Mittwoch, 15. November 2017

Brauchen wir einen neuen Gott oder neue Offenbarungen?

Das Online-Portal der evangelischen Zeitschrift „Chrismon“ befasste sich kürzlich mit dem Leid auf unserer Welt und fragte seine Leser: „Bei all dem Leid auf der Welt: Gibt es Gott?“
Darauf antworteten 5,81 % der Abstimmenden mit „Ja“ und 94,19 % mit „Nein“ (Stand 15.11.2017, 16:25 h)! - Ein solches Ergebnis muss jeden Christen zutiefst erschrecken! Denn es zeigt, dass man es, nach 2000 Jahren, nicht fertigbrachte eine wirkliche Antwort auf solche Fragen zu geben. Man muss kein Prophet sein, dass der Glaube an Gott weiter abnehmen wird, wenn sich hier nicht bald etwas ändert. - Deshalb auch meine provokante Überschrift.

Natürlich kann man sich keinen besseren Gott denken als einen Gott der Liebe. Doch Liebe kommt anscheinend in dem Leid der Welt nicht zum Ausdruck. Gerade weil man sich heute unter Gott nur einen Gott der Liebe vorstellen kann, zweifelt man daran, dass es Gott überhaupt gebe. Wie ist der Glaube an Gott aufrecht zu halten, wenn doch so viel Leid geschieht? Wir sprechen dann davon, dass Gott auch heilig und gerecht sei. Wo aber ist die Gerechtigkeit, wenn unschuldige Kinder leiden? - Nein, auch eine Gerechtigkeit ist nicht erkennbar. Deshalb blenden viele Christen einfach diese Fragen aus, anstatt Gott zu bestürmen, endlich auf diese Fragen eine Antwort zu geben. Aber Verdrängen ist keine Lösung, denn sie führt – wie man sieht – geradewegs in den Unglauben.

Nun gibt es tatsächlich, zumindest seit Jahrzehnten, eine überzeugende christliche Antwort auf dieses Problem. Sie muss nur zur Kenntnis genommen und verbreitet werden. Dabei handelt es sich nicht um eine neue Offenbarung, sondern um ein tieferes Eindringen in die Heilige Schrift als wie es bisher geschah. Da entdeckte der Autor die doch so überraschend einfache Antwort. Ich spreche von dem Buch „Warum gerade ich? - Schicksalsfragen im Licht neuester Erkenntnisse“ des Autors Manfred Reichelt.

Nur, wenn diese Gedanken aufgegriffen werden, kann man den Abfall vom Glauben stoppen, ja erneut Menschen für Jesus Christus begeistern!


Freitag, 26. Februar 2016

Unlebendige Christen und blinde Blindenführer

Der Blog, auf dem Sie sich befinden, heißt nicht umsonst "Glaube und Erkenntnis"; denn was ist Glaube ohne Erkenntnis? - Richtig, blinder Glaube! Und diejenigen, die in blindem Glaube andere belehren, sind blinde Blindenführer.
Wer Glaubensaussagen macht, kann nicht einfach die Bibel zur Hand nehmen und für irgendein Problem eine passende Stelle suchen. Aber so wird es immer wieder gemacht. Ganze Strömungen der Christenheit handhaben das so. Man ist ein "Bibellehrer", nicht ein von Gott gelehrter. Man hat den Buchstaben und pocht darauf, dass gerade der Buchstabe, der präziseste Ausdruck von Gottes Wahrheit sei. Er sei Gottes Wort.

Für einen "Bibeltreuen", wie man sich gern nennt, oder auch einen "Evangelikalen" ist schwer zu verstehen, dass das nicht stimmt. Wer jetzt Zweifel an meinen Worten hat, weil er mich nicht kennt, sollte auf einen anerkannten Vertreter dieser bibeltreuen, evangelikalen Fraktion hören. A.W. Tozer schrieb:
Die Behauptung, dass es einen Unterschied zwischen bibelgelehrt und geistgelehrt gibt, mag manchem Leser einen Schock versetzen. Und doch ist sie zutreffend.
Es ist sehr wohl möglich, dass man in den Grundlagen des Glaubens unterwiesen wurde und dennoch überhaupt nicht verstanden hat, um was es eigentlich geht. Und es ist möglich, ein Experte in der biblischen Lehre zu werden und doch kein geistliches Licht zu haben. Die Folge davon ist, dass ein Schleier über dem Geist bleibt, der ihn davon abhält, die Wahrheit in ihrem geistlichen Wesen zu erfassen.
Die meisten von uns kennen Gemeinden, die ihre Kinder vom zartesten Alter an in der Bibel unterrichten, sie ausführlich im Katechismus unterweisen, sie in Gesprächsgruppen weiter ausbilden und dennoch niemals ein lebendiges Christentum noch eine starke Frömmigkeit in ihnen wecken.

