christ sein. Das kann jeder Mensch, der sich um Reinheit bemüht, der nicht irdisch gesinnt ist.
Solche Menschen gab es schon immer. Sie wurden “Menschensöhne” (Eph. 3,5) genannt. Nur das Geheimnis der Auferstehung konnten sie noch nicht erkennen.
Ein solcher Menschen begegnet uns in der Frühzeit des Christentums. Er schrieb in einem Brief “Könnte ich euch etwa nicht auch Himmlisches schreiben? Ich fürchte nur, dass ich euch Unmündigen Schaden zufüge (…) auf dass ihr unfähig es zu fassen, (nicht) erstickt. Bin doch selbst ich, ob ich auch (…) die himmlischen Dinge und die Rangordnungen der Engel und der Fürstentümer , Versammlungen, Sichtbares und Unsichtbares wohl verstehen kann, um deswillen noch kein Jünger.” (Ignatius an die Trallianer 5, 1-2).
Wie weit sind wir doch von den Erwartungen, die Jesus und die Apostel an die Jünger Jesu hatten, entfernt. Schon damals rügte Jesus, dass die Menschen so blind waren: “Wenn ihr eine Wolke von Westen aufsteigen seht, sagt ihr alsbald, es gibt Regen. (…) Heuchler! Das Angesicht der Erde und des Himmels wisst ihr zu beurteilen; wie aber kommt es, dass ihr diese Zeit nicht beurteilen könnt?” (Luk. 12, 56). Was würde Jesus heute sagen, wo wir davon reden, dass in Christus alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis seien (Kol. 2,2), wir aber jede Offenbarung solcher Schätze als “über die Bibel” hinausgehend, also als unbiblisch ablehnen? Sind wir nicht da noch größere Heuchler?
Dazu gäbe es noch viel zu sagen.

Montag, 5. Juli 2010

Wie Glaube funktioniert

I.
1) Der Mensch ist unfrei. Er ist ein Gebundener in Finsternis (Jes. 61,1;Wsh. 17,2; Jph. 12,46; Eph. 5,8; Jo. 8,32 u.v.m.) Er wird ausschließlich vom Lustunlustprinzip bestimmt. Seine Vorstellungen bestimmen den Inhalt seiner Lust und Unlust.

2) Aus diesem Grund kann kein Mensch von sich aus zu Jesus kommen und ihn als Retter annehmen.
Das ist nur möglich, wenn ihn der Vater zieht (Jo. 6,44).
Wie zieht der Vater einen Menschen zu Jesus?
Indem der Menschen durch seine Lebensumstände verschiedene Erfahrungen macht, die ihn schließlich befähigen davon überzeugt zu werden, dass Jesus die Lösung seiner Probleme ist (Prinzip: “Bekehre Du mich, so will ich mich bekehren.” Jer. 31,18). Die Entscheidung für Ihn (übergabe des Lebens, Sich-bestimmen - lassen von seinem Wort) erfolgt dann, wenn das Erlösungsbedürfnis größer ist als alles das, wovon man meint in der Nachfolge verzichten zu müssen, was einem aber noch Lust bereitet.

3) Welche Aufgabe haben wir Christen?
Kurz gesagt, den Menschen die rechten Vorstellungen zu vermitteln. Dies geschieht durch die Verkündigung der Wahrheit (Apg. 17,4; 28,24), durch das Weitersagen von Erfahrungen, durch entsprechende Zeichen und den eigenen Lebenswandel.
Je nach den Vorstellungen, die der einzelne Mensch besitzt (s. I,2), wird ihm dies oder jenes glaubhaft oder auch nicht vorkommen. Er wird also von diesem oder jenem überzeugt werden.
Auch derjenige, der sich bereits für Christus entschieden hat, wird in der Praxis auch nicht allesglauben, möglicherweise aber alles, was in der Bibel gesagt wird, für “wahr” halten, aus dem gleichen Grund.
Die entsprechenden Vorstellungen bestimmen also das Maß des Glaubens (Rö. 12,3). Jeder hat damit zunächst einen beschränkten Glauben, der aber durch die entsprechenden Vorstellungen, die nun auch durch die eigenen Erfahrungen mit Christus gemacht werden, wächst (2.Ko. 10,15; 2.Th. 1,3)
Reden und Handeln über das Maß unseres Glaubens wirkt nicht überzeugend, sondern unglaubhaft. Handeln führt zu Misserfolg.

4) Da der Weg des Glaubens ein Einweihungsweg ist (Hebr. 10,20), d.h. die Erfahrungen, Erkenntnisse und Fähigkeiten nur von dem erworben werden kann, der diesen weg geht, kann der Glaubende nicht von Außenstehenden verstanden oder beurteilt werden (1. Ko. 2,15), während der Geistesmensch prinzipiell alles beurteilen kann (1.Ko. 2,15).
Deshalb kann er auch - je nach seiner Einsicht - das “Warum?” der Menschen beantworten.Eine große Aufgabe liegt darin, von der durch den Glaubengewonnenen Erkenntnis der Wahrheit aus, alle naturwissenschaftlichen Gebiete zu ordnen und die entspr. Naturwissenschaftlichen Theorien zu korrigieren, d.h. dem Menschen ein wahres Weltbild zu geben.

