Sonntag, 22. Januar 2012

Seht die Lilien...


Das Paradies vermisst der Mensch. Seitdem ist er auf der Suche. Anscheinend ist ihm die Rückkehr verbaut. Aber ist das jetzt immer noch so?

Im Paradies musste der Mensch nicht für sich sorgen. Er lebte sorglos. Das hatte sich geändert. Der Mensch wurde den Naturmächten unterworfen. Seitdem ist alles Mühe und Arbeit. Mühe und Arbeit sind Sorge um den Selbsterhalt. Solange also Mühe und Arbeit anhalten, gibt es kein Paradies mehr für die Menschen.

Jesus aber sagte, dass wir nicht länger lediglich den Naturmächten unterworfen sein müssen, sondern dem Ewigen vertrauen können. Durch dieses Vertrauen ist eine Rückkehr ins Paradies, d.h. in die Sorglosigkeit, die Unbekümmertheit, dem Spiel – im Gegensatz zum Ernst – des Lebens möglich. Wir können werden wie die Kinder. Notwendig ist nur Eines: Vertrauen. Das aber ist das, was uns am schwersten fällt... Vielleicht deshalb, weil wir so sehr mit dem Sorgen um irdische Dinge beschäftigt sind, anstatt in der Gegenwart Gottes, in der Meditation und Kontemplation zu verweilen?

Im Kontext, dass wir nicht Schätze sammeln sollen, die vergänglich sind (Matth. 6,19; Luk. 12,16-21) spricht Jesus (Matth. 6,25) „ Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet.“ - Also genau darum, worum sich das Leben aller Menschen dreht, soll sich unser Leben nicht drehen! (Luk 12,29 " Darum auch ihr, fragt nicht danach, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und macht euch keine Unruhe. (30) Nach dem allen trachten die Heiden in der Welt; aber euer Vater weiß, dass ihr dessen bedürft.")

Wir müssen bedenken, dass diese Worte nicht in einer Wohlstandsgesellschaft gesprochen wurden, sondern in eine, wo Menschen sicher oft Mangel litten! Er begründet seine Aufforderung damit, dass ein Leben der Sorge, der Mühe und Arbeit kein wirkliches Leben ist. Klar, wie oft stöhnen wir unter dem Leben? : Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?"

Matth. 6, 26: „ Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?“ Vielleicht haben wir hier einen weiteren Zweifel? Sorgt Gott wirklich für die Vögel? Sind sie nicht dauernd auf Nahrungssuche? Sterben sie nicht auch? Tiere leben einfach ihr Inneres. Sie sind stets spontan. In diesem Sinne kennen sie kein Sorgen, keine untergründige Unruhe. Nichts, was sie zwingt. Vertrauen in Gott ist auch unser tiefstes Inneres zu leben...

Nicht nur das Grübeln, wie bekomme ich etwas zu essen, wie etwas anzuziehen, wie die nächste Miete, bringt nichts, sonder auch, dass wir für das Erlangen dieser Güter so viel Zeit und Kraft aufwenden: Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?“ (27) Eher verkürzen wir dadurch unser Leben, da es uns die Lebensfreude nimmt bzw. diese gar nicht recht aufkommen lässt.

Als ein weiteres Beispiel zieht Jesus die Lilien heran: Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. (28) Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. (29) Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? (30)“

Wie wachsen denn die Lilien? - Sie ziehen einfach alles aus der Luft und dem Boden an, was sie zu ihrem Wachstum brauchen. Auch hier ist alles ein ganz natürliches Geschehen, dass keine Anstrengung kostet. Ein solches anstrengungsloses Leben steht auch uns in Aussicht, wenn wir nur vertrauen könnten. Ein Leben, nicht in Mühe, sondern in Herrlichkeit! Ein herrliches Leben! Ein Leben ohne Arbeit!

Da werden nun gleich wieder einige kommen und den Paulusvers zitieren: „Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen." (2. Thess. 3,10). Hier handelt es sich aber um Menschen, die „unnütze Dinge treiben“ (3,11), denen diese Ermahnung gilt. Es sind also noch im Vertrauen ungefestigte Menschen, die erst zur Gemeinde hinzugekommen sind und nicht wissen was sie anstellen sollen. Ein Luftikus zu sein ist etwas anderes als wirkliches Vertrauen zu haben, dass Gott für einen in jeder Hinsicht sorgt. Bitten wir darum, dass unser Vertrauen wächst!

Denn genau in diesem Zusammenhang sprach auch Jesus davon, dass wir nicht zwei Herren dienen können. Wir können nicht gleichzeitig Gott vertrauen und uns Sorgen machen oder uns Sorgen machen und Gott vertrauen. Beides schließt sich aus (Matth. 6,24).

Wir sehen, Gott geht es nicht um ein jenseitiges Leben, sondern ein Leben im Hier und Jetzt, das immer mehr von Gottvertrauen geprägt sein soll. Ein solches Gottvertrauen hält aber der für überflüssig, der meint sowieso durch Gnade nach dem Tod in den Himmel zu kommen. Eine Überwindung der Abhängigkeiten von der Welt hält er deshalb nicht für nötig.