Bei ihren Mitgliedern gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass sie vom Tod ins Leben gekommen sind. Keines der Kennzeichen der Errettung, die in der Bibel so eindeutig angeführt werden, ist unter ihnen zu finden. Ihr religiöses Leben ist korrekt und leidlich moralisch, aber völlig automatisch und ohne jeglichen Glanz. Sie tragen ihren Glauben, wie man früher bei Trauer eine schwarze Armbinde trug, um seine Liebe und Achtung für den Verstorbenen zu zeigen.

Solche Menschen kann man nicht als Heuchler abtun. Viele von ihnen sind ergreifend ernst bei der Sache. Sie sind einfach blind. Weil der lebendige Geist fehlt, müssen sie sich zwangsläufig mit einem äußerlichen Glauben zufriedengeben, während sie die ganze Zeit tief in ihrem Herzen nach echtem geistlichem Leben 
hungern und nicht wissen, wo bei ihnen der Fehler liegt.

...
Unter den orthodoxen Gläubigen findet man manchmal eine leblose Abhängigkeit vom Buchstaben des Textes, ohne dass auch nur das geringste Verständnis seines Geistes vorhanden ist. Wenn wir die Wahrheit wirklich kennen wollen, müssen wir uns beständig vor Augen halten, dass die Wahrheit ihrem Wesen nach geistlich ist."  

An anderer Stelle sagt er: "Was Gott seiner Gemeinde je zu ihrer Zeit zu sagen hat, hängt gänzlich davon ab, in welchem moralischen und geistlichen Zustand sie sich befindet und was die geistliche Not der Stunde ist. Christliche Leiter, die die Schriften unablässig in einer mechanischen Weise auslegen, ohne die gegenwärtige geistige Situation zu berücksichtigen, sind nicht besser als die Schriftgelehrten in den Tagen Jesu, die wie Papageien das Gesetz rezitieren, ohne im entferntesten zu erkennen, was geistlich um sie herum vorgeht.


Wir können sicher sein, dass die Glaubenslosigkeit unserer Zeit, nicht zuletzt diesem gedankenlosen Umgang mit der Bibel, der falschen Selbstsicherheit im Glauben, geschuldet ist.
Wir Christen, beantworten mit biblischen Phrasen, locker vom Hocker, Fragen, die wir selbst nie gestellt haben. Das ist einfach oberflächlich und verantwortungslos.
Ändern wir unseren Sinn! Lasst uns lebendige Christen werden!
Torsten Hebel sagt in seinem Buch "Freischwimmer" :  „Wir brauchen eine neue suchende Spiritualität, denn Theologie ohne Spiritualität ist nur eine Hülle und dient am ende niemandem mehr. Es ist an der Zeit neue Fragen zu stellen, und all die alten Antworten, die wir irgendwann einmal gelernt haben, erst einmal beiseite zu schieben.“



Mittwoch, 15. Juli 2015

Die Reformation beginnt...

Wache Christen sehen die Notwendigkeit einer neuen Reformation. Ja, man müsste sogar schon von Revolution sprechen, denn so sehr sind wir heute vom Ursprung abgewichen. Lassen wir uns bewegen durch den folgenden Beitrag von Manfred Reichelt, der unter der Überschrift "Die Abweichung vom Ursprung" publiziert wurde, und so klar wie nie, den Finger auf die wunden Punkte legt: 

 "Pornographie als Beispiel

Wenn man keine Erfüllung im Ewigen findet, sucht man es anderswo. Das ist für jeden Ungläubigen normal. Aber für einen Christen? Da stimmt doch etwas mit dem Begreifen und der Vermittlung des Evangeliums nicht. Wie anders ist es zu erklären, dass viele Christen Pornographie schauen, ja selbst Prediger und Pastoren?
Bei einer freiwilligen Umfrage im Internet gaben 50 % aller christlichen Männer und 20 % aller christlichen Frauen an, von Pornographie abhängig zu sein. 60 % Prozent der Frauen, die bei der Befragung antworteten, gaben zu, bedeutende Kämpfe mit Lust zu haben, 20 % der zur Kirche gehenden weiblichen Befragten kämpfen mit dem beständigen Anschauen von Pornographie.
(Ergebnisse einer ChristiaNet Untersuchung, berichtet von Marketwire.com, 07.08.06, Clay Jones)
Bei einer Befragung von über 550 christlichen Männern auf einem Männerseminar gaben über 90 % an, dass sie sich von Gott getrennt fühlten wegen Lust, Pornographie oder Phantasien, die sich in ihrem Leben festgesetzt hatten. (http://newmanmag.com Juli/August 2003). Diese erschütternden Statistiken könnten sicher noch beliebig vermehrt werden, aber sie genügen, um einen Einblick in die Seelenlage vieler Gläubigen zu erhalten. Da klingt jedes Gerede von der Erlösung durch Jesus Christus wie blanker Hohn.
Hier fehlt es ganz eindeutig an christlicher Substanz. Dass immer weniger Menschen vom christlichen Glauben etwas wissen wollen, und die Kirchen verlassen, ist notwendige Konsequenz davon. Die Substanzlosigkeit aber offenbart sich nicht allein auf dem Gebiet des Sexuellen, sondern überall im christlichen Glauben. Wo es am Wesentlichen fehlt, nämlich in der Freude, im Glück am Herrn, fehlt es an allem.

