Sonntag, 20. April 2014

Wie man "Christ" sein kann, und sich dennoch Gott vom Leibe hält....



Wie lautet das erste Gebot? „Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit allen deinen Kräften.“ Doch was bedeutet das? Sind damit die Gebote gemeint und deren Erfüllung? Doch wohl kaum. Denn diese Aufforderung ist ja ein Teil der Gebote.
Was ist es also, das wir lieben sollen? - Den tiefsten Kern, den Grund aller Dinge. Das Ewige.
Doch, wer tut das schon? Wer kann das überhaupt? Wenn wir nämlich Gott so liebten, wie gefordert, nämlich ganz, dann wäre doch für anderes überhaupt kein Raum mehr.
Was würde geschehen, wenn wir so Gott liebten? Lassen wir den Kirchenvater Augustinus darauf antworten: „Wenn die Seele etwas liebt, wird sie ihm gleich; wenn sie weltliche Dinge liebt, wird sie weltlich, aber wenn sie Gott lieben sollte (so muss man fragen), wird sie dann nicht zu Gott?“

Einer vermochte das Gebot völlig zu erfüllen, aber das erschreckte die Juden, die es doch hätten besser wissen sollen, so sehr , dass sie ihn „suchten (...) nun noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte, womit er sich selbst Gott gleich machte. „(Joh. 5,18)
Es gab und gibt aber auch Menschen, in denen die Gottesliebe größere Ausmaße annahm, als man das gemeinhin aus den Reihen der Christen kennt. So sagt Katharina von Genua, die hier für viele das Wort führen mag, 'ich empfinde eine solche Liebe zu Gott, daß alle Liebe zum Nächsten mir im Vergleich zu jener zu Gott als eine Heuchelei erscheint'. Oder Mme. Guyon: 'Ich liebte Gott mehr als der leidenschaftlichste Liebhaber seine Geliebte... Diese Liebe war so beständig und beschäftigte mich so unablässig und so mächtig, daß ich an nichts anderes zu denken vermochte.“

Der Weg des Glaubens führt nach Innen

Diejenigen, denen Gott ihr eins und alles ist, bezeichnet man als Mystiker. Sie sind Gott am nächsten. Kein Wunder, dass wir deshalb in ihrem Leben so manches wunderbare Ereignis finden, aber auch so manchen Kampf. Denn Gott so nahe zu kommen, wie es ihnen gelang, ist nicht so einfach. Jedes Menschen Liebe ist erst einmal auf das Äußere gerichtet und nicht auf das Innere.
Im Äußeren sucht der Mensch Befriedigung, und nicht bei Gott. Wäre es anders, bedürfte es gar nicht des ersten Gebotes.
So wenig, wie die Juden Lust hatten dieses Gebot zu erfüllen, so wenig haben es wir Christen. Mancher, der meint ein solcher zu sein, weiß deshalb nichts besseres, als vor der Mystik und dem „Okkulten“ zu warnen. Sie pochen auf „das feste Bibelwort“ und wollen sich damit alle Berührung mit dem lebendigen Gott, die nur durch die Überwindung der unterbewussten Kräfte („Fleisch“„Teufel“, „Dämonen“ ) geschehen kann, fernhalten.
Trotzdem man von Wiedergeburt und Taufe redet, lässt man einen Reinigungs- und Heiligungsprozess nicht zu. Man bleibt unerneuert, in fleischlicher Gesinnung stecken – aber überdeckt das mit einer intensiven Beschäftigung mit der Bibel. Diese kann man schließlich für jeden Anlass gut zitieren. Deshalb glaubt man auch ein guter, gereifter Christ zu sein. Da alle anderen Glieder der Gemeinde, deren man sich zugehörig fühlt, auch nicht anders sind, bekommt man bestätigt, auf dem rechten Weg zu sein. Was für ein Irrtum!

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