II.
1) Alles strebt nach Ruhe, Ausgewogenheit, Ausgeglichenheit.
Materie, wenn sie nicht von Außen bewegt wird, ruht immer (Stein). Das Tier, insofern es nicht vom Geschlechts- oder Selbsterhaltungstrieb getrieben wird, ebenfalls. Gott ruht ständig in sich selbst. Der Mensch will „seine Ruhe“ haben.
Unerschütterliche Ruhe findet er aber erst durch das Eingehen in die Ruhe Gottes (Hebr. 4, 10-11).

2a) Auf Grund dieses Strebens, stoßen alle neuen Vorstellungen (Ideen), die ja auch ein neues Handeln bedingen, bei uns auf einen gewissen Widerstand, der sich solange bemerkbar macht, bis uns die neuen Vorstellungen „in Fleisch und Blut“ übergegangen sind (anders ausgedrückt: „Kopf- zu Herzensglaube“ geworden ist).
Die neuen Vorstellungen gehen vom Kopf ins „Herz“, indem man sie willentlich festhält und das für „richtig“ Erkannte tut, trotz aller Anfechtung. Dadurch werden die neuen Vorstellungen und Handlungsweisen mit Lust verbunden. Denn ich kann nur das Festhalten, von dem ich annehme, dass es mir zukünftig mehr Lust bringen wird als alles Gegenwärtige.
Die Kraft des Herzens ist Lust oder, anders ausgedrückt Sympathie, Liebe.
Ein Unterschied besteht nur in dem, was die Menschen lieben (I,1).
Unlust, Hass, Antipathie entstehen nur dort, wo wir das, was wir lieben und an dem wir demzufolge hängen, gefährdet sehen. Wir werden dadurch beunruhigt, unruhig.

b) Alle Anfechtungen, die durch das Festhalten des Neuen (Vorstellungen usw.) bedingt werden, haben ihre Wurzel im Loslassenmüssen dessen, was uns bisher lieb war oder teilweise noch ist. Sie ist Ausdruck der Unlust gegenüber dem Neuen, das das Alte gefährdet.

Da wir das Neue als „göttlich“ und damit „gut“ ansehen, können wir logischerweise das, was dem Göttlichen widerstreitet, nur als „böse“ ansehen.
Vorher war es uns nicht immer oder überhaupt nicht als „böse“ bewusst.
Wenn ich mich daher aus freiem Entschluss für Gottes Wesen (Liebe) und Willen entschieden habe, so bin ich in diesem Willen automatisch distanziert von dem was vordem mein Wesen und Wollen bildete. Ich bin erlöst (2.Ko. 1,10).
Da ich mich nicht mehr mit meinem bisherigen Wesen identifizieren kann und will, und auch nicht mehr brauche (mir aber mein „altes Wesen“ mit allen Begierden - die genau noch so lebendig sind wie vorher - bildlich, wie ein „alter Mantel“ anhängt) werden die aus dem „alten Wesen“ hervorgehenden Anfechtungen als „Anfechtungen Satans“, die „feurigen Pfeile des Bösen“, als „Einflüsterungen Satans“ usw. bezeichnet.
Aber das alles kommt eben nicht von Außen, sondern ist nur die Wirkungsweise meines bisherigen Wesens, von dem ich mich distanzieren will. Es ist die „Stimme des Fleisches“ (Jak. 1,14).
Aus diesem Grund kann jeder Christ mit Paulus sagen: „Wenn ich dieses, was ich nicht will ausübe, so vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die in mir wohnende Sünde.“ (Rö. 7,20; vgl. 7,17). Von ihr, bzw. meinem „alten Wesen“ werde ich noch zu den gleichen Handlungen getrieben wie früher. Aber es besteht bereits, wie gesagt, ein innerliches Distanzieren, während man sich früher damit Einverstanden gefühlt hätte.

3) Der Wille ist das tätige Element. Er schafft, mittels des Glaubens (Hebr. 11,1) die neue Geistleiblichkeit (1. Petr. 1,14), die der Geistgestalt Christi entspricht in uns (Gl. 4,19; Eph. 4,24; Kol. 3,10).
Zunächst ist dieser Wille schwach, da der Glaube klein ist (Mt. 13, 31-32). Aber er erhält Nahrung und damit Kraft aus den neuen Vorstellungen, wie sie uns durch andere Christen, die rechte Lektüre, durch Meditation usw. übermittelt werden, bzw. aus dem bereits in uns vorhandenemGlaubenentspringen. Dadurch kommt zum Wollen immer mehr das Vollbringen (Phil. 2,13).