Christen leiden an Unterernährung

Der christliche Glaube ist schwach, weil Christen an Unterernährung leiden – aber auch noch diesen Zustand für normal halten, weil er schon so lange andauert. Man hat keinen Bedarf etwas daran zu ändern. Diese Lage entspricht genau der der Gemeinde von Laodizea in der Offenbarung des Johannes (Offb 3,14-22). Dieser Gemeinde wird empfohlen „Augensalbe“ zu kaufen, damit sie sehend werde (V. 18). Was bedeutet das? Die Gemeinde und ihre Leiter sind blind ! Sie sind blinde Blindenführer! Ist das nicht erschütternd? Da wird in den Kirchen und Gemeinden überall vor Verführung gewarnt. Und wo sieht man nicht überall den Feind? In der Esoterik, im Okkulismus, in der Mystik, in der Wissenschaft, in der Philosophie – kurz in allem, das anders ist, als dem, was wir für richtig befinden! Aber nein, die Verführung ist mitten unter uns. Sie ist in uns selbst. In jedem einzelnen! An uns ist es, sich das einzuzugestehen und nach Veränderung zu streben (V. 19).

Die Kontinuität der Fehlentwicklungen

Die Fehlentwicklungen des Christentums begannen schon sehr früh. Sie begannen bereits zur Zeit der Apostel. Aber sie konnten diesen noch ein gewisser Einhalt gebieten. Das musste sich naturgemäß ändern, wenn Männer von geringerem Format als diese, und demzufolge von geringerem Verständnis, die Geschicke der Gläubigen leiteten.

Der Bischof Polykarp, der Paulus noch persönlich kennenlernte, gesteht bereits, dass er vieles nicht begreife. „Brüder, nicht ich selbst habe es mir herausgenommen, euch dies über die Gerechtigkeit zu schreiben, sondern (ich tat’s,) weil ihr mich dazu aufgefordert habt. Denn weder ich noch sonst einer meinesgleichen kann der Weisheit des seligen und berühmten Paulus gleichkommen, der persönlich unter euch weilte und die damaligen Leute genau und untrüglich unterrichtete im Worte der Wahrheit, der auch aus der Ferne euch Briefe schrieb, durch die ihr, wenn ihr euch genau darin umsehet, erbaut werden könnt in dem euch geschenkten Glauben;“ (Brief des Polykarp von Smyrna an die Gemeinde von Philippi 3,1-2.)

Ein anderer Bischof durchreist Kleinasien, nur um sich wegen ein paar Feiertage abzusprechen. Gab es denn nichts Wesentlicheres zu tun ? Eben hatte man noch vom bedeutendsten Ereignis der Menschheitsgeschichte gehört, und dann ist einem schon etwas anderes wichtig…
Der Abstieg von der Anfangshöhe christlichen Glaubens setzte sich bis in unsere Zeit kontinuierlich fort. Wohl gab es hin und wieder auch Aufschwünge, aber nie mehr wurde der Glanz der frühen Zeiten erreicht. Die Entfaltung des Reichtums, der uns in Christus gegeben ist (Kol 2,3), unterblieb weitgehend.