Für die (angebliche) Richtigkeit dieser These wird gern der Verbrecher am Kreuz zitiert, zu dem Jesus sprach „ Heute wirst Du mit mir im Paradies sein.“ (Luk. 23,43). Was ist aber darunter zu verstehen? Der Verbrecher war zu der Einsicht gekommen, dass er zu recht, aber Jesus zu unrecht verurteilt worden war. Beider Erdenleben war nun zu Ende. Also gingen Beide in die gottverbundene Welt ein. In die Welt, wo andere Gesetzmäßigkeiten herrschen als hier im Erdenleben. Das war im Paradies damals der Fall. Jesus wollte dem Verbrecher Hoffnung geben, ihm die Angst nehmen, denn Jesus war gekommen den Sünder zu retten, den Weg zum Leben zu weisen. Aber das heißt nicht, dass der Verbrecher den Weg bereits beschritten hätte oder gar zum Ziel gekommen wäre. Auch er muss erst, wie wir alle, geläutert, d.h. von den Anhänglichkeiten ans Irdische, von den Trieben und Begierden befreit werden. Das alles lag noch vor ihm! Denn „wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind's, die ihn finden!" (Matth. 7,14)





Montag, 24. Oktober 2011

Ein abenteuerliches Leben?

Ich werde den Verdacht nicht los, dass Jesus auch uns gemeint haben könnte, als er zu dem reichen Jüngling (Luk. 18,22) auf auf die Frage nach dem ewigen Leben antwortete: "Verkaufe alles, was Du hast (...) so wirst du einen Schatz im Himmel haben." Das aber war dem jungen Mann unmöglich. Deshalb sagte Jesus: "Wie schwer kommen die Reichen in das Reich Gottes! Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme."

"Reich" zu sein, ist natürlich eine Verhältnissache. Es ist durchaus möglich, dass ein Langzeitarbeitsloser reicher als dieser Jüngling ist. Denn der entscheidende Punkt ist nicht das verschwenderische Prassen, sondern die Sicherheit, die Reichtum im Leben verleiht. Man kommt nicht in Existenznot. Muss sich nicht auf Gott verlassen.
Dadurch aber verlieren wir auch nicht - durch zu lernendes Gottvertrauen - die bestehende Existensangst!
Das Reich Gottes aber besteht ja gerade darin, dass der Mensch das umfassende Gottvertrauen gelernt hat, so dass er nichts mehr fürchtet.

Wir aber sind abgesichert in jeder Hinsicht. Gegen Krankheit, gegen Verlust usw.
So ist unser Leben ereignisarm und steril. Innerlich sind wir tot.

Ich denke, dass jeder Vers 27 ( "Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich." ) missversteht, wenn er ihn so interpretiert als ermögliche Gott nach dem Tod, aus reiner Barmherzigkeit, auch einem Reichen den Zugang ins Reich Gottes. Nein, dass kann nur heißen, wenn Du aus dem Ewigen lebst, wirst Du auch eines Tages diesen Schritt in die völlige Abhängigkeit von Gott tun können!
Mit einem Leben nach dem Tod hat das Evangelium nichts zu tun, sondern nur mit der Überwindung des Todes, der eben im Misstrauen gegenüber Gott, in der Existenzangst besteht.

Anlass für diesen Beitrag war ein Satz, den ich heute morgen in einer Buchbesprechung las:
" Die bedauernswert niedrige Abenteuer - Frequenz in den Leben der meisten Menschen lässt sich unter Umständen damit erklären, dass die Welt - immer wenn es gerade spannend wird eine Entscheidung fordert: entweder Geborgenheit oder Gefahr!" (M. Keller)

Echtes christliches Leben ist abenteuerliches Leben, da es sich den Gefahren stellt und so die wahre, ewige Geborgenheit erlangt.

Freitag, 21. Januar 2011

Gott lehnt das Ego ab



Wir alle hören immer wieder: „Gott liebt Dich.“ Daraus entnehmen viele einen Freifahrtschein in den Himmel, sodass es sie zu geistiger Trägheit verleitet.
Es ist zwar richtig, dass Gott uns liebt. Man muss diese Liebe aber auch richtig verstehen; denn Gott lehnt das Ego (Rö. 8.8,13) ab. Diese Ablehnung empfand der Mensch als den sogenannten „Zorn Gottes“. Natürlich ist Gott nicht zornig. Solche menschlichen Aspekte gehören nicht zu ihm.
Wie aber können wir diesen Zorn, diese Ablehnung des Menschen und seine Liebe, die sein Wesen ist, verstehen? Beides schließt sich doch aus?
Liebe und Lieblosigkeit lassen sich nicht miteinander vermischen. Entweder liebt man, oder man liebt nicht. In der Liebe ist für Hass, für Egoismus kein Raum.
Wenn aber der Mensch ein egoistisches Wesen ist, ein sündiges Wesen - wie es die Bibel nennt - dann ist für ihn kein Raum in Gott. Das empfanden die Menschen als die Heiligkeit Gottes und in Bezug auf sie selbst als den „Zorn Gottes“.
Da aber das Leben ewig ist, kann der Mensch nicht vernichtet werden in dem Sinne, dass er nicht mehr ist.
Solange der Mensch also ein egoistisches Wesen ist, bleibt ihm deshalb nichts anderes übrig als solange - „ewig“ - zu leiden. Das ist das, was die Bibel unter der „ewigen Verdammnis“ versteht.
Wenn das Leiden des Menschen ein Ende haben soll, dann muss die Wurzel des Leidens - das Ego - restlos vernichtet werden (Röm. 6,2.7.8.11; Rö. 8,13; Kol. 3,5; 2.Ti 2,11; 1.Petr. 2,24 etc.).
Dieser Aspekt wird von den Christen kaum beachtet, obwohl er ganz deutlich in der Bibel zum Ausdruck kommt. Daraus resultieren alle Missverständnisse. Daraus das falsche Gnadenverständnis.
Das Ego wird durch die Abhängigkeit von der Umgebung, d.h. vom Äußeren, am Leben erhalten. Ins Äußere gehen ganz natürlich unsere Begierden. Und da die äußere Umwelt nicht so funktioniert, wie wir uns das wünschen, leiden wir unter ihr.
Die Gnade und Liebe Gottes besteht also darin, uns einen Weg aus der Abhängigkeit vom Äußeren, zu eröffnen. Indem wir begreifen, dass wir ewig leben, begreifen wir grundsätzlich, dass wir vollkommen frei vom Äußeren werden können. Unsere Begierde, die nach Außen gerichtet war, kehrt sich nun um, nämlich in den dringenden Wunsch von allen Abhängigkeiten frei zu werden. Das ist die Wirkung der Gnade (und nicht, dass sie den egoistischen Menschen einfach nach dem Tod in den Himmel versetzt - was unmöglich ist).
Die Bibel drückt es so aus: „Weißt Du nicht, dass Gottes Güte Dich zur Umkehr leitet?“ (Rö.1,4)
Indem nun der Wunsch nach Befreiung, nach Freiheit in uns immer stärker wird, und damit alle Unfreiheit (Abhängigkeit) überwindet, stirbt allmählich das Ego. Und wenn das Ego endgültig gestorben ist, sind wir eins mit der Liebe. Dann haben wir unauflösliche Gemeinschaft mit Gott - der die Liebe ist - und „der Zorn Gottes“ ist nicht mehr auf uns (Joh. 3,36).
Unsere rein gewordene, geheiligte, nicht mehr vom Egoismus (der Sünde und den Einzelsünden) befleckte Seele, empfindet dann nur noch unaussprechliche Herrlichkeit.