4) Welche Prozesse spielen sich in uns ab und wie werden sie genannt?
Hebr. 4,12: „(…) das Wort Gottes ist (…) schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, wie auch der Gelenke und des Markes, und ein Beurteiler der Gedanken und Gesinnungen des Herzens.“

Seele und Geist sind im alten (dem fleischlichen ) Menschen miteinander verbunden. Das besagt nichts anders, als dass gewisse Vorstellungen mit gewissen Gefühlen verbunden sind (I,1).
Durch die neuen Vorstellungen (Wort Gottes, Erkenntnisse usw.) werden die bisherigen Vorstellungen von ihrem Gefühlsinhalt (= Seele) getrennt. Damit werden die betreffenden Vorstellungen kraftlos (sie können uns damit zu keinen ihnen gemäßen Handlungen mehr bewegen) und die so gewonnene Kraft kommt dem neuen Menschen zu Gute.
Der Prozess der Trennung ist verbunden mit einer Be- und Erleuchtung.
Erstere betrifft den bisherigen Seeleninhalt ( Sündenerkenntnis, Hebr. 4,12), letztere die Wahrheit.
Dieses Loslassen der Sünde (falsche Vorstellungen und die durch sie bedingten Begierden) , das dadurch erfolgt, dass Sünde als unvernünftig und damit als schädlich erkannt wird, macht uns rein.
Die Reinheit aber befähigt uns zur Erkenntnis und zum Gottschauen (Mt. 5,8; Eph. 1,18; Hebr. 12,14).
- (Alles Triebhafte ist „blind“. Ein Raubtier, das einen Hasen jagt, sieht nicht die Schönheit des Himmels, der Blumen und Steine. Und wenn es den Hasen erreicht hat „denkt“ es nur „etwas zu fressen“. Es achtet nicht das schöne Fell, die wunderbaren Augen und die merkwürdigen Ohren des Hasen. Das alles kümmert es nicht. -
Ps. 115, 5-6)
Die Kraftzufuhr, die so erfolgt, lässt uns aber auch immer mehr gute Werke tun, da nun zum Wollen das Vollbringen gekommen ist (Jak. 2,17; Phil. 2,13).
Durch diese innere Handlungen wird „das Herz“ überzeugt, denn nun wird dieEmpfindung der Ruhe, die Friedens und der Liebe immer stärker in uns, beginnen die Früchte des Geistes immer mehr offenbar zu werden (Gal. 5,22).

- (Anm.: Wenn der Mensch sagt, er sei von tiefstem Herzen von dem und dem überzeugt ist , so meint er damit, dass in ihm eineEmpfindung sehr stark, vielleicht auch bleibend ist; nichts weiter. Beim sog. „Herzensglaube“ ist die Empfindung, dass das und das wahr sei, stark, weil die betreffende Empfindung alle bis dahin vorhandenen Empfindungen überwunden hat. Also intensiver ist.. - Über den Wahrheitsgehalt ist damit freilich nichts gesagt. -)

In seiner Gesamtheit wird der hier beschriebene Prozess „Heiligung“ (1. Thess. 4,3) genannt, in Bezug auf den „Alten Menschen“ als „Sterben und Ertöten“ (1. Kor. 15,31; Rö. 8,13; Kol. 3,5).
Das eine ist das „Ablegen“ des „alten Menschen“ (Eph. 4,22), das andere das „Anziehen“ des „neuen Menschen“ (Eph. 4,24) bzw. das „Anziehen“ Christi (Rö. 13,14).

III.
1a) Alle Menschen, ohne Ausnahme, sind bereits erlöst (Rö. 5,10; Tit. 2,11-12). Das ist die objektive Tatsache.
Doch wenn wir in die Welt schauen oder auch uns Christen ansehen, ist davon nicht viel zu merken.
Obwohl die Erlösung eineobjektive Tatsache ist, also unabhängig von unserem Dazutun existiert, kann sie doch für mich nur dann eine Bedeutung haben, wenn ich sie mir persönlich - im Glauben - aneigne.
Es muss das durch bewusstes Wollen geschehen, und kann dem Menschen nicht einfach automatisch bzw. “mechanisch” übereignet werden (etwas so, wie man Benzin in einen Tank füllt), da der Mensch sich - im Gegensatz zum Tier - seiner Selbst, seines Wollens und Denkens bewusst ist. (Würde die Erlösung automatisch wirksam sein, wäre der Mensch nicht mehr Mensch, sondern ein Automat),