Die Verkehrung des Evangeliums

Das Ziel der Gläubigen wurde immer weniger, dass sein Reich, das „nicht von dieser Welt“ und deshalb unsichtbarer Natur ist, komme (Jo. 18,36, Mt. 6,10), sondern sich eines Platzes im Leben nach dem Tod, das man als „ewiges Leben“ missverstand, zu versichern. Wollte man dies zunächst noch durch einen bestimmten Lebenswandel erreichen, so sollte ab Luther allein die Gnade genügen, um nach dem Tod ins „Himmelreich“ eingehen zu können.
Aus der „engen Pforte“ wurde enges Denken, aus dem Jagen nach der Heiligung – ohne die niemand den Herrn schauen wird (Hebr. 12,14), wurde gemütlich – bürgerliches Leben, aus einem erfüllten, sinnvollem Leben im Hier & Jetzt, wurde Erlösung durch den Tod. Christen verbannten Christus immer mehr von der Erde!
Nicht länger war er das, wozu er gekommen war: Neues, erlöstes Leben, das sich mittels des Glaubens und der Erkenntnis, Erfüllung bringend und Krankheit und Tod überwindend, in uns entfalten wollte (Mt, 13,33). Eine größere Abweichung vom ursprünglichen Glauben konnte es nicht geben!
Verwundert uns also noch, dass immer weniger Menschen von Christus wissen wollen?"

Sonntag, 20. April 2014

Wie man "Christ" sein kann, und sich dennoch Gott vom Leibe hält....



Wie lautet das erste Gebot? „Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit allen deinen Kräften.“ Doch was bedeutet das? Sind damit die Gebote gemeint und deren Erfüllung? Doch wohl kaum. Denn diese Aufforderung ist ja ein Teil der Gebote.
Was ist es also, das wir lieben sollen? - Den tiefsten Kern, den Grund aller Dinge. Das Ewige.
Doch, wer tut das schon? Wer kann das überhaupt? Wenn wir nämlich Gott so liebten, wie gefordert, nämlich ganz, dann wäre doch für anderes überhaupt kein Raum mehr.
Was würde geschehen, wenn wir so Gott liebten? Lassen wir den Kirchenvater Augustinus darauf antworten: „Wenn die Seele etwas liebt, wird sie ihm gleich; wenn sie weltliche Dinge liebt, wird sie weltlich, aber wenn sie Gott lieben sollte (so muss man fragen), wird sie dann nicht zu Gott?“

Einer vermochte das Gebot völlig zu erfüllen, aber das erschreckte die Juden, die es doch hätten besser wissen sollen, so sehr , dass sie ihn „suchten (...) nun noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte, womit er sich selbst Gott gleich machte. „(Joh. 5,18)
Es gab und gibt aber auch Menschen, in denen die Gottesliebe größere Ausmaße annahm, als man das gemeinhin aus den Reihen der Christen kennt. So sagt Katharina von Genua, die hier für viele das Wort führen mag, 'ich empfinde eine solche Liebe zu Gott, daß alle Liebe zum Nächsten mir im Vergleich zu jener zu Gott als eine Heuchelei erscheint'. Oder Mme. Guyon: 'Ich liebte Gott mehr als der leidenschaftlichste Liebhaber seine Geliebte... Diese Liebe war so beständig und beschäftigte mich so unablässig und so mächtig, daß ich an nichts anderes zu denken vermochte.“

Der Weg des Glaubens führt nach Innen

Diejenigen, denen Gott ihr eins und alles ist, bezeichnet man als Mystiker. Sie sind Gott am nächsten. Kein Wunder, dass wir deshalb in ihrem Leben so manches wunderbare Ereignis finden, aber auch so manchen Kampf. Denn Gott so nahe zu kommen, wie es ihnen gelang, ist nicht so einfach. Jedes Menschen Liebe ist erst einmal auf das Äußere gerichtet und nicht auf das Innere.
Im Äußeren sucht der Mensch Befriedigung, und nicht bei Gott. Wäre es anders, bedürfte es gar nicht des ersten Gebotes.
So wenig, wie die Juden Lust hatten dieses Gebot zu erfüllen, so wenig haben es wir Christen. Mancher, der meint ein solcher zu sein, weiß deshalb nichts besseres, als vor der Mystik und dem „Okkulten“ zu warnen. Sie pochen auf „das feste Bibelwort“ und wollen sich damit alle Berührung mit dem lebendigen Gott, die nur durch die Überwindung der unterbewussten Kräfte („Fleisch“„Teufel“, „Dämonen“ ) geschehen kann, fernhalten.
Trotzdem man von Wiedergeburt und Taufe redet, lässt man einen Reinigungs- und Heiligungsprozess nicht zu. Man bleibt unerneuert, in fleischlicher Gesinnung stecken – aber überdeckt das mit einer intensiven Beschäftigung mit der Bibel. Diese kann man schließlich für jeden Anlass gut zitieren. Deshalb glaubt man auch ein guter, gereifter Christ zu sein. Da alle anderen Glieder der Gemeinde, deren man sich zugehörig fühlt, auch nicht anders sind, bekommt man bestätigt, auf dem rechten Weg zu sein. Was für ein Irrtum!