Diese erlangt man aber, wie gesagt nicht dadurch, dass man einfach sich zu Christus bekennt und dann physisch stirbt. Nein dazu muss man ein neuer Mensch geworden sein.

Wie Liebe und „Zorn Gottes“ zusammenstimmen, kann man auch sehr schön aus den Nahtoderlebnissen ersehen. Wenn Christus nicht in die Welt gekommen und für uns gestorben wäre, dann würde der Mensch nach dem Tod kein Lichtwesen erblicken. Der Mensch würde da keine liebevolle Anziehung zu ihm verspüren. Aber was löst dieses Lichtwesen aus? - Es lässt dem Menschen seine Lieblosigkeit erkennen. Weshalb? Damit der Mensch Sehnsucht danach bekommt von seiner Lieblosigkeit (Ego) frei zu werden.

Dienstag, 18. Januar 2011

Das größte Übel der Christenheit

Das wohl größte Übel innerhalb der Christenheit ist, dass man meint ohne Veränderung der ewigen Glückseligkeit teilhaftig werden zu können. Dabei besagt doch schon das Wort “anders”, dass anderes Leben, Er- leben nur kommen kann, wenn etwas anders, etwas verändert wird. Wenn der Mensch also das Leben so erfährt, wie er es nicht haben möchte, dann muss er eben so ein Verhältnis zu seiner Umgebung gewinnen, dass sie ihm Freude macht. Es ist unmöglich Heil ohne Heiligkeit, Vollkommenheit ohne vollkommen zu sein, zu erlangen, Gesundheit ohne, dass ich gesund lebe usw.

Deshalb können nur die Lehrer der Christenheit sein, die das einsehen und selbst auf dem Weg des Heils wandeln. Da das aber naturgemäß wenige sind, werde diese von den Menschen allgemein aber auch den Christen am meisten verachtet. Vielmehr wählt sich der fleischliche Christ, diejenigen als Lehrer aus, die die wenigsten Forderungen an die Selbstüberwindung (die ja zugleich Weltüberwindung ist) stellen. So wiegt man sich, auf kleinstem Nenner vereint, in trügerischer Selbstsicherheit.

Deshalb, da man als fleischlicher Christ, keine wirkliche Erkenntnis hat, übt der Dilletantismus in den Kirchen, Gemeinden und Foren fröhliche Urständ.

Montag, 6. September 2010

Was sind Dämonen?

In der vorrationalen Welt war der Glaube an Dämonen bei allen Völkern allgegenwärtig. Das ist er auch heute noch in Stammesgesellschaften. Generell bezeichnete man damit Mächte, die (anscheinend) stärker waren als das, was der Mensch alltäglich erlebte. Immer mehr aber wurde die Bezeichnung“Dämon” jenen Mächten zugelegt, die der Mensch für sich als hinderlich und quälend empfand. So gab und gibt es bsw. Krankheitsdämonen, weil man ja nicht krank sein wollte und doch krank wurde.
In einem solchen, vom Dämonenglauben bestimmten Umfeld, wirkte Jesus.
Bei der Befreiung des Gardareners zeigt sich ganz deutlich, dass er von rasenden Dämonen geplagt wurde, die darum baten in eine Schweineherde fahren zu dürfen. Sie waren also auf das Sinnlich - Materielle gerichtet. Aber ihre Raserei brachte es mit sich, dass sie sogleich das was sie wünschten - nämlich in den Schweinen bleiben zu dürfen - zerstörten. Sie stürzten die Schweine von der Klippe und verloren so ihren Wirt, um den sie eben noch bettelten.