In dieser Notwendigkeit des bewussten Aneignens liegt die Gefahr in diesem Tun zu träge und gleichgültig zu sein, so dass man die Gnade möglicherweise vergeblich empfangen haben könnte (2. Kor. 6,1; Mt. 25, 11-13).
Aneignen kann sich diese Tatsache der Erlösung nur, wer bereits ist dafür prinzipiellalles aufzugeben (Luk. 14,33; Mt. 13,44-46; s.a. I,2).
Nur wer so bereits ist, sich selbst aufzugeben sich selbst abzusterben wird wiedergeboren (Rö. 6,7; Tit. 3,5; Joh. 3,3-7) und derjenige kann dann auf die Tatsache der Erlösung bauen, indem er sich immer wieder in seinem denken und handeln von ihr bestimmen lässt. (Er geht damit den Einweihungsweg - I,4 -, der ihm selbst und anderen die Erlösung sichtbar macht).

b) Dass ich versöhnt (Rö. 5,10-11; 5,18), gerechtfertigt bin (Rö. 6,7), Frieden mit Gott habe (Rö. 5,1; Kol. 1,20), mit Christus gestorben (Kol. 3,3; Gal. 2,19-20), mit ihm auferweckt (Kol. 1,12; 3,1) bin, ewiges Leben (Joh. 3,36; 1. Joh. 5,12) habe, geheiligt (Kol. 3,12; Eph. 1,1) und vollkommen (Kol. 2,10; 2.Kor. 13,11) bin, ist Ausdruck ein und derselben Wahrheit der Erlösung in ihren verschiedenen Bezügen.

2) Was bedeutet das in der Praxis?
Da ich Frieden habe und demzufolge glücklich bin, muss ich nichts mehr für meine Befriedigung tun. Diese vollkommene Bedürfnislosigkeit weckt die Liebe in mir, anderen Menschen daran teilhaftig sein zu lassen, was ja letzten Endes nur geht, indem sie ebenfalls die Tatsache der Erlösung begreifen.
Da ich ewiges Leben habe bin ich frei von aller Krankheits- und Todesfurcht, aber auch aller “Lebensangst” - denn ich weiss, nichts kann mich wirklich vernichten oder mir schaden.
Wenn ich “äußerlich” noch krank werde oder auch physisch sterbe, so ist das noch Folge meines vorherigen gottlosen Lebens (II, 2b).
Sich von den Erlösungsgedanken bestimmen lassen führt aber zu mehr innerer und schließlich auch äußerer Gesundung.
Aus diesem Grund ist im N.T. alles in der Seins- (also zum Beispiel “ewiges Lebenhaben) und in der Verheißungsform (“ewiges Leben erlangen” 1.Joh. 2,25) genannt. Im neuen Sein liegen die Ursachen des neuen Werdens. Nur aus den rechten Ursachen entspringen die rechten Folgen, oder wie es die Bibel ausdrückt: Ein guter Baum bringt gute Früchte.
Das Werden braucht Zeit. Im Glauben aber geht man von der Seinsform aus, d.h. ich glaube zum Beispiel, dass ich vollkommen bin, damit ich in der Erscheinung, im Erleben vollkommen werde.
Nicht umgekehrt. Also nicht: ich werde vollkommen.

3) Nachdem der Mensch als Vorbedingung zur Wiedergeburt die Bereitschaft zur völligen Selbstaufgabe haben musste (III,1), so muss nun im tagtäglichen Vollzug das Loslassen (von den Mystikern “Leerwerden” bzw. “Gelassen-werden” - etym. von “loslassen” - genannt) alles eigenen, das Sich-selbst-loslassen erfolgen (1.Ko. 15,31; Rö. 12,1; Luk. 9,24).
Denn in der Armut verwirklicht sich der Zustand der immerwährenden Seligkeit (Mt. 5,3; 1.Petr. 1,9; Ph. 2,12). Das ist völlig logisch.
Solange der Mensch begehrt, empfindet er Mangel; fühlt er sich arm, als einer, der nicht hat, obwohl er vielleicht in größtem Reichtum lebt. Würde er sich reich fühlen, so hätte sein Begehren ein Ende.
Doch durch das Anhäufen von materiellen Gütern ist noch niemand vom Begehren frei geworden.
Im Gegenteil, wie das Sprichwort sagt: “Je mehr er hat, je mehr er will, nie schweigen seine Klagen still.”
Materieller Reichtum kann also das Begehren nicht stillen und solange danach gestrebt wird, wird zwangsläufig damit die Unzufriedenheit lebendig erhalten.
Auch entspringt aller Unfriede, Lüge usw. daraus (1.Tim. 6,8-10).
Das gilt auch für das sonstige Begehren, ob es sich nun um sexuelles oder das Begehren Freunde zu haben, viel Wissen zu erlangen usw. handelt (2.Tim. 3, 6b-7)
Folgerichtig ergibt sich die Erkenntnis: Will man glücklich werden, so muss man aufhören zu begehren, muss man begierdelos werden.
Dies geschieht u.a. dadurch, dass man den Blick vom Mangel, aus dem ja alles Begehren entspringt, abwendet und auf die geistigen Güter richtet, die man bereits besitzt, z.B. Tugenden und Erkenntnisse.
Sieht man diese Güter wirklich als “Schätze” an, so wird man in steter Dankbarkeit für sie sein.
So werden zu diesen “Schätzen des Himmels” (Mt. 6, 19-21) immer mehr hinzugetan (Mt. 25,29).
Die so entstehenden Empfindung des Reichseins ruft die Gesinnung und Lust hervor, andere Menschen glücklich zu machen. Dann erfährt man, dass Geben seliger als Nehmen ist (Apg. 20,35).