Sonntag, 2. Februar 2014

Die Reformation geht weiter

Zur Einführung zunächst dieses Video, das das Anliegen dieses Beitrages deutlich macht und dessen Aussagen bestätigt:



 Als ich persönlich zum lebendigen Glauben kam, erkannte ich sogleich wie wenig das, was ich bisher in meiner Gemeinde erlebte, mit einem solchen zu tun hatte. Da war Tod. Hoffnungen machte die charismatische Bewegung. Doch inzwischen weiß man, dass auch diese im Traditionalismus stecken blieb. Der große Abfall, von dem die Bibel spricht, spielt(e) sich nicht nur in der Weise ab, dass Menschen die Kirchen verlassen, sondern auch, dass beginnend mit dem Ende der apostolischen Zeit, immer weniger begriffen wurde, worum es eigentlich im christlichen Glauben geht: Nicht um ein Leben nach dem Tod, sondern die Überwindung des Todes und damit allen Übels für uns Menschen. Es geht darum, dass die Söhne Gottes in dieser Welt offenbar werden. Es geht also um die heilende Herrschaft Gottes in und durch uns. Es geht um neues Leben. Nicht als Phrase, sondern als Lebenswirklichkeit.

 Ich freue mich, dass das auch z.T. erkannt wird. So schrieb Rick Joyner "Das Paradies muß in der Gegenwart gefunden werden, denn es ist kein futuristischer Traum, sondern eine Realität."
Es geht auch nicht darum, dass man das, was kommen muss, als Erweckung oder Reformation, oder ganz anders bezeichnet. Es ist jedenfalls eine Sehnsucht nach vertiefter Gotteserfahrung da, und das ist gut so. Gleichfalls wird richtig erkannt, dass diese nur möglich ist, wenn sich von eingefahrenen Traditionen und Vorstellungen gelöst wird. So sagte Peter Wenz, Pastor der Biblischen Glaubensgemeinde Stuttgart:
  „Im Rahmen der Erweckung ist es nötig, sich von kraftlosen Traditionen und falschen religiösen Gewohnheiten zu lösen. Die Einheit des Volkes Gottes geschieht auf der Grundlage der Erkenntnis der Wahrheit des Wortes Gottes."
 Die hier gemeinte „Erkenntnis der Wahrheit des Wortes Gottes“ darf aber nicht missverstanden werden, als sei damit ein bloßer Glaube an die Bibel gemeint.

So sagt wiederum Joyner: Glaube ist jedoch mehr als nur Formeln und Prinzipien. Oftmals haben wir den Glauben an Gott ersetzt durch die Übernahme von Überzeugungen und Glaubensmeinungen anderer." Sondern, "Wie David durch Ablehnung, Demütigung und Leiden auf seine Berufung und Autorität vorbereitet wurde, so werden die Wahrheiten Gottes in denen geläutert, die sie annehmen und daran festhalten., obwohl sie im Feuer geprüft werden."

Das, was zum Niedergang führte, kann nicht zum Aufstieg führen. So  führt der immer mehr zu beobachtende Rückzug auf die Bibel, der alles andere ignoriert, weder zum gesuchten Heil in Jesus, noch zu einer wirklichen Evangelisation und Mission. Dabei sind gerade Vertreter dieser Fraktion  evangelistisch und missionarisch besonders aktiv.
Mit Recht sagt deshalb Joyner: "Es gibt ein Evangelium, eine Kirche, einen Dienst und eine Religion, die sich selbst als christlich bezeichnen, uns aber dazu bringt, daß wir uns in einem geistlichen Zustand der Verlorenheit sicher fühlen." Dem Wirken Gottes stehen in unserer Zeit besonders die kirchlichen Traditionen im Wege. Gott will stets Neues schaffen. Aber dem steht man eben misstrauisch gegenüber. Man macht die Tradition und die Bibel zu einem Götzen. "Die Kirche, der Dienst, geistliche Wahrheiten oder sogar die Bibel können zu Götzen werden, wenn sie in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit rücken." (Joyner).

 Was wir brauchen, ist ein tiefes Eindringen in die Wahrheit, nämlich in die, die Schöpfung und Bibel zu Grunde liegen. Berthold Becker von „Fürbitte für Deutschland“ sagte: „Gott will den Fluch, der durch die liberale Theologie kam, umkehren und in Deutschland eine neue Qualität von geisterfüllten Bibellehrern und Theologen hervorbringen, die durch die Tiefe ihrer Erkenntnis den Leib aufbauen und entscheidend auf die Wiederkunft des Herrn vorbereiten sollen. Die Lehre wird uns von allem kleinkarierten, gesetzlichen Denken freisetzen und die Dimensionen de Reiches Gottes und der Gemeinde in einer bisher nicht dagewesenen Art und Weise aufschließen." 