Das zeigt, dass in ihnen keinerlei Vernunft ist, und es sich keinesfalls um intelligente, raffinierte Wesen handelt, wie es heute von simpel gestrickten Christen verstanden wird.

Ganz klar zeigt das Beispiel des Gardareners, dass es sich bei seinen Dämonen um miteinander nicht zu vereinbarende und deshalb sich gegenseitig bekämpfende Teilaspekte seiner Persönlichkeit handelten. Er war ein innerlich zerrissener und deshalb so unsäglich gequälter Mensch. Die Befreiung bestand darin, dass Jesus diese Teilaspekte gänzlich von ihm trennte.

Wenn es Dämonen jemals gab, muss es sie auch heute noch geben. Und wenn man der Sache nachgeht, sieht man auch, dass es “sie” gibt. Nur bezeichnen wir sie nicht mehr mit einem volkstümlichen Begriff, sondern können heute mehr und mehr verstehen, was sie eigentlich sind: Dissoziationen der menschlichen Psyche. Durch das Verständnis ist auch ein anderer Umgang mit “ihnen” möglich.
Ein weiterer Aspekt ist das Einwirken Verstorbener auf desolate Seelen, wie es u.a. bei der Gottliebin Dittus der Fall war.


"Dämonen heute"

Die heutigen Seelsorgefälle, wo man meint Dämonen als intelligente, raffinierte, selbstständige Wesen feststellen zu können, unterschieden sich gravierend von den Fällen in der Bibel. Die biblischen “Dämonen” lästerten nicht Gott, während man heute gerade da von Dämonen spricht, wo Gott gelästert und unflätig beschimpft wird oder man nicht beten kann. In der katholischen Kirche kommt noch hinzu, dass sie kein Weihwasser vertragen und anderes, was nur aus dem katholischen Glaubensverständnis abzuleiten ist.
Das zeigt wiederum ganz klar, dass wir es hier mit Menschen zu tun haben, die einstmals eine Abneigung gegen das Christliche oder spezifisch Katholische entwickelt haben, oder meinten irgendwelche religiösen Forderungen erfüllen zu müssen, denen sie innerlich nicht nachkommen wollten. Dadurch kommt es zu religiös motivierten Dissoziationen Auch spielt die Angst vor der ewigen Verdammnis bei vielen Dissoziationen eine herausragende Rolle.

Fazit, das was früher als Dämonen bezeichnet wurden, kennt man auch heute noch, aber es ist nicht das, was der unwissende Christ darunter versteht.

Freitag, 16. Juli 2010

Vom Glauben zum Schauen


Für die meisten Gläubigen sind Gott und die unsichtbaren Welten, einschließlich ihrer Wesen etwas “Verborgenes” (lat. “okkultes“), und so soll es auch nach Meinung vieler bleiben. Sie wollen nichts davon wissen. Entsprechend sieht dann natürlich die Bibelauslegung aus. Rein willkürlich, da man keine übersinnlichen Erkenntnisse, keine Einsichten in Zusammenhänge hat.
Dabei sollte doch der Glaube als übersinnliches Wahrnehmungsorgan dienen: “Durch den Glauben nehmen wir wahr, dass die Welten durch Gottes Wort geschaffen sind.” (Hebr. 11,3). Durch ihn wird unser Sinn und damit unser Wahrnehmungsvermögen auf das Übersinnliche gerichtet. “Trachtet nach dem, was droben ist.” (Kol. 3,2), werden wir ermahnt. Die Ausrichtung nach “oben” genügt aber noch nicht, um wirklich etwas wahrzunehmen. Deshalb heißt es “Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.” (Mt. 5,8). Um ein reines Herz zu bekommen ist Heiligung nötig. Wiederum heißt es deshalb “Ohne Heiligung wird niemand den Herrn schauen.”
Ein reines Herz kann man mit einem Spiegel vergleichen. In einem Spiegel ist nichts eigenes, sondern er gibt nur wieder, was sich in ihm spiegelt. Wenn in uns Emotionen sind, wie Wut, Hass, Ärger, Zorn, Angst, Furcht so ist das, wie wenn der Spiegel blinde Flecken hätte, oder wie wenn Wolken vor den Himmel ziehen.
Aber auch Vorurteile binden unseren Geist, so dass er nicht die Wahrheit erkennen kann. Deshalb sollten wir uns um Objektivität bemühen. Alles so da sein lassen, wie es ist. Das fällt uns oft nicht leicht. Wir Menschen haben ein Interesse daran, die Wirklichkeit zu entstellen, d.h. sie anders wahrnehmen zu wollen, als sie wirklich ist. Wir meinen nämlich oft, die Wahrheit nicht ertragen zu können. So lügen wir uns lieber etwas vor.
Furchtlos der Wahrheit ins Antlitz zu schauen lernt aber der, der weiß, dass er ein ewiges Wesen ist und ihn nichts und niemand vernichten kann.