Solange der Mensch in der Gesinnung lebt Besitzer des ihm anvertrauten “Eigentums” zu sein, kann er ebenfalls nicht glücklich werden, da er soeineverborgene Angst um den Verlust dieser Güter hat, die sich dann auf verschiedene Art und Weise äußert (z.B. Unruhe, Hass, Gewalt) wenn die Bedrohung der Dinge faktisch eintritt (s.a. II,2).
Derjenige, der sich innerlich von allem Besitz gelöst hat, hat die Dinge als hätte er sie nicht (1.Kor. 7,29-31).
Auch der Eigenwille macht unglücklich, denn ihm können innere (Hemmungen) oder äußere Widerstände entgegenstehen. Oder er führt in Verstrickungen und damit zu Psychosen und organischen Erkrankungen. Deshalb muss auch er aufgegeben werden.
Es zeigt sich, dass das Festhalten des eigenen Willens, der Begierde und des eigenen Lebens dem Glücklichsein des Menschen im Wege steht, dass das Loslassen jedoch das Glück verwirklicht.
Wer nichts hat, hat alles.
Denn wenn man nichts mehr begehren oder verteidigen, noch sich durchsetzen muss, hören alle Angst und Unruhe immer mehr auf und Friede, Freude, Liebe ziehen immer mehr in das Herz ein. Ein Gefühl grenzenloser Freiheit erfüllt uns dann.
Eine weitere Folge: Man wird sanftmütig, da man am richtig Erkannten bleibt uns sich von ihm leiten und bestimmen lässt. Zu etwas anderem kann man nicht mehr gezwungen werden

Freitag, 7. Mai 2010

Führung und Verführung



Wer vorwärts gehen will, verlässt das Gewohnte. Ihm begegnet deshalb das Neue, Ungewohnte, Fremde. Ängstliche Gemüter bleiben dann lieber im Gewohnten… - und häufig warnen sie dann andere, ja nicht einen Schritt über das Gewohnte hinaus zu machen: Man könnte sich da nicht zurecht finden, könnte sich verirren, kurz, man könnte “verführt” werden.
Natürlich besteht dazu die Möglichkeit. Aber kein Kind würde laufen lernen, wenn es nur immer daran denkt, dass es hinfallen könnte.
Wenn wir das Ziel des Glaubens erreichen möchten, müssen wir uns in das Unbekannte hineinbegeben, weil wir eben nicht im Alten - dem der “Verdammnis” Unterworfenem - bleiben können. Abraham musste die angenehme Sicherheit Babylons verlassen und in unbekanntes Land gehen…
Um da nicht die Orientierung zu verlieren, müssen wir unser Ziel kennen, muss es immer vor uns stehen. Wer nicht weiß, was er will, wird kaum an ein Ziel kommen.
Das Ziel unseres Christenlebens ist unser völliges Heil, d.h. mit anderen Worten ständig sich erneuernde und damit immerwährende (ewige) Gesundheit von Geist, Seele und Leib.
Wir sollen zum vollkommenen Menschen werden: “ So sollen wir alle zur Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen (weil er bereits der verwirklichte neue Mensch ist), damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen.” (Eph. 4,13)

Man muss natürlich auch wissen, wo unserer Heil beginnt. Beginnt es mit dem Leib? Mit der Seele? Nein, es beginnt im Geist, genauer in unseren Gedanken.
Denn das “Wort Gottes” nehmen wir auf und ist dann zunächst Gedanke in uns. Diese Gedanken werden nun konfrontiert mit den anderen Gedanken und Vorstellungen in uns. Welche dann unser weiteres Denken, Fühlen und Handeln bestimmen, ist abhängig davon, welche Gedanken siegen.

Natürlich halten wir das für wirklicher, was wirkt. Und das ist bei den neuen Gedanken erst einmal überhaupt nicht der Fall, einfach weil sie neu sind und wir ihre Wirkung noch nicht erlebt haben. Deshalb werden sie auch schnell vergessen…

So können wir bereits hier verführt werden, dass wir (neue) Gedanken nicht so wichtig nehmen, und deshalb auch nichts Neues erfahren werden.