Diejenigen, die sich berufen fühlen, dem Volk Gottes zu dienen, finden hier ein Grundsatzpapier:„Theologisieren heute“. Zum Schluß nochmals Joyner: “ Bis heute wurde jeder Aufbruch, der die Wiederherstellung zum Ziel hatte, letztlich doch wieder auf die bloße Betonung von Form und Doktrinen reduziert. Der apostolische Glaube jedoch wird das Leben selbst, Jesus, zum Schwerpunkt haben." 

Damit keine Missverständnisse entstehen: Auch wenn der Autor hier bestimmte Persönlichkeiten zitierte, ist daraus nicht die Schlussfolgerung zu ziehen, dass er mit allem konform gehr, was von diesen der Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde. Gerade gegen die „Visionen“ Joyners, die er in einigen seiner Bücher erwähnt, bestehen erhebliche Einwände. Da ist vieles noch ungeläutert. Richtiges mit Falschem vermischt. Deshalb gilt auch hier die Devise, das Gute behaltet!

***

Nachtrag vom 14.02.2014:
Ich wurde inzwischen auf die Theologin Prof. Sabine Bobert aufmerksam. Sie schreibt in "Was formt den Menschen?" über Bonhoeffers Einschätzung der spirituellen Lage der Evangelischen Kirche Deutschlands 1937, die sich seitdem eher noch verschlechtert hat:

"Die Kirche verfolge im Wesentlichen ein Ziel: Anbiederung und Populismus. Darüber würde sie ihre eigenen Schätze verschleudern bis zum spirituellen Bankrott. Diese Anbiederungsstrategie der „verschleuderten“, „billigen Gnade“ betrüge die Menschen um lebenswichtige Inhalte. Die Kirche habe sich längst selbst von Jesus Christus abgewandt.
Entsprechend anfällig sei sie für Ersatzideologien. Die Kirche lebe nur dort, wo Menschen sich durch Jesus Christus verwandeln lassen. Für diese Verwandlungen sei ein Übungsweg nötig. Erst auf diesem Weg lernen Menschen die christlichen Geheimnisse verstehen. All dies habe die evangelische Kirche vergessen. Sie klinge zwar lutherisch, indem sie von „Rechtfertigung“ spreche. Doch diese „Rechtfertigung“ sei nur noch eine billige Absegnung der Missstände. Indem ein Discount-Lutheraner von „Rechtfertigung“ spreche, dispensiere er sich von Nachfolge und Verwandlung.
Bonhoeffer musste mit seiner Rede von verwandelnden Übungen bei Null anfangen – auch gegenüber den Theologen, die er ausbilden wollte. „Was ´Meditation´ ist, versteht keiner mehr.“ So schrieb er Bücher über evangelisches klosterähnliches Leben („Gemeinsames Leben“), wie man Psalmen betet („Das Gebetbuch der Bibel“) und wie man meditierend die Bibel liest. Er gründete eine eigene Theologenkommunität, die von den Nazis aufgelöst wurde, und er lebte täglich bis zur Hinrichtung mit geistlichen Übungen.

Da Bonhoeffer jedoch restaurativ verfuhr und nicht mit der religiösen Szene der 1920er Jahre ins Gespräch kam, blieb seinen Impulsen nach dem Zweiten Weltkrieg wenig mehr Erfolg beschieden als dem evangelischen Querdenker Wilhelm Löhe. "

Sie selbst ist Teil der Erneuerungsbewegung. In ihrem Buch "Mystik und mentales Coaching" schreibt sie:

„Das Christentum ist nicht so banal. wie es zurzeit im Westen vermarktet wird. Es ist mehr als ein Humanistenclub. Es zielt seit seinen Anfängen auf die Erleuchtung und die Vereinigungserfahrung mit der letzten Wirklichkeit. Sie müssen nicht die Religion wechseln, um diese Erfahrungen zu machen. Die großen Abwanderungsbewegungen in andere Religionen sind die Antwort auf die Verniedlichung und Banalisierung des Christentums, denn ‚Die unendliche menschliche Seele kann niemals Erfüllung finden, außer durch das Unendliche selbst.
Das Christentum ist keine Lehre. sondern in erster Linie eine Lebenspraxis, die auf die Vereinigung des Menschen mit Gott zielt. Erst von diesem Zielpunkt aus lassen sich die heiligen Texte und die mystische Theologie in ihrer Tiefe verstehen. Die Theologie hat eine Philosophie daraus gemacht. Antike Philosophien hingegen waren noch mit einer bestimmten Lebenspraxis verbunden, häufig mit Übungen wie Fasten und Schweigen, die die Selbsterkenntnis unterstützten. Erst aus der rechten Lebenspraxis folgen richtige Erkenntnisse. Stellen Sie sich eine Tai-Chi-‚ eine Zen- oder eine Yoga-Stunde vor, die nur aus Anpredigen besteht. Wie absurd!