“Unser Wandel ist im Himmel” (Phil.3,20). Also sollten wir uns da ein bisschen auskennen. Unser ewiges Ich ist immer in der unsichtbaren Welt. Es hat nur seine Wahrnehmung auf das Sinnlich-Sichtbare gerichtet und deshalb meinen wir Menschen, wir lebten ausschließlich hier auf Erden. Das ist aber ein Trugschluss. Deshalb müssen und sollen wir nicht warten, bis uns alles nach dem Tod, wie einige meinen, offenbar wird (wenn wir unser übersinnliches Erkenntnisvermögen nicht hier entwickeln, werden wir da auch nicht viel wahrnehmen), sondern hier und jetzt soll es geschehen.
Die Nahtoderlebnisse und die weitere Entwicklung derer, die nicht zurückkommen kann prinzipiell jeder von hier aus verfolgen. Ganz einfach weil wir uns selbst schon in diesen Welten aufhalten.
Dazu muss man natürlich nicht Christ sein. Das kann jeder Mensch, der sich um Reinheit bemüht, der nicht irdisch gesinnt ist.
Solche Menschen gab es schon immer. Sie wurden “Menschensöhne” (Eph. 3,5) genannt. Nur das Geheimnis der Auferstehung konnten sie noch nicht erkennen.
Ein solcher Menschen begegnet uns in der Frühzeit des Christentums. Er schrieb in einem Brief “Könnte ich euch etwa nicht auch Himmlisches schreiben? Ich fürchte nur, dass ich euch Unmündigen Schaden zufüge (…) auf dass ihr unfähig es zu fassen, (nicht) erstickt. Bin doch selbst ich, ob ich auch (…) die himmlischen Dinge und die Rangordnungen der Engel und der Fürstentümer , Versammlungen, Sichtbares und Unsichtbares wohl verstehen kann, um deswillen noch kein Jünger.” (Ignatius an die Trallianer 5, 1-2).
Wie weit sind wir doch von den Erwartungen, die Jesus und die Apostel an die Jünger Jesu hatten, entfernt. Schon damals rügte Jesus, dass die Menschen so blind waren: “Wenn ihr eine Wolke von Westen aufsteigen seht, sagt ihr alsbald, es gibt Regen. (…) Heuchler! Das Angesicht der Erde und des Himmels wisst ihr zu beurteilen; wie aber kommt es, dass ihr diese Zeit nicht beurteilen könnt?” (Luk. 12, 56). Was würde Jesus heute sagen, wo wir davon reden, dass in Christus alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis seien (Kol. 2,2), wir aber jede Offenbarung solcher Schätze als “über die Bibel” hinausgehend, also als unbiblisch ablehnen? Sind wir nicht da noch größere Heuchler?
Dazu gäbe es noch viel zu sagen.

Montag, 5. Juli 2010

Wie Glaube funktioniert

I.
1) Der Mensch ist unfrei. Er ist ein Gebundener in Finsternis (Jes. 61,1;Wsh. 17,2; Jph. 12,46; Eph. 5,8; Jo. 8,32 u.v.m.) Er wird ausschließlich vom Lustunlustprinzip bestimmt. Seine Vorstellungen bestimmen den Inhalt seiner Lust und Unlust.

2) Aus diesem Grund kann kein Mensch von sich aus zu Jesus kommen und ihn als Retter annehmen.
Das ist nur möglich, wenn ihn der Vater zieht (Jo. 6,44).
Wie zieht der Vater einen Menschen zu Jesus?
Indem der Menschen durch seine Lebensumstände verschiedene Erfahrungen macht, die ihn schließlich befähigen davon überzeugt zu werden, dass Jesus die Lösung seiner Probleme ist (Prinzip: “Bekehre Du mich, so will ich mich bekehren.” Jer. 31,18). Die Entscheidung für Ihn (übergabe des Lebens, Sich-bestimmen - lassen von seinem Wort) erfolgt dann, wenn das Erlösungsbedürfnis größer ist als alles das, wovon man meint in der Nachfolge verzichten zu müssen, was einem aber noch Lust bereitet.

3) Welche Aufgabe haben wir Christen?
Kurz gesagt, den Menschen die rechten Vorstellungen zu vermitteln. Dies geschieht durch die Verkündigung der Wahrheit (Apg. 17,4; 28,24), durch das Weitersagen von Erfahrungen, durch entsprechende Zeichen und den eigenen Lebenswandel.
Je nach den Vorstellungen, die der einzelne Mensch besitzt (s. I,2), wird ihm dies oder jenes glaubhaft oder auch nicht vorkommen. Er wird also von diesem oder jenem überzeugt werden.
Auch derjenige, der sich bereits für Christus entschieden hat, wird in der Praxis auch nicht allesglauben, möglicherweise aber alles, was in der Bibel gesagt wird, für “wahr” halten, aus dem gleichen Grund.
Die entsprechenden Vorstellungen bestimmen also das Maß des Glaubens (Rö. 12,3). Jeder hat damit zunächst einen beschränkten Glauben, der aber durch die entsprechenden Vorstellungen, die nun auch durch die eigenen Erfahrungen mit Christus gemacht werden, wächst (2.Ko. 10,15; 2.Th. 1,3)
Reden und Handeln über das Maß unseres Glaubens wirkt nicht überzeugend, sondern unglaubhaft. Handeln führt zu Misserfolg.

4) Da der Weg des Glaubens ein Einweihungsweg ist (Hebr. 10,20), d.h. die Erfahrungen, Erkenntnisse und Fähigkeiten nur von dem erworben werden kann, der diesen weg geht, kann der Glaubende nicht von Außenstehenden verstanden oder beurteilt werden (1. Ko. 2,15), während der Geistesmensch prinzipiell alles beurteilen kann (1.Ko. 2,15).
Deshalb kann er auch - je nach seiner Einsicht - das “Warum?” der Menschen beantworten.Eine große Aufgabe liegt darin, von der durch den Glaubengewonnenen Erkenntnis der Wahrheit aus, alle naturwissenschaftlichen Gebiete zu ordnen und die entspr. Naturwissenschaftlichen Theorien zu korrigieren, d.h. dem Menschen ein wahres Weltbild zu geben.