Nun ist ein isolierter Gedanke, also einer, der allein steht und nicht durch andere gestützt und bestätigt wird, immer anfällig in Vergessenheit zu geraten. Deshalb ist es wichtig für einen Christen, dass er nicht nur einige isolierte Glaubenssätze kennt und an ihnen festhält, sondern, dass diese durch Gedanken (andere Wahrheiten) mit anderen Glaubenssätzen und der als wahr erkannten Realität verbunden werden. Nur so kann der Glaube kraftvoll werden.
Was also für einen Gläubigen notwendig ist, das ist die Erkenntnis der Wahrheit.
“Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen.” (Jo. 8,32).

Wer die Wahrheit nicht sonderlich schätzt, und das sind die meisten Menschen und leider auch die meisten Christen, wird nicht weit kommen. Er bleibt nicht nur im Falschen, sondern ist auch ein leichtes Opfer der Verführung.
Um Wahrheit zu erkennen, müssen wir aufmerksam sein und uns bemühen klar und logisch zu denken und so viel Wissen wie möglich, uns aneignen.
Das trifft besonders auf alles Menschliche zu; denn der Alte Mensch soll sterben und der Neue leben (Rö. 6,6; Eph. 4,22). Also ist es wichtig, sich mit dem Menschen an sich und im Besonderen mit sich selbst auszukennen.
Wie will ich denn sonst erkennen, ob etwas von Gott, von mir oder anderswo kommt? Ich kann ja nur da unterscheiden, wo mir etwas bekannt ist.
Folglich: Ohne tiefe Selbsterkenntnis gibt es auch keine Gotteserkenntnis.

Und da alle wirkliche Veränderung von Innen heraus (also mit den Gedanken) beginnt, kann ein äußeres Wirken, wie man es immer erstrebt, wenn man von Erweckung, vom Wirken des Geistes spricht, nicht das Eigentliche sein!
Der Mensch, solange er nicht reif ist, sucht immer Ereignisse, die ihn von Außen in wunderbarer Weise überwältigen.
Wer aber wirklich glaubt, muss nicht auf ein kollektives Geschehen in Bezug auf Heilungen und Wunder warten, sondern kann vertrauen, dass seine eigene Heilung zur rechten Zeit eintrifft, das kleine und manchmal auch große Wunder seinen Weg begleiten.
Wahrer Glaube aber ist immer enthusiastisch, denn was gibt es Besseres, als dass wir wirklich immer glücklicher und gesunder werden können?

Derjenige, der weiß, dass er ein ewiges Wesen ist, hat sein Haus auf dem Felsen gebaut (Mt. 7,24). Er kann nicht mehr erschüttert werden (Hebr. 12,26-27).
Mit dieser inneren Gewissheit hat er eine sichere Führung, wird er jedes Straucheln, Irren, jede Verführung überwinden.


Dienstag, 4. Mai 2010

Zum Bibelverständnis



Angesichts der vielen Unklarheiten, die Christen haben, empfiehlt es sich auf solche Menschen zu hören, die in tiefer Verbundenheit mit dem Herrn lebten.
Zu solchen gehörte Sadhu Sundar Singh.

Er sagte: „Ich schicke niemand zu den Theologen, weil sie oft ihren geistigen Sinn verloren haben. Sie können den Sinn der griechischen Worte erklären. Aber sie bringen ihr Zeit mit Büchern zu und nicht genug beim Herrn (…)
Nicht, dass ich allem Unterricht feindlich gesonnen wäre, aber der Unterricht ohne das Leben ist gewiss gefährlich. Nur bei einem harmonischen Zusammenleben zwischen Kopf und Herz werden wir große Ergebnisse für Gottes Ehre erzielen.“

Zu Bibel und Inspiration bemerkte er:

"Der heilige Geist ist der wahre Verfasser der Heiligen Schrift; damit meine ich nicht, dass jedes hebräische oder griechische Wort aus göttlicher Eingebung stamme. So wie meine Kleider nicht ich selbst bin, so sind auch Schriftworte nur Menschenworte. Die Sprache des des täglichen Lebens kann geistige Dinge nicht wirklich erschöpfend ausdrücken. Daher die Schwierigkeit für uns, durch die Worte zur wirklichen Bedeutung hindurchzudringen, Denen aber, die mit dem Verfasser, d.h. mit dem heiligen Geist in Berührung stehen, ist alles offenbar."

"Wenn der heilige Geist zu Menschen redet, so spricht er nicht mit menschlichen Worten, sondern in jener Sprache des Herzens, jener unmittelbaren, wortlosen Sprache der geistigen Welt, die ich in der Ekstase vernehme.
Hernach aber versuchten die biblischen Verfasser, Worte zu finden, um das ausdrücken zu können, was ihnen geoffenbart worden war.
Oftmals vermochten sie wohl nicht die richtigen Worte zu finden, aber den Sinn, den sie auszudrücken versuchten, entstammte göttlicher Eingebung. Sie mussten die Schwierigkeiten den vollen Sinn von etwas auszudrücken, das sich oft nicht mit Worten sagen lässt, schmerzlich empfunden haben."