Doch dieselben Zustände im westlichen Christentum fallen kaum noch jemandem als absurd auf. Als Vivekananda um 1900 als der erste Yogi in die USA kam. traf er auf Christen, die ihr Christsein als Belehrtwerden verstanden. Das genügte ihnen. Sie begriffen nicht, was Vivekananda von ihnen wollte, als er darauf bestand: ‚Praxis ist absolut notwendig. Ihr könnt Euch hinsetzen und mir jeden Tag stundenlang zuhören, aber wenn ihr nicht übt, werdet ihr keinen Schritt weiterkommen. Es hängt alles von der Praxis ab. Wir verstehen diese Dinge niemals, bis wir sie erfahren.“

"‚Lehre‘ muss wieder die Urgestalt annehmen: Jemand, der Gott erfahren hat, führt andere Mensehen zu spirituellen Erfahrungen hin - durch Einweihungsrituale und durch individuelle Übungen die der Einweihung’ dienen."

"Die Reformation ist kein historisches Datum. auf dem man sich ausruhen könnte. Sie geht weiter. Die Übungen in diesem Buch setzen auf eine neue Reformation durch eine lebendige Mystik. Es geht um eine Mystik, die mitten im urbanen Kontext eingeübt werden kann. Was nützt das evangelische Dogma vom ‚allgemeinen Priestertum"‚ wenn die „allgemeinen Priester‘ Gott nicht mehr spüren?
Je ferner Gott ist. desto wichtiger wird der Streit über Kleinigkeiten - über Begriffe, über Dogmen, über Machtsphären. Je näher Gott kommt, desto undogmatischer wird eine Religion. Jeder begreift, dass er seine Erfahrungen in diese‚ aber ebenso in jene Worte hüllen könnte - und dass keines dieser Worte die Erfahrung fassen kann.
Aus einer lebendigen Mystik wird ein undogmatisches Christentum geboren. bei dem jeder seine Erfahrungen in eigene Worte fassen kann. Es wird eine Netzwerk-Kirche entstehen. die sich quer zu den konfessionellen Grenzen organisiert. Sie öffnet sich aus der Mitte der Gotteserfahrung heraus für den Austausch mit anderen..."

Donnerstag, 27. September 2012

Der Praxistest: Welche Religion, welcher Glaube ist der richtige?



Die Bibel sagt uns, dass ein jeder Mensch nach seinen Werken gerichtet wird - auch wir Christen. Menschen werden also, mit anderen Worten, nach dem gerichtet, was ihr Unglaube oder ihr Glaube aus ihnen gemacht hat !  Wie wenige Christen begreifen das!
Für das praktische Leben, auf das es also allein ankommt, gibt es gar nicht viele Lebensmöglichkeiten. Genau genommen nur zwei. Jesus nennt sie, den breiten und den schmalen Weg. Der breite Weg ist der Weg, der ins Verderben führt und der schmale allein führt ins Leben (Matth. 7,13-16). Es wird uns in diesen Versen auch schon gesagt, welcher Weg der populäre ist. 
Wer sich gehen lässt, ist garantiert auf dem breiten Weg. Es ist das der Weg des geringsten Widerstandes, das Beharren "im alten Adam", in äußeren Begierden und Lüsten - während eben der schmale Weg das ganze Gegenteil davon ist. Es ist der Weg des Überwindens der Begierden und Lüste, das Ausstrecken nach der Freude im Ewigen. 

Diese zwei Wege waren seit jeher bekannt. Im Yoga, im Buddhismus - als den schon vor Christus bekannten Wegen - geht es, wie im echten christlichen Glauben, um die Überwindung des "Fleisches", der Begierden und Lüste, den Abhängigkeiten von der äußeren Welt. Deshalb konnte bereits der Kirchenvater Augustinus schreiben: "Was man gegenwärtig die christliche Religion nennt, bestand schon bei den Alten und fehlte nicht in den Anfängen des Menschengeschlechtes und als Christus im Fleische erschien, erhielt die wahre Religion, die schon vorher vorhanden war, den Namen der christlichen." (Retractiones)


Viele Philosophen lehr(t)en die gleiche Wahrheit, nämlich die Überwindung der Verstrickungen in das Sinnliche/Äußere.Durch ihre klare Praxis dürften die Yogis und durch ihre klare Lehre die Buddhisten den Christen einiges auf dem schmalen Weg voraus haben. Weshalb dann also noch Christus? - Jesus ist als Vorbild für alle Menschen ( Röm. 8, 29 "Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.") den schmalen Weg bis zu Ende gegangen. Er ist der erste, der ihn vollendet hat.