II.
1) Alles strebt nach Ruhe, Ausgewogenheit, Ausgeglichenheit.
Materie, wenn sie nicht von Außen bewegt wird, ruht immer (Stein). Das Tier, insofern es nicht vom Geschlechts- oder Selbsterhaltungstrieb getrieben wird, ebenfalls. Gott ruht ständig in sich selbst. Der Mensch will „seine Ruhe“ haben.
Unerschütterliche Ruhe findet er aber erst durch das Eingehen in die Ruhe Gottes (Hebr. 4, 10-11).

2a) Auf Grund dieses Strebens, stoßen alle neuen Vorstellungen (Ideen), die ja auch ein neues Handeln bedingen, bei uns auf einen gewissen Widerstand, der sich solange bemerkbar macht, bis uns die neuen Vorstellungen „in Fleisch und Blut“ übergegangen sind (anders ausgedrückt: „Kopf- zu Herzensglaube“ geworden ist).
Die neuen Vorstellungen gehen vom Kopf ins „Herz“, indem man sie willentlich festhält und das für „richtig“ Erkannte tut, trotz aller Anfechtung. Dadurch werden die neuen Vorstellungen und Handlungsweisen mit Lust verbunden. Denn ich kann nur das Festhalten, von dem ich annehme, dass es mir zukünftig mehr Lust bringen wird als alles Gegenwärtige.
Die Kraft des Herzens ist Lust oder, anders ausgedrückt Sympathie, Liebe.
Ein Unterschied besteht nur in dem, was die Menschen lieben (I,1).
Unlust, Hass, Antipathie entstehen nur dort, wo wir das, was wir lieben und an dem wir demzufolge hängen, gefährdet sehen. Wir werden dadurch beunruhigt, unruhig.

b) Alle Anfechtungen, die durch das Festhalten des Neuen (Vorstellungen usw.) bedingt werden, haben ihre Wurzel im Loslassenmüssen dessen, was uns bisher lieb war oder teilweise noch ist. Sie ist Ausdruck der Unlust gegenüber dem Neuen, das das Alte gefährdet.

Da wir das Neue als „göttlich“ und damit „gut“ ansehen, können wir logischerweise das, was dem Göttlichen widerstreitet, nur als „böse“ ansehen.
Vorher war es uns nicht immer oder überhaupt nicht als „böse“ bewusst.
Wenn ich mich daher aus freiem Entschluss für Gottes Wesen (Liebe) und Willen entschieden habe, so bin ich in diesem Willen automatisch distanziert von dem was vordem mein Wesen und Wollen bildete. Ich bin erlöst (2.Ko. 1,10).
Da ich mich nicht mehr mit meinem bisherigen Wesen identifizieren kann und will, und auch nicht mehr brauche (mir aber mein „altes Wesen“ mit allen Begierden - die genau noch so lebendig sind wie vorher - bildlich, wie ein „alter Mantel“ anhängt) werden die aus dem „alten Wesen“ hervorgehenden Anfechtungen als „Anfechtungen Satans“, die „feurigen Pfeile des Bösen“, als „Einflüsterungen Satans“ usw. bezeichnet.
Aber das alles kommt eben nicht von Außen, sondern ist nur die Wirkungsweise meines bisherigen Wesens, von dem ich mich distanzieren will. Es ist die „Stimme des Fleisches“ (Jak. 1,14).
Aus diesem Grund kann jeder Christ mit Paulus sagen: „Wenn ich dieses, was ich nicht will ausübe, so vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die in mir wohnende Sünde.“ (Rö. 7,20; vgl. 7,17). Von ihr, bzw. meinem „alten Wesen“ werde ich noch zu den gleichen Handlungen getrieben wie früher. Aber es besteht bereits, wie gesagt, ein innerliches Distanzieren, während man sich früher damit Einverstanden gefühlt hätte.

3) Der Wille ist das tätige Element. Er schafft, mittels des Glaubens (Hebr. 11,1) die neue Geistleiblichkeit (1. Petr. 1,14), die der Geistgestalt Christi entspricht in uns (Gl. 4,19; Eph. 4,24; Kol. 3,10).
Zunächst ist dieser Wille schwach, da der Glaube klein ist (Mt. 13, 31-32). Aber er erhält Nahrung und damit Kraft aus den neuen Vorstellungen, wie sie uns durch andere Christen, die rechte Lektüre, durch Meditation usw. übermittelt werden, bzw. aus dem bereits in uns vorhandenemGlaubenentspringen. Dadurch kommt zum Wollen immer mehr das Vollbringen (Phil. 2,13).