Und der Verfasser des wunderbaren Buches über ihn - Friedrich Heiler - ergänzte:
"So enthält das Gotteswort der Bibel im Geist geschaute göttliche Wahrheit in der unvollkommenen Hülle der menschlichen Sprache - wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen (2. Kor. 4,7)

"Das Christentum umfasst viele Wahrheiten, die wir nicht verstehen, wenn wir sie bloß aus Büchern kennen lernen. Sie werden nur dadurch verständlich, dass wir sie erleben.
Das Christentum ist keine Buchreligion, sondern eine Religion des Lebens." (S. Sundar Singh)

"Weil aber geistliche Dinge ohne Gebet und Versenkung nicht wahrgenommen werden können, darum sind Meditation und Gebet der eigentliche Schlüssel der Heiligen Schrift." (Friedrich Heiler)

Das heutige Christentum, weil es mehr ein Buchwissen ist, statt Leben in der Kraft Gottes, ist deshalb auch so erkenntnislos.
Der Chinese Ku Hung Ming meinte deshalb: "Sie (die Westler) haben eine Religion, die ihr Herz befriedigt, aber nicht ihren Kopf. An diesem Zwiespalt wird Europa zu Grunde gehen."

Obwohl der bekannte Theologe Karl Barth wenig zur Hebung des Gesamtzustandes der Christenheit beitrug, meinte er doch, "es waren immer ungute Zeiten in der christlichen Kirche, wenn die christliche Dogmatik- und Theologiegeschichte Gnosis (Erkenntnis) und Pistis (Glaube) trennten."

Diese verhängnisvolle Trennung führte zu einem Agnostizismus. Durch ihn werden Gedanken und Vorstellungen kraftlos gemacht. „Gefühle werden stumpf gemacht, der Wille wird leer gemacht, und dann ist der Mensch ausgeliefert entweder irgendeiner äusserlichen Autorität, die ihm seinen Imperativ gibt, oder eben dem Animalischen, demjenigen, was als die physischen Bedürfnisse sich geltend macht, demjenigen, was aus der tiefsten unterbewussten Welt ohne alles Vorstellen, ja ohne alles Regulative des Fühlens heraufquillt." (Steiner)

Der einst bekannte Evangelist Gerhard Bergmann schrieb im Vorwort seines Buches "...und es gibt doch ein Jenseits": "Der moderne Mensch möchte nicht nur glauben, sondern wissen... Denn ein Glaube ohne Wissen führt leicht in Aberglauben und Schwärmerei. Wissen ohne Glauben an Jesus Christus verleitet leicht zu Hochmut und Zweifel und treibt in Irrtum und zu Fehlurteilen."








Schauungen Sadhu Sundar Singhs



Sadhu Sundar Singh war ein begnadeter Christ, für den der tiefe innere Friede, den er stets verspürte, ein wesentliches Merkmal war.

Neben vielen wunderbaren Erlebnissen hatte er auch Schauungen der unsichtbaren Welt. Lange bevor Tote reanimiert werden konnten, sah er, was geschah, wenn der Tote seinen physischen Leib verließ.

Ein Verstorbener berichtete: "Ich wusste nicht, dass der Geist, wenn er den Leib verlassen hat, seinen eigenen Körper und seine Freunde sehen kann. Ich wünschte, meine Freunde könnten mich sehen, so wie ich sie sehen kann, dann würden sie mich nimmer als Toten betrachten, noch um mich trauern, wie sie es jetzt tun."
Dann prüfte er seinen geistigen Leib und fand ihn wundervoll hell und zart, ganz verschieden von seinem groben irdischen Leib. Hierauf fing er an, seine Frau und seine Kinder, welche weinten und seinen kalten Leichnam küssten, zurückhalten. Er streckte seine zarten geistigen Hände aus und fing an, es ihnen klarzumachen und sie mit großer Liebe von dem Leichnam wegzuziehen, aber sie konnten ihn weder sehen noch seine Stimme hören; und als er versuchte, seine Kinder wegzubringen, schien es, als ob seine Hände durch ihren Leib hindurchgingen, wie wenn sie Luft wären; aber sie fühlten gar nichts.

Die Übereinstimmung mit heutigen Nahtoderlebnissen ist offensichtlich, was sowohl die Richtigkeit dieser als auch die Schauungen Sundar Singhs nahelegen.

Übereinstimmend mit den Schauungen nicht nur christlicher Seher berichtet er, dass der Mensch entsprechend seiner innerseelischen Verfassung an den ihm gemäßen „Ort“ kommt.