Er allein hat bisher völlig die Abhängigkeit vom Äußeren, die Materie überwunden. Yogis sind schon weit gekommen. Es gibt solche, die können ohne Nahrung leben, sich innerlich so erwärmen, dass ihnen nackt die Kälte des Himalaya nichts anhaben kann - ja sogar der Schnee in ihrem Umkreis schmilzt...

Es kommt also nicht darauf an, welcher Name ein Gott hat, welchen Glauben man hat, welche Lehre, sondern einzig und allein darauf, welcher Gott, welche Glaube, welche Lehre uns am besten befähigt, das "Fleisch" zu überwinden und ein Leben in ewiger Glückseligkeit zu führen.

Buddha erreichte die Unabhängigkeit vom alten Adam und erlebte deshalb die ewige Glückseligkeit der Befreiung, von ihm Nirvana genannt. Yogis nennen das Leben in der Befreiung Moksha.

Wenn Jesus also sagte: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater (dem Ewigen), denn durch mich" (Joh. 14,6) , sagte er dies nicht im Gegensatz zu den hier genannten Wegen, sondern im Gegensatz zu den Pharisäern, die auf ganz anderes Wert legten und von denen er sich abgrenzen musste. Er sagte es als Vollender des schmalen Weges!

P.S. Interessant auch die Position der Katholischen Kirche dazu: Nostra aetate

Mittwoch, 1. August 2012

Luther und die Mystik



Der Philosoph Alfred Schmidt schrieb „Bei allen (keineswegs gering zu veranschlagenden) Unterschieden ist religionswissenschaftlich eine ´letzte Einheit der Religionen´ erkennbar. Sie ergibt sich mit rationaler Klarheit aus dem Studium ihrer Geschichte (...) Diese wissenschaftliche (...) Erkenntnis wird(...) bestätigt durch das in mystischer Religiosität von Anbeginn enthaltene "Einheitserlebnis".
Religionswissenschaft und mystisch-unmittelbare Erfahrung führen zum nämlichen Ziel: beide belegen "die Einheit der Religionen in aller geschichtlichen Mannigfaltigkeit"!

Über der Schärfe, mit der Luther spiritualistische Abweichler verurteilt, wird oft seine ursprüngliche Nähe zur Mystik vergessen. Der junge Mönch studiert Tauler und die Deutsche Theologie (...) Die neuentdeckte Innerlichkeit des Glaubens macht Luther zunächst zum Feind nicht nur der scholastischen Theologie, sondern begründenden Wissens überhaupt. "Nicht die Gelehrtesten", schreibt er zu dieser Zeit, "sind die besten Christen. Denn alle ihre Bücher und alle ihre Erkenntnis ist Buchstabe und tot für die Seele. Nein, die sind die besten Christen, die das wirklich in die Tat umsetzen mit voller Freiwilligkeit, was jene in den Büchern schreiben und andere lehren."
Erst der Kampf gegen Rom und die Auseinandersetzung mit den Spiritualisten weckt in Luther das Interesse an Theologie, die ihn bald ganz beherrscht. Nigg schildert diesen - folgenreichen - Übergang so: "Theologie und Mystik decken sich ... nicht. ... Man kann von einer Theologie der Mystik und von einer mystischen Theologie sprechen, doch darf auch der Unterschied nicht übersehen werden. Die Mystik beruht auf inneren Erfahrungen mit dem Göttlichen, während die Theologie eine gedankliche Bewältigung der christlichen Probleme versucht. Es ist deswegen so viel leichter, Theologe als Mystiker zu sein. Luther wurde durch die heftige Kampfsituation unaufhörlich von seinem ursprünglich religiösen Erleben zur Theologie abgedrängt. In ihm brannte immer stärker eine theologische Leidenschaft, die zuletzt wie ein Orkan loderte.... Es gibt... einen theologischen Dämon, der Luther zur Rechthaberei, zur Disputiersucht ... verführte, die der christlichen Innerlichkeit abträglich sind. Immer weniger ertrug er den geringsten Widerspruch, er wurde gegen andere Auffassungen zusehends unduldsamer, anstatt sie in Liebe zu ertragen ... Durch die Entwicklung vom religiösen Ringen zur kampfgeübten Theologie wurde die Türe geöffnet, durch die die Schulweisheit in die evangelische Kirche einziehen konnte. An die Stelle der mittelalterlichen Scholastik trat eine lutherische Scholastik, die nicht weniger unfruchtbare Folgen nach sich zog."