4) Welche Prozesse spielen sich in uns ab und wie werden sie genannt?
Hebr. 4,12: „(…) das Wort Gottes ist (…) schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, wie auch der Gelenke und des Markes, und ein Beurteiler der Gedanken und Gesinnungen des Herzens.“

Seele und Geist sind im alten (dem fleischlichen ) Menschen miteinander verbunden. Das besagt nichts anders, als dass gewisse Vorstellungen mit gewissen Gefühlen verbunden sind (I,1).
Durch die neuen Vorstellungen (Wort Gottes, Erkenntnisse usw.) werden die bisherigen Vorstellungen von ihrem Gefühlsinhalt (= Seele) getrennt. Damit werden die betreffenden Vorstellungen kraftlos (sie können uns damit zu keinen ihnen gemäßen Handlungen mehr bewegen) und die so gewonnene Kraft kommt dem neuen Menschen zu Gute.
Der Prozess der Trennung ist verbunden mit einer Be- und Erleuchtung.
Erstere betrifft den bisherigen Seeleninhalt ( Sündenerkenntnis, Hebr. 4,12), letztere die Wahrheit.
Dieses Loslassen der Sünde (falsche Vorstellungen und die durch sie bedingten Begierden) , das dadurch erfolgt, dass Sünde als unvernünftig und damit als schädlich erkannt wird, macht uns rein.
Die Reinheit aber befähigt uns zur Erkenntnis und zum Gottschauen (Mt. 5,8; Eph. 1,18; Hebr. 12,14).
- (Alles Triebhafte ist „blind“. Ein Raubtier, das einen Hasen jagt, sieht nicht die Schönheit des Himmels, der Blumen und Steine. Und wenn es den Hasen erreicht hat „denkt“ es nur „etwas zu fressen“. Es achtet nicht das schöne Fell, die wunderbaren Augen und die merkwürdigen Ohren des Hasen. Das alles kümmert es nicht. -
Ps. 115, 5-6)
Die Kraftzufuhr, die so erfolgt, lässt uns aber auch immer mehr gute Werke tun, da nun zum Wollen das Vollbringen gekommen ist (Jak. 2,17; Phil. 2,13).
Durch diese innere Handlungen wird „das Herz“ überzeugt, denn nun wird dieEmpfindung der Ruhe, die Friedens und der Liebe immer stärker in uns, beginnen die Früchte des Geistes immer mehr offenbar zu werden (Gal. 5,22).

- (Anm.: Wenn der Mensch sagt, er sei von tiefstem Herzen von dem und dem überzeugt ist , so meint er damit, dass in ihm eineEmpfindung sehr stark, vielleicht auch bleibend ist; nichts weiter. Beim sog. „Herzensglaube“ ist die Empfindung, dass das und das wahr sei, stark, weil die betreffende Empfindung alle bis dahin vorhandenen Empfindungen überwunden hat. Also intensiver ist.. - Über den Wahrheitsgehalt ist damit freilich nichts gesagt. -)

In seiner Gesamtheit wird der hier beschriebene Prozess „Heiligung“ (1. Thess. 4,3) genannt, in Bezug auf den „Alten Menschen“ als „Sterben und Ertöten“ (1. Kor. 15,31; Rö. 8,13; Kol. 3,5).
Das eine ist das „Ablegen“ des „alten Menschen“ (Eph. 4,22), das andere das „Anziehen“ des „neuen Menschen“ (Eph. 4,24) bzw. das „Anziehen“ Christi (Rö. 13,14).

III.
1a) Alle Menschen, ohne Ausnahme, sind bereits erlöst (Rö. 5,10; Tit. 2,11-12). Das ist die objektive Tatsache.
Doch wenn wir in die Welt schauen oder auch uns Christen ansehen, ist davon nicht viel zu merken.
Obwohl die Erlösung eineobjektive Tatsache ist, also unabhängig von unserem Dazutun existiert, kann sie doch für mich nur dann eine Bedeutung haben, wenn ich sie mir persönlich - im Glauben - aneigne.
Es muss das durch bewusstes Wollen geschehen, und kann dem Menschen nicht einfach automatisch bzw. “mechanisch” übereignet werden (etwas so, wie man Benzin in einen Tank füllt), da der Mensch sich - im Gegensatz zum Tier - seiner Selbst, seines Wollens und Denkens bewusst ist. (Würde die Erlösung automatisch wirksam sein, wäre der Mensch nicht mehr Mensch, sondern ein Automat),

In dieser Notwendigkeit des bewussten Aneignens liegt die Gefahr in diesem Tun zu träge und gleichgültig zu sein, so dass man die Gnade möglicherweise vergeblich empfangen haben könnte (2. Kor. 6,1; Mt. 25, 11-13).
Aneignen kann sich diese Tatsache der Erlösung nur, wer bereits ist dafür prinzipiellalles aufzugeben (Luk. 14,33; Mt. 13,44-46; s.a. I,2).
Nur wer so bereits ist, sich selbst aufzugeben sich selbst abzusterben wird wiedergeboren (Rö. 6,7; Tit. 3,5; Joh. 3,3-7) und derjenige kann dann auf die Tatsache der Erlösung bauen, indem er sich immer wieder in seinem denken und handeln von ihr bestimmen lässt. (Er geht damit den Einweihungsweg - I,4 -, der ihm selbst und anderen die Erlösung sichtbar macht).

b) Dass ich versöhnt (Rö. 5,10-11; 5,18), gerechtfertigt bin (Rö. 6,7), Frieden mit Gott habe (Rö. 5,1; Kol. 1,20), mit Christus gestorben (Kol. 3,3; Gal. 2,19-20), mit ihm auferweckt (Kol. 1,12; 3,1) bin, ewiges Leben (Joh. 3,36; 1. Joh. 5,12) habe, geheiligt (Kol. 3,12; Eph. 1,1) und vollkommen (Kol. 2,10; 2.Kor. 13,11) bin, ist Ausdruck ein und derselben Wahrheit der Erlösung in ihren verschiedenen Bezügen.

2) Was bedeutet das in der Praxis?
Da ich Frieden habe und demzufolge glücklich bin, muss ich nichts mehr für meine Befriedigung tun. Diese vollkommene Bedürfnislosigkeit weckt die Liebe in mir, anderen Menschen daran teilhaftig sein zu lassen, was ja letzten Endes nur geht, indem sie ebenfalls die Tatsache der Erlösung begreifen.
Da ich ewiges Leben habe bin ich frei von aller Krankheits- und Todesfurcht, aber auch aller “Lebensangst” - denn ich weiss, nichts kann mich wirklich vernichten oder mir schaden.
Wenn ich “äußerlich” noch krank werde oder auch physisch sterbe, so ist das noch Folge meines vorherigen gottlosen Lebens (II, 2b).
Sich von den Erlösungsgedanken bestimmen lassen führt aber zu mehr innerer und schließlich auch äußerer Gesundung.
Aus diesem Grund ist im N.T. alles in der Seins- (also zum Beispiel “ewiges Lebenhaben) und in der Verheißungsform (“ewiges Leben erlangen” 1.Joh. 2,25) genannt. Im neuen Sein liegen die Ursachen des neuen Werdens. Nur aus den rechten Ursachen entspringen die rechten Folgen, oder wie es die Bibel ausdrückt: Ein guter Baum bringt gute Früchte.
Das Werden braucht Zeit. Im Glauben aber geht man von der Seinsform aus, d.h. ich glaube zum Beispiel, dass ich vollkommen bin, damit ich in der Erscheinung, im Erleben vollkommen werde.
Nicht umgekehrt. Also nicht: ich werde vollkommen.

3) Nachdem der Mensch als Vorbedingung zur Wiedergeburt die Bereitschaft zur völligen Selbstaufgabe haben musste (III,1), so muss nun im tagtäglichen Vollzug das Loslassen (von den Mystikern “Leerwerden” bzw. “Gelassen-werden” - etym. von “loslassen” - genannt) alles eigenen, das Sich-selbst-loslassen erfolgen (1.Ko. 15,31; Rö. 12,1; Luk. 9,24).
Denn in der Armut verwirklicht sich der Zustand der immerwährenden Seligkeit (Mt. 5,3; 1.Petr. 1,9; Ph. 2,12). Das ist völlig logisch.
Solange der Mensch begehrt, empfindet er Mangel; fühlt er sich arm, als einer, der nicht hat, obwohl er vielleicht in größtem Reichtum lebt. Würde er sich reich fühlen, so hätte sein Begehren ein Ende.
Doch durch das Anhäufen von materiellen Gütern ist noch niemand vom Begehren frei geworden.
Im Gegenteil, wie das Sprichwort sagt: “Je mehr er hat, je mehr er will, nie schweigen seine Klagen still.”
Materieller Reichtum kann also das Begehren nicht stillen und solange danach gestrebt wird, wird zwangsläufig damit die Unzufriedenheit lebendig erhalten.
Auch entspringt aller Unfriede, Lüge usw. daraus (1.Tim. 6,8-10).
Das gilt auch für das sonstige Begehren, ob es sich nun um sexuelles oder das Begehren Freunde zu haben, viel Wissen zu erlangen usw. handelt (2.Tim. 3, 6b-7)
Folgerichtig ergibt sich die Erkenntnis: Will man glücklich werden, so muss man aufhören zu begehren, muss man begierdelos werden.
Dies geschieht u.a. dadurch, dass man den Blick vom Mangel, aus dem ja alles Begehren entspringt, abwendet und auf die geistigen Güter richtet, die man bereits besitzt, z.B. Tugenden und Erkenntnisse.
Sieht man diese Güter wirklich als “Schätze” an, so wird man in steter Dankbarkeit für sie sein.
So werden zu diesen “Schätzen des Himmels” (Mt. 6, 19-21) immer mehr hinzugetan (Mt. 25,29).
Die so entstehenden Empfindung des Reichseins ruft die Gesinnung und Lust hervor, andere Menschen glücklich zu machen. Dann erfährt man, dass Geben seliger als Nehmen ist (Apg. 20,35).

Solange der Mensch in der Gesinnung lebt Besitzer des ihm anvertrauten “Eigentums” zu sein, kann er ebenfalls nicht glücklich werden, da er soeineverborgene Angst um den Verlust dieser Güter hat, die sich dann auf verschiedene Art und Weise äußert (z.B. Unruhe, Hass, Gewalt) wenn die Bedrohung der Dinge faktisch eintritt (s.a. II,2).
Derjenige, der sich innerlich von allem Besitz gelöst hat, hat die Dinge als hätte er sie nicht (1.Kor. 7,29-31).
Auch der Eigenwille macht unglücklich, denn ihm können innere (Hemmungen) oder äußere Widerstände entgegenstehen. Oder er führt in Verstrickungen und damit zu Psychosen und organischen Erkrankungen. Deshalb muss auch er aufgegeben werden.
Es zeigt sich, dass das Festhalten des eigenen Willens, der Begierde und des eigenen Lebens dem Glücklichsein des Menschen im Wege steht, dass das Loslassen jedoch das Glück verwirklicht.
Wer nichts hat, hat alles.
Denn wenn man nichts mehr begehren oder verteidigen, noch sich durchsetzen muss, hören alle Angst und Unruhe immer mehr auf und Friede, Freude, Liebe ziehen immer mehr in das Herz ein. Ein Gefühl grenzenloser Freiheit erfüllt uns dann.
Eine weitere Folge: Man wird sanftmütig, da man am richtig Erkannten bleibt uns sich von ihm leiten und bestimmen lässt. Zu etwas anderem kann man nicht mehr gezwungen werden