Im Laufe des Gesprächs gaben mir einmal die Heiligen folgende Auskunft: "Nach dem Tode wird die Seele eines jeden menschlichen Wesens in die Welt der Geister eingehen - und jeder wird gemäß der Stufe seiner geistigen Reife bei solchen Geistern Wohnung finden, die seinem Wesen und seiner Natur gleich sind, sei es nun in der Finsternis oder im Licht der Herrlichkeit.“

Ein Priester, der sich selber für gar gelehrt und fromm hielt, starb in sehr hohem Alter. Ohne Zweifel war er ein guter Mann. Als die Engel kamen, um ihn an den Ort zu bringen, der für ihn in der Welt der Geister vom Herrn bestimmt war, brachten sie ihn in das Zwischenreich und ließen ihn dort bei vielen andern guten Geistern, die kürzlich angekommen waren (…) Als nun die Engel, die den Priester auf seine Stufe gebracht hatten, mit der anderen Seele zurück-kehrten, die zu holen sie fortgegangen waren, brachten sie diese, am Aufenthaltsort des Priesters vorbei, hin zu einem höheren Ort.
Als dieser das sah, rief er aufbrausend mit lauter Stimme: " Was für ein Recht habt ihr dazu, mich auf halbem Wege zu jenem herrlichen Lande zurückzulassen, während ihr diesen anderen so nahe heranbringt? Ich stehe weder ihm noch euch an Heiligkeit oder sonst irgendetwas nach." Die Engel erwiderten: "Es handelt sich hier nicht um groß und klein, nicht um mehr oder weniger, sondern darum, dass jeder Mensch auf die Stufe gebracht wird, die er durch sein Leben und durch seinen Glauben verdient hat.“
Danach erzählte ihm einer der Engel: "Der Mann, dem eben ein höherer Rang zuerkannt wurde als dir, war nicht etwa ein Gelehrter oder berühmter Mann. Du hast ihn dir nicht sehr genau angesehen. Er war ein Glied deiner eigenen Gemeinde. Die Leute kannten ihn kaum; denn er war ein gewöhnlicher Arbeiter und hatte geringen Verdienst von seiner Arbeit.
Aber in seiner Werkstätte kannten ihn viele als einen fleißigen und ehrlichen Arbeiter. Sein christlicher Charakter wurde von allen, die mit ihm in Berührung kamen, anerkannt. Während des Krieges wurde er zum Dienst in Frankreich bestimmt. Dort wurde er eines Tages, als er einem verwundeten Kameraden half, von einer Kugel getroffen und getötet.
Obwohl sein Tod plötzlich kam, war er dafür bereit; darum braucht er nicht so lange im Zwischenzustand zu bleiben, wie du es wirst tun müssen. Sein rascher Aufstieg ist nicht durch eine Begünstigung bedingt, sondern durch den Wert seines geistigen Charakters. Sein Gebetsleben und seine Demut haben ihn, während er in der Welt war, in hohem Maße für die geistige Welt vorbereitet.“

In dieser Welt der Geister bestimmt der geistige Fortschritt eines jeden das Maß, in dem er fähig ist, Gott zu kennen und zu fühlen, und auch Christus enthüllt Seine verklärte Gestalt einem jeden gemäß seiner geistigen Erleuchtung und Fähigkeit.

(Sadhu Sundar Singh „Gesichte aus der jenseitigen Welt“)



Mittwoch, 7. April 2010

Religiöser Egoismus


Was kennzeichnet einen Egoisten? - Klar, er will, dass alles nach seinem ganz persönlichen Willen geschieht. Er kümmert sich kaum darum, was richtig ist, ihn interessiert nicht, was andere denken und ihn interessieren die Folgen seines Handelns nicht.
Wird ein solcher Mensch nachdem er sich bekehrt hat, automatisch ein anderer? Wohl kaum. Er wird auch jetzt wenig nach der Wahrheit (das was richtig ist) fragen. So wie er vorher engherzig war, wird er es auch weiterhin sein und wie er seinen Willen durchdrückte, wird er nun mit einem gewissen Fanatismus seine religiösen Ansichten vertreten.
Es ist ganz klar, dass wir solche Menschen in allen Religionen und deshalb auch im Christentum finden.

Der christliche Glaube ist ja dazu da, den Menschen immer tiefer in die erlösende Wahrheit zu führen (Joh, 8,32). Das aber wird gerade durch diesen Egoismus verhindert, dem ein paar wenige Glaubens - "wahrheiten”, die nicht hinterfragt werden dürfen, genügen. Und so hat man dann eine oberflächliche starre Lehre, ein Christentum, das sich im Zitieren von Bibelversen im Kreise dreht und Schulter klopfend des ewigen Heils versichert.
“Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und bedarf nichts, und weißt nicht, dass du der Elende und der Jämmerliche und arm und bloß bist. Ich rate dir, Gold von mir zu kaufen, geläutert im Feuer, auf dass du reich werdest; und weiße Kleider, auf dass du bekleidet werdest, und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde; und Augensalbe, deine Augen zu salben, auf dass Du sehen mögest.” (Offb. 3, 17